Google und Apple sollte Brüssel danken
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Heißes Thema
19. September 2016
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Hinter einigen Entscheidungen von Brüssel versteckt sich nicht nur das Streben nach sozialer Gerechtigkeit, sondern auch der gesunde Unternehmensverstand, welcher nun den zwei Internetgiganten zunutze kommen kann.

Eine US-Tech-Supermacht nach der anderen hat sich im Fadenkreuz der europäischen Unternehmensermittler wiedergefunden und wurde hinsichtlich Steuern, Monopolmacht und Missbrauch von Verbraucherdaten untersucht. Manchen scheint das wie eine Überbevorzugung des alten Kontinents, der neidisch auf das Silicon Valley blickt.

Doch bei näherer Betrachtung könnte die harte, vorgeschriebene Medizin aus Brüssel und Wachhunden wie Anti-Kartell Chefin Margrethe Vestager am Ende positiv sein für Amazon (NASDAQ: Amazon.com [AMZN]), Google (NASDAQ: Alphabet Class A [GOOGL]), Facebook (NASDAQ: Facebook [FB]) und Apple (NASDAQ: Apple [AAPL]).

Es wird sich nicht so anfühlen, aber Vestager und Co. könnten den Ansporn geben, die Geschäftspraktiken zu verbessern und einige Impulse zu zügeln, die letztendlich selbstzerstörerisch enden könnten. Die USA soll diese Giganten auch dazu anhalten, ihre Bilanzen zu öffnen, aber nationaler Stolz, eine Laissez-faire-Regulierungskultur und politischer Einfluss haben dies bisher verhindert.

Hier sind drei Bereiche, in denen die US-Tech-Giganten von der Kontrolle aus Brüssel profitieren könnten:

Steuern

Vestagers kreative Auslegung des Wettbewerbsrechts um Irland zu ermöglichen mindestens 13 Milliarden Euro an nicht gezahlten Steuern von Apple zu sammeln wird sicherlich US-Tech-Unternehmen und andere multinationale Unternehmen zwingen, ihre aggressive Vermeidungstaktik erneut zu prüfen.

Apple kann nicht ewig verschlungene Wege verwenden, um große Teile seines Gewinns nach Bermuda und anderswo zu leiten. Irgendwann könnte jemand das Unternehmen zwingen dies zu ändern und die europäische Razzia könnte Apple und andere anspornen, schneller zu einer nachhaltigen Steuerstruktur zu wechseln. Vestager kann dies nicht komplett leisten, da die OECD und die G20 bereits daran gearbeitet haben. Aber ihre Kanzel ist mächtig.

Digital Data Regeln und Datenschutz

Edward Snowdens Enthüllungen über US-Online Überwachung führte dazu, dass einige europäische Regierungen forderten, dass mehr Daten in der Region gespeichert werden. Obwohl nur wenige Gesetze verabschiedet wurden, führte das Risiko eines harten Durchgreifens dazu, dass Amazon, Microsoft (NASDAQ: Microsoft Corporation [MSFT]) und IBM (NYSE: International Business Machines [IBM]) die Anzahl an EU-Rechenzentren Cloud Dienstleistungen für europäische Unternehmen verdoppelt haben. Ergebnis: Ihr europäisches Cloud-Computing-Geschäft hat die meisten lokalen Anbieter vernichtend geschlagen.

Heimvorteil

US-Cloud-Computing-Anbieter haben dazu beigetragen, ihre Dominanz in Europa zu besiegeln, indem sie mehr lokale Rechenzentren gebaut haben. Seit 2011 haben sich die sieben größten US-Cloud-Unternehmen von 9 auf 26 Rechenzentren in der Region vergrößert.

In anderen Ländern haben europäische Politiker, Regulierungsbehörden und Verbraucher einen gesunden Verdacht, wie das Silicon Valley alle unseren Informationen nutzt. Facebook mag es nicht, dass diese Frage gestellt wird, aber es outet manchmal homosexuelle Jugendliche gegenüber ihren Eltern, identifiziert psychiatrische Patienten und hat sich nicht an seine Aussage gehalten, wie es Telefonnummern und andere Daten verwendet.

Wiederholter Missbrauch unserer persönlicher Daten beweist, dass diese Unternehmen einige Prüfungen durchlaufen müssen und nur Europa hat daran großes Interesse gezeigt. Sicher, Europas Bußgelder gegen Google in diesem Bereich waren armselig. Aber sie werden unter den neuen Regeln ansteigen, wobei Vestager ein starkes Interesse daran bekunden wird, wie das Wettbewerbsrecht und persönliche Daten zusammen funktionieren.

Alphabet und Facebook könnten nervtötende europäische Ideen wie das Recht darauf, fehlerhafte Google-Suchanfragen oder alte Facebook-Accounts zu löschen, nicht mögen. Aber Kunden würden es vorziehen, die Macht zu behalten und letztlich ist das Geschäft dafür da, nicht wahr? Um den Verbrauchern zu dienen.

Wettbewerb

Vestager hat Anklage gegen Googles angeblicher Begünstigung der eigenen Dienste gegenüber Konkurrenten in den Suchergebnissen eingereicht und arbeitet an einer separaten Android-Untersuchung. Diese schwerfälligen Fälle haben nur begrenzte Auswirkungen angesichts der Geschwindigkeit des technologischen Wandels und Allgegenwärtigkeit von Google.

Doch Vestagers Untersuchungen sollten den Suchmaschinengiganten dazu ermutigen, die Gefahren zu vermeiden, die frühere Konkurrenten zum Scheitern brachten. Nämlich zu viel Konzentration auf old-Tech Dominanz. Nehmen Sie Microsoft und Intel (NASDAQ: Intel [INTC]). Vor einem Jahrzehnt waren sie in langen Kartellfällen in Europa verwickelt. Ihr Bemühen, ihre alten Cash Cows zu schützen, hilft zu erklären, warum sie die größte Veränderung in der Generation Computing verpasst haben: Die Verlagerung hin zu Handys.

Natürlich macht Europa immer noch dummes Zeug. Am Mittwoch hat die Kommission einige undurchführbare Copyright Reformen vorgeschlagen, unter anderem das Recht von Nachrichtenmedien, Zahlung von Websites zu verlangen, die Ausschnitte aus Storys anzeigen. Solche Maßnahmen sind in den Ländern gescheitert, in denen sie versucht wurden und werden nicht die fehlerhaften Online-Strategien der Herausgeber beheben.

Vielleicht wird das Silicon Valley Europa jedoch eines Tages für seinen Aktivismus danken (oder zumindest tolerieren). Es ist einfach an der sozialen Mission hinter einigen der Brüsseler Aktionen zu schnuppern. Aber es gibt auch versteckte wirtschaftliche Vorteile, was letztlich gut für die Web-Riesen sein würde. Eben wie wenn man sein Gemüse isst.

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