Syrischer Gaskrieg
Abdalrhman Ismail/Reuters
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27. September 2016
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Experte James Durso darüber, wie Gas- und Geopolitik von Katar zu ernsten Folgen für den gesamten Nahen Osten führte.

Im Jahr 2009 trat Katar, einer der führenden Gasproduzenten, an Syrien heran, da man eine 2500 Kilometer lange Pipeline durch Syriens Provinz Aleppo bis zu den Gasmärkten Europas bauen wollten. Katar suchte eine Direktverbindung nach Europa, da seine damaligen Gastransportmöglichkeiten auf Flüssigerdgastanker reduziert waren, die größtenteils nach Asien führten und nur wenige Möglichkeiten bis nach Europa boten. Darüber hinaus gab es noch die Dolphin Pipeline nach VAE und Oman. Die Pipeline sollte nach Norden führen und nach Durchquerung von Saudi-Arabien, Jordanien und Syrien in der Türkei enden.

Syrien lehnte das Angebot Katars ab, weil so der Marktanteil seines Partners Russland eingeschränkt wäre, und stimmte stattdessen der Teilnahme an der „Freundschaftspipeline“ zwischen Iran und Irak zu (Shea Pipeline), die von sunnitischen Monarchien der Golf angestrebt wurde. Unverstanden oder sogar ignoriert wurde dabei Syriens langwährende Unterstützung des Regimes des Irans, insbesondere während des Iran-Irak Kriegs in den Jahren 1980-1988, sowie seine seit 1944 andauernde Beziehung zu Russland, die ein Warnzeichen dafür hätte sein sollen, wer aufkreuzen würde, sollte sich die Situation zuspitzen.

Im Jahr 2010 hielten Israel und Syrien Gespräche hinter verschlossenen Türen, in denen es um Israels Rückgabe der Golanhöhen an Syrien im Austausch gegen Sicherheitszusicherungen ging. Die Verhandlungen stockten aufgrund des beidseitigen Misstrauens unter den Verhandlungspartnern. Unter dessen erfasste bis Anfang 2011 der Arabische Frühling die Region und die beiden Regierungen konzentrierten sich auf wichtigere Dinge.

Zu diesem Zeitpunkt bekam Amerika die Chance zu einem Schlag gegen den Verbündeten des Islamischen Staats, das Assad Regime, auszuholen. Im Jahr 2011 bot die Türkei dem Syrischen Nationalrat – einem Oppositionsbündnis – eine Zuflucht an und im August 2011 forderten die USA samt ihrer Alliierten und der UN Bashar Assad auf das Amt niederzulegen.

Im Jahr 2011 entschieden sich Syrien, Iran und Irak dazu eine Pipeline als Verbindung zwischen den Gasvorkommen im südlichen Iran und Europa zu bauen. Die Pipeline sollte von iranischen Assalouyeh über Irak, Syrien und Libanon bis nach Europa reichen, wobei Syrien ein der Montage- und Produktionszentrum bilden sollte.

Es bleibt unklar, warum Syrien nicht die zweite Option für eine Pipeline wählte, nachdem es die erste ausgeschlagen hat: Saudi-Arabien – Kuwait – Irak. Neben dem risikoreichen Territorium im Irak sind die wahrscheinlichsten Gründe die reichen Gasvorkommen östlich des Mittelmeers und die saudische ablehnende Haltung zu einer Pipeline durch Kuwait. Falls ein Katar-freundlicheres Regime die Kontrolle über Syrien erlangt hätte, hätte Katar damit mehr Kontrolle über das Land bekommen – undenkbar für Saudi-Arabien, welches sich vehement der Katars Unterstützung seiner muslimischen Nachbarn – eines US-Verbündeten (Jordanien) und eines Verbündeten des Irans (Irak) – entgegensetzte.

An diesem Punkt war es nichts persönliches, nur Business – und Assad musste gehen.

Dies war Katars beste Chance die Unternehmungen in der Region zu beeinflussen. Das Land hat nur einen kleinen Anteil der Einheimischen in der Bevölkerung, denn 90% der 2,2 Millionen Bewohner bilden die Gastarbeiter, und diese ist gesundheitlich nicht in der Bestform. Das, sowie recht kleines Militär, schränken die Optionen für Katar ein. Dennoch hat das Land ein sehr gesundes Scheckbuch und ist in der Lage syrische Opposition zu unterstützen.

Um den Krieg in Syrien besser verstehen zu können, sollte man sich an die Entdeckung der Gasvorkommen im Östlichen Mittelmeerraum aus dem Jahr 2009 erinnern.

