So veränderte Twitter die Welt
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Auf diese 6 Arten hat Twitter die Welt verändert

Vor 10 Jahren setzte Twitter-Mitbegründer Jack Dorsey den ersten Tweet überhaupt ab – er lautete „just setting up my twttr.“

Es sollte noch einige Jahre dauern bis die wahre Macht von Twitter deutlich wurde, doch seine weitreichende Rolle von politischen Bewegungen bis zur Vermarktungsstrategie von Unternehmen ist unzweifelhaft.

Als Geisteskind „Twttr“ von Dorsey, Ev Williams, Biz Stone und Noah Glass geboren, war der Service nur wenige Monate nach Dorseys erstem Tweet öffentlich zugänglich und im März darauf explodierte seine Beliebtheit beim jährlichen South by Southwest-Festival in Austin. Von dort setzte sich sein Siegeszug in der Internetkultur fort. Dazu gehört unter anderem die Verwendung des Begriffes „Hashtag“, 2007 vom Technologen Chris Messina vorgeschlagen.

Mit dem Börsengang 2013 wurde aus Twitter ein richtiges Geschäft und ein ernstzunehmendes Tech-Unternehmen. 2015 erwirtschaftete Twitter vor allem mit Anzeigenkunden einen Umsatz von 2,2 Milliarden $ (bei einem Nettoverlust von 521 Millionen $), obwohl das langsame Wachstum der Nutzerzahlen der Wall Street lange sorgen bereitete.

Und dennoch ist Twitter auch ein Unternehmen, das gerade damit beschäftigt ist, sich aus einer Identitätskrise, Moral- (und Kurs-) Delle und desorganisiertem Geschäft herauszuarbeiten. Dorsey, der kürzlich zur Übernahme der Führung des Unternehmens aus San Francisco zurückgekehrte Mitbegründer, hat aktuell eine Aufgabe: Twitter wiederherzustellen.

Nach 10 Jahren des Dokumentierens der Welt in 140 Zeichen hat Twitter mittlerweile über 300 Mio. aktive Nutzer. Das mag zwar weniger sein als die 1,5 Mrd. von Facebook (NASDAQ: Facebook [FB]), doch Twitter dürfte wohl einen überproportionalen Einfluss auf die Welt haben, da es eine beachtliche Zahl an Politikern, Journalisten und Prominenten anzieht.

Politik

Twitter wurde offensichtlich dazu genutzt, das Bewusstsein für politische Themen zu schärfen, politische Botschaften zu verbreiten und kollektive Aktionen zu koordinieren.

Doch Twitter wurde auch dazu genutzt die öffentliche Meinung zu beeinflussen, wodurch oftmals ein falsches Gefühl der Einigkeit oder der Wichtigkeit eines Themas entsteht (sogenannte 'Twitter storms'). Das liegt daran, dass Nutzer sich eher mit Leuten zusammentun die ähnliche Ansichten haben und daher auch nur mit geringer Wahrscheinlichkeit auf andere Themen oder Meinungen stoßen. Zusätzlich hat Twitter durch die Bereitstellung personalisierter Profile für Politiker, ähnlich denen anderer bekannter Persönlichkeiten, dazu beigetragen, diese von Staatsdienern in Prominente zu verwandeln.

Wissenschaft

Twitter-Daten eröffnen neue Horizonte für Wissenschaftler, sowohl für sich genommen als reiche Datenquelle, als auch als Möglichkeit Informationen von der Öffentlichkeit selbst zu erlangen. Dies hat den positiven Nebeneffekt einer erhöhten Aufmerksamkeit für und aktiveren Teilhabe an Wissenschaft. Die Datenerhebung bei Twitter kann passiv (über die Untersuchung bereits veröffentlichter Tweets) oder aktiv (die Leute um die Teilnahme an einem Projekt oder Bereitstellung von Information zu bitten) geschehen.

Business

Twitter hat einen wechselseitigen Kommunikationskanal zwischen Unternehmen und ihren Kunden eröffnet. Einerseits können sich Kunden nun leichter über eine Firma beschweren – und das öffentlich. Doch es erleichtert es den Unternehmen andererseits, schnell auf ein bestimmtes Thema zu reagieren und es eventuell lösen zu können. Dadurch können unter Umständen sogar die Kosten für Kundenbetreuung reduziert werden.

Zum Beispiel stellte 2010 Xbox einen Guinness-Weltrekord als „ansprechbarste Marke auf Twitter“, nachdem man über 5.000 Anfragen täglich beantwortet hatte. Das erbringt einen lebhaften Nachweis darüber, dass sich ein Unternehmen um seine Kunden kümmert und erhöht so das Vertrauen in die Marke. Wobei hohe Erwartungen auch zu Enttäuschungen führen können.

Twitter eröffnet Unternehmen auch neue Möglichkeiten der Marktforschung, um zu sehen worüber die Konsumenten reden, ihre Stimmung und was ihnen bei Produkten und Dienstleistungen besonders wichtig ist. Und der Service überlässt den treuen Kunden einer Firma die Öffentlichkeitsarbeit, indem diese die Marke online verteidigen und beschützen und an andere mögliche Käufer weiterempfehlen. Beim Beispiel des Ausfalles eines Mobilfunknetzes setzte sich ein Netzwerkbetreiber auf Twitter mit den Kunden in Verbindung und konnte so das negative Ereignis in Werbung für die Firma ummünzen.

Journalismus

Die Nachrichtenzentralen wurden lange von Netzwerken dominiert. Viele Journalisten sitzen vor Monitoren und lassen ihre Blicke über die neuesten Entwicklungen am Rand ihrer Bildschirme schweifen. Twitter hat das zumindest ein wenig verändert. Der Informationsfluss auf der Welt wird nicht mehr nur von der Associated Press oder Reuters kontrolliert – er wird auch getweetet. Twitter hat über 300 Mio. Nutzer, und wo auch immer eine Geschichte publik wird findet sich jemand zum Posten, was wiederum fast unmittelbar weiter geteilt wird. Zum Beispiel entstammte der erste Bericht über das Einsatz zur Ermordung von Osama bin Laden in Pakistan keiner offiziellen Quelle, sondern kam von einem lokalen IT-Berater.

Journalisten, die mit Stolz von sich behaupten einen Lügner entlarven zu können, mussten feststellen, dass dies online schwieriger sein kann. Übertriebene Darstellungen und eindeutige Enten sind üblicher und leichter verfügbar. Die Verifizierung von in sozialen Netzwerken herumschwirrenden Informationen ist eine Fähigkeit, mit der sich Journalisten – und die Öffentlichkeit – bislang noch schwertun.

Beziehungen

Alle sozialen Netzwerke sind darauf ausgerichtet eine Kultur des Teilens persönlicher Informationen zu verbreiten. Twitter unterscheidet sich von anderen Seiten wie z.B. Facebook, weil die meisten seiner Nachrichten öffentlich sind und man jemandem folgen kann, ohne dass dieser zurückfolgen oder (in der Regel) eine Erlaubnis erteilen muss. Das hat neue Möglichkeiten für eine Form des Cyberstalkings eröffnet, die es Nutzern erlaubt über persönliche und professionelle Netzwerke hinaus an persönliche Informationen zu kommen.

Twitters höchst öffentlicher Raum bedeutet für die Nutzer, sich einigen der selben Regeln der Intimität zu unterwerfen wie das bei herkömmlichen Beziehungen der Fall ist. Dazu gehören die Offenlegung höchst persönlicher Aspekte von Identitäten, Alltag, Kompetenzen und Wünschen. Nutzer entwickeln vielfältige Wege zum Umgang mit ihrer Privatsphäre, zum Beispiel durch codierte und vieldeutige Wortwahl. Doch Twitter hat zu einer völlig neuen Kultur der Konnektivität aufgerufen, basierend auf dem Grundsatz persönliche Gefühle mit der Öffentlichkeit zu teilen. Durch die öffentliche Zurschaustellung von Intimität wurden persönliche Beziehungen neu konzipiert als öffentliche Auftritte.

Promikultur

Twitter hat die Promikultur grundlegend verändert. Im wörtlichsten Sinne sind wir nun in der Lage das tägliche Leben von Prominenten zu verfolgen sowie, für viele Fans noch entscheidender, direkt und ohne strikte Kontrolle seitens des Managements mit ihnen zu kommunizieren. Dadurch geht es beim Image eines Promis mittlerweile weniger um eine Auswahl fester Eigenschaften, sonder mehr um eine sich verändernde und organische Performance, an der das Publikum teilhaben kann.

Prominente müssen dauerhaft eine Persönlichkeit verkörpern die intim, authentisch und nahbar erscheint. In einigen Fällen bedeutet dies tatsächlich eine direkte Enthüllung ihrer tatsächlichen Gedanken, welche so vorher nicht möglich gewesen wäre. Für andere Celebrities geht es dabei darum eine Produkt zu entwerfen, dass extra auf die öffentliche Wahrnehmung ausgerichtet und genauso minutiös inszeniert ist wie ein Potoshoot für ein Magazin. Diese verschwimmenden Grenzen zwischen Image und Wirklichkeit hat den Weg für eine komplett neue Art der Promi-Verehrung bereitet.

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