Das ist nur der Anfang von Brexits Wirtschaftsdesaster
AP Photo/Tim Ireland
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Philippe Legrain , Autor des Buches “European Spring: Why Our Economies and Politics Are in a Mess and How to Put Them Right”, über die Aussichten des Landes, das nicht auf Wirtschaftsexperten gehört hat.

Wenige Wochen bevor die Briten abgestimmt haben, ob sie ein Teil der Europäischen Union bleiben wollen oder nicht, wurde Michael Gove, einer der Führer der Austritts-Kampagne gefragt, warum ihm und nicht der überwältigenden Zahl von Ökonomen und internationalen Behörden vertraut werden sollte, die den Brexit ablehnten. Er antwortete:

„Die Menschen in diesem Land haben genug von Experten."

Experten sind natürlich bekannt dafür Fehler zu machen. Aber in diesem Fall werden die Menschen, die für den Brexit abgestimmt haben, einen hohen Preis für das Ignorieren wirtschaftlicher Kompetenz zahlen. Die schädlichen Auswirkungen dieses Abstimmungsergebnisses sind sowohl unmittelbar als auch dauerhaft.

Die Briten sind schon schlimm dran. Das Pfund (GBP/USD) hat - bisher - fast 9% gegenüber dem Dollar verloren, womit der Wert britischer Vermögenswerte drastisch verkürzt werden wird. Außerdem dürften höhere Importpreise folgen. Die Börse hat auch einen Schlag abbekommen.

Die Preise für Immobilien, das wichtigste Gut der meisten Briten, werden fast ebenso sicher fallen. Während Mark Carney, der Gouverneur der Bank of England, bereits 250 Milliarden Pfund verpfändet hat, um das Finanzsystem zu stützen und sagte, er könne noch mehr bieten, wenn nötig, können die Zentralbanker nicht gegen einen dauerhaften wirtschaftlichen Schock schützen. Selten waren die Unternehmen mit einer solchen Unsicherheit konfrontiert. Großbritanniens Wirtschaft hatte sich bereits verlangsamt, nachdem Investitionsentscheidungen vor dem Referendum auf Eis gelegt wurden. Nun driftet ein Land, das für seine politische und rechtliche Stabilität berühmt ist, in ein Chaos ab. Der zukünftige Premierminister ist nicht bekannt, dessen politische Richtung ebenso wenig.

Der Favorit auf die Nachfolge David Camerons, Boris Johnson, der ehemalige Bürgermeister von London, hatte opportunistisch für den Brexit geworben, sich für den Markt und für die Globalisierung ausgesprochen, aber im Vorfeld der Abstimmung sagte er, er unterstütze Beschränkungen der Migration innerhalb der Europäischen Union, Zölle auf chinesischen Stahl und höhere öffentliche Ausgaben.

Die künftigen Bedingungen des Handels von Großbritannien sowohl mit der Europäischen Union als auch mit allen Ländern, mit denen es Handelsverträge ausgehandelt hat, sind unsicher. Nationale Vorschriften über alles, von Finanzen bis hin zum Umweltschutz könnten sich ändern. All diese Unsicherheit wird durch die Aussicht auf ein zweites Referendum über die schottische Unabhängigkeit verstärkt, die dieses Mal Wirklichkeit werden kann. In Nordirland hat sich die politische Partei Sinn Fein bereits für ein Referendum über ein vereinigtes Irland ausgesprochen.

Angesichts dieser Unsicherheit werden Unternehmen wahrscheinlich weiterhin Investitionen in die Warteschleife stellen. Die Verbraucher könnten sich auch zurückziehen. Der resultierende Konsumrückgang bewirkt, dass das Haushaltsdefizit der Regierung, welches bereits groß genug ist, anschwillt. Die Pfund Abwertung, von der man einen Exportanstieg erwartet hätte, wird den Schlag wahrscheinlich nicht abfedern. Der massive Rückgang des Pfunds im Jahr 2008 hatte die Exporte nicht gesteigert und Brexit wird die Exporte schädigen.

Diese unvorhersehbare Situation wird nicht kurzfristig bleiben. Einmal eingeleitet, wird der formale Prozess die Europäische Union zu verlassen wahrscheinlich zwei Jahre dauern. Aber die zweitgrößte Volkswirtschaft von 43 Jahren EU-Gesetzgebung zu befreien, ist eine gewaltige Aufgabe.

Neue Handelsbeziehungen mit der Europäischen Union zu verhandeln ist ebenso schwierig. Großbritannien scheint sicher den Zugang zum Binnenmarkt zu verlieren – womit es fast die Hälfte seiner Handelsumsätze verliert. Dieser Zugang ist die Voraussetzung für die Freizügigkeit von Personen und den Beitrag zum EU-Haushalt. (Dies waren zentrale Themen für die Pro-Brexit Wähler.) Das wird die ausländischen Investitionen und gute Arbeitsplätze durch die Binnenmarkt Mitgliedschaft gefährden. Die in Großbritannien ansässigen Finanzinstitute werden ihre Rechte verlieren, frei in der Europäischen Union zu arbeiten.

Brexit Anhänger liegen falsch, wenn sie argumentieren, dass Großbritannien sich die Kirschen der Europäischen Union holen und den Rest ablehnen könnte. Da die Ausfuhren in die Europäische Union (13% des BIP von 2014) viel mehr zählen als die Exporte nach Großbritannien (3% des BIP von 2014), wird die Europäische Union das Sagen haben. Andere Regierungen haben jeden Anreiz dazu hart zu sein, sowohl um einen Wettbewerbsvorteil zu bekommen und um andere davon abzuhalten, dem Beispiel Großbritanniens zu folgen.

Eine Rückfallposition ist der Handel mit Europa auf der Grundlage der Regeln der Welthandelsorganisation, wie es die Vereinigten Staaten tun. Aber das bedeutet Zölle auf Warenexporte - bis zu 10% auf den Pkw-Export zum Beispiel, wovon das meiste an die Europäische Union geht - sowie andere Hemmnisse, die den Handel behindern. Diese Option bietet wenig Zugang zu den europäischen Märkten im Dienstleistungssektor, auf den Großbritannien spezialisiert ist. Weniger offene Märkte werden den Wettbewerb hemmen, das Produktivitätswachstum und die Lebensstandards verringern.

Brexit Befürworter behaupten, dass ein dereguliertes Britannien, dass mit dem Rest der Welt handelt, gedeihen würde, sobald es einmal aus Brüssels Überregulierung und Protektionismus entfesselt wird. Aber Großbritannien hat die am wenigsten regulierten Arbeitsmärkte in der Europäischen Union und den am zweitwenigsten regulierten Produktmarkt, so dass alle potenziellen Vorteile von Deregulierung wahrscheinlich gering ausfallen werden.

Darüber hinaus wird Großbritannien wahrscheinlich mit schlechterem Zugang zu den restlichen Märkten der Welt dastehen. Während es nicht mehr durch protektionistische Interessen in der Europäischen Union beeinträchtigt wