Tech-Branche: Lebensverändernde Geschäftsmodelle oder Marketing-Narrative?
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Das Neuverpacken alter Ideen stört Tech-Branche nicht

Neue Geldverleihfirmen wie On Deck und LendingClub, neue Medienunternehmen wie BuzzFeed und Mashable und neue Transportunternehmen wie Uber und Lyft haben alle etwas gemeinsam: In vielerlei Hinsicht sind sie grundsätzlich traditionelle Geschäftskonzepte verpackt in trendigen Narrativen, um wie visionäre Tech-Unternehmen zu wirken.

On Deck sammelt Geld von Banken und Einzelanlegern ein und verleiht es an Firmen: genau das macht eine traditionelle Bank auch. BuzzFeed veröffentlich unterhaltsame Geschichten mit vielen Bildern (und etwas ernsthafter Berichterstattung). Die Klatschpresse macht dies seit Generationen. Uber betreibt in einer Vielzahl von Städten einen Taxiservice.

Diese Geschäftsmodelle den Investoren als innovative Tech-Unternehmen zu verkaufen war großartiges Marketing. Selbst nach einem steilen Abfall des Aktienpreises aufgrund von enttäuschenden Finanzergebnissen hat On Deck eine price-to-book Rate von 1,03 (Citigroup wird bei 63% des Buchwertes gehandelt).

Ein Deal mit NBC Universal im letzten Jahr bewertete BuzzFeed mit 1,5 Milliarden Dollar, vergleichbar mit der Marktkapitalisierung der New York Times Company im Umfang von 1,99 Milliarden Dollar, obwohl BuzzFeed letztes Jahr einen Umsatz von 170 Millionen Dollar berichtete und die Times 1,6 Milliarden Dollar verdiente.

Uber wird auf über 60 Milliarden Dollar taxiert, obwohl es nicht einmal einen Gewinn vermelden konnte: kein anderes Transportunternehmen hätte das erreichen können.

Die tatsächlichen technologischen Innovationen, die diese Unternehmen für sich in Anspruch nehmen sind nicht derart bahnbrechend oder unmöglich zu imitieren, dass ihre "Vorgänger"-Wettbewerber diese nicht nutzen könnten. Tatsächlich tun sie das bereits.

Banken setzten hochkomplexe Berechnungsmodelle ein bevor "big data" ein Modebegriff wurde, und die Probleme mit Zahlungsausfällen bei den neuen Kreditfirmen bedeuten, dass ihre Modelle, welche auf vielfätigeren Daten wie den Social Media-Profilen der Bewerber beruhen, nicht besser sind als die von traditionellen Geldgebern entwickelten -- sie sind lediglich neu, unerprobt, und manchmal problematisch.

Das US-Finanzministerium hielt in einer am 10. Mai veröffentlichten Blaupause zu Online-Geldgeberplattformen:

"Während neue datenbasierte Algorithmen vielleicht Bewertungen der Kreditwürdigkeit unterstützen und Kosten reduzieren, bergen sie auch das Risiko erheblicher Auswirkungen auf Kreditrückzahlungen und Verletzungen von fairen Kreditvoraussetzungen. Wichtig ist auch, dass die Bewerber keine Möglichkeit haben Daten zu prüfen und gegebenenfalls zu korrigieren, die möglicherweise bei nachfolgenden Entscheidungen eine Rolle spielen."

Und der peer-to-peer-Geldverleih ist nur eine andere Form der Nutzung von Kontoguthabe zur Ausgabe von Darlehen und es funktioniert auch nicht ganz so wie behauptet, wie der Absturz vom Geschäftsführer des LendingClub, Renaud Laplanche, beweist. Eine seiner Verfehlungen war die nicht erfolgte Erklärung von Interessen bei einem Finanzunternehmen das Darlehen des LendingClub aufkauft.

Die hochwertigsten traditionellen Medienanstalten beherrschen mittlerweile die Sozialen Netzwerke und werden gut in dem, was den meisten Umsatz von BuzzFeed ausmacht -- das sogenannte native advertising, das in prähistorischen Zeiten als advertorial bezeichnet wurde (das war in den 2000ern). Es gibt bei dem was die neuen Medienunternehmen machen nichts, was die Traditionellen nicht auch könnten bzw. bereits tun. Wie Joshua Topolsky, Mitbegründer von The Verge, ehemaliger Editor bei Engadget und Bloomberg-Webguru letzten Monat in einem Blogeintrag schrieb:

"Das Video wird unser Mediengeschäft nicht retten. Genauso wenig wie Bots, Newsletters, eine 'Morning Briefing'-App, eine 'lehn dich zurück' iPad-Erfahrung, Slack-Integration, ein Snapchat-Channel oder eine groß angekündigte Partnerschaft mit Twitter. All diese Dinge zusammen könnten elfen, doch selbst wird dich das magische 'Neue Ding' nicht retten, von dem jeder in der Medien-Community überzeugt ist, es sei die Antwort auf 'Das Problem'."

Topolsky hat sehr viel Erfahrung mit neuen Medien, doch seine Lösung für das Problem der Branche -- die Implosion traditioneller Anzeigen- und Vertriebsmodelle -- ist entschieden traditionell: bessere Qualität. Lydia Polgree, Editorial Director bei NYT Global, stimmte dieser Ansicht diese Woche in einem Post mit dem Titel "Warum die Leute bezahlen um die New York Times zu lesen" zu.

Eine gute Medienanstalt wird die neuesten Entwicklungen einsetzen, doch entscheidend ist letztendlich die Qualität der Beiträge und die Beziehung zum Leser. Es gibt Zweifel bezüglich der weiteren Entwicklung und des letztendlichen Schicksals von BuzzFeed, das Umsatzziele verfehlt hat, oder Mashable, das sich aus dem Nachrichtengeschäft zurückzieht und auf Unterhaltung konzentriert. Es gibt allerdings kaum Zweifel daran, dass die New York Times, welche mehr Geld mit Abonemments verdient als mit Anzeigen, erhalten bleiben und weiterhin guten Journalismus produzieren wird.

Auf ähnliche Weise sind auch die Innovationen von Uber nicht besonders beeindruckend. Traditionelle Taxiunternehmen übernahmen schnell mobilen Apps ähnlich denen von Uber, und einige neue Wettbewerber (zum Beispiel Gett in New York und MyTaxi in Berlin) haben, zumindest nach meiner Erfahrung, besseren Service für niedrigere Preise geboten.

Ubers andere Innovation -- fließende Preise -- ist weitestgehend derart schlecht angekommen, dass nur wenige andere Unternehmen sie übernehmen wollen. Aus Kundensicht hat über in den größeren Städten eigentlich gar keinen so großen Wettbewerbsvorteil: es ist weder der günstigste, noch der schnellste oder bequemste Taxiservice.

Darüber hinaus widersetzt es sich Versuchen umfangreichere Hintergrundchecks der Fahrer durchzuführen, und unzählige Rechtsstreitigkeiten zwingen das Unternehmen zu Kompromissen bei zentralen Werten wie zum Beispiel dem Verzicht auf institutionalisiertes Trinkeld Geben.

Doch als bahnbrechender Tech-Spitzenreiter verkauft worden zu sein hat für Uber nur Vorteil: Es ist groß und omnipräsent. Das macht es allerdings lediglich attraktiv für jemanden, der viel reist und sich nicht in jeder neuen Stadt mit den jeweiligen Taxi-Apps beschäftigen möchte.

Um ein echter Tech-Star zu sein braucht ein Unternehmen überzeugende, schwer imitierbare Technologie und eine ambitionierte, aus dem herkömmlichen Rahmen fallende und echt neue Idee. Google und Facebook sind beeindruckende Beispiele, genau wie Amazon, das nur ein großer Laden wäre, hätte es nicht branchenverändernde Innovatioen wie den Kindle oder sein öffentliches Cloud-Angebot hervorgebracht.

Es gibt einen großen Unterschied zwischen neuen, lebensverändernden technologiebasierten Geschäftsmodellen und den Marketing-Narrativen, die alte Modelle als etwas Neues präsentieren. Zum Schluss geht es nur um die Qualität des Geschäfts und Entwicklungsideen.

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