Israel, Zypern und Ägypten entdeckten große Gasvorkommen, während Libanon ebenso potenzielle Gasressourcen hat. Israel besaß die Möglichkeit Gas nach Ägypten, Jordanien, Palästina und in die Türkei zu exportieren. (Israel und die Türkei diskutierten über eine Pipeline in die Türkei, doch Zypern entschied sich dagegen, da die Republik keine diplomatischen Beziehungen zur Türkei pflegt.)

Eine Pipeline vom Iran nach Syrien könnte einen Energiehub in Syrien schaffen und Katars Gasverkäufe an Europa blockieren, und das zu einem Zeitpunkt, zu dem Katars Gasexporte in USA den Nullpunkt erreichten, was vor allem an dem Zuwachs der inländischen Gasproduktion lag.

Somit würde Katar auf den asiatischen Flüssigerdgasmarkt begrenzt bleiben. Und die einzige Sache, die es noch schlimmer machen konnte, geschah auch: Europa will mehr als die Hälfte der Flüssigerdgas-Exporte der Vereinigten Staaten bis 2020 übernehmen.

Katar, Saudi-Arabien und ihre Verbündeten kamen um zu siegen und der Krieg in Syrien konzentriert sich mittlerweile auf die Routen der Pipelines. In der Provinz Aleppo, in der die Qatari Pipeline gewesen wäre, will Türkei eine Pufferzone einrichten, um die „gemäßigten“ Rebellen zu unterstützen.

Wird Türkei dieses Gebiet kontrollieren, wird sie auch die Qatari Pipeline kontrollieren. Damit stellt sie nicht nur eigene Überlegenheit bei dem südeuropäischen Energiehub sicher, sondern sammelt auch Öl und Gas aus Russland, Zentralasien, der kaspischen Region, dem östlichen Mittelmeerraum und dem mittleren Osten und löst sich damit im von Russland ab, von dem sie im Jahr 2014 die Hälfte ihrer Importe erhielt.

Doch Russland bleibt nicht untätig: es umgibt die Türkei nun von drei Seiten aus, indem es die Krim annektiert, mehr Truppen nach Armenien schickt und das S-400 Luftverteidigungssystem in Syrien etabliert und damit es zu einem Gebiet ohne Luftfahrt, sogar eventuell zu einer „keine Käufe“-Zone für potenzielle Kunden von Qatari Gas machte.

Das zunehmend autokratische Verhalten des Pashas führt zu einem Absicherungsverhalten in Europa, das den Pascha gegen den Zar auszugleichen versucht und deswegen die Nord Line Pipeline zum Abschluss bringen will. Dies sollte auch helfen bessere Konditionen bei den Geschäften mit Schlüsselpartner Norwegen und Algerien erzielen zu können, die Flüssigerdgas aus USA importieren und ernsthaft über Fracking von Schiefergas nachdenken.

Die Türkei kontrolliert den Strom der Flüchtlinge nach Europa und setzt diese Kontrolle ein, um eigene Interessen im europäischen Raum zu lobbyieren. Die Wahrscheinlichkeit, dass sie die Energiereserven eines Tages genauso nutzten wird, ist ziemlich groß.

Vielleicht wird Katar weitere Schecks an die Assads Opposition ausstellen müssen. Die Türkei hat ernste Politik- und Infrastrukturausfälle, die sie davon abhalten ein führender Energieproduzent zu werden: eine schwache inländische Gasregulierung, Staatsschulden, Monopolbildung, lediglich zwei LNG Terminals und fehlende Lagerungsmöglichkeiten.

Also ist Syrien viel zu zerstört, um ein Lagerort zu sein und der Türkei fehlt die Infrastruktur für diese Rolle.

Dafür könnte Russland daran interessiert sein, in Standort Türkei zu investieren. Und die Türkei, die Wiedergutmachung mit Russland anstrebt, könnte das Geld von Katar für eine Pipeline annehmen, die vielleicht niemals gebaut wird. Russlands gute Beziehungen zu Zypern und Israel könnten eine Lösung der Diskussion Zyperns herbeiführen, so dass israelisch-türkische Gaspipeline zur Realität wird, was zu einem gesteigerten Interesse seitens Auslandsinvestoren an der Türkei führen könnte.

Um seine Ziele bezüglich der Pipeline zu verfolgen, wird Katar einige ernsthafte Investitionen in die Türkei machen müssen, sowie es auch den von Russland ausgehenden politischen Druck auszuhalten hat. Bis dahin wird es allerdings darauf beschränkt sein, die Flüssigerdgaslieferungen per Tanker nach Europa zu machen. Und in der Zwischenzeit werden die geopolitischen Machtkämpfe um Pipelines zu viel Schaden im Mittleren Osten anrichten.

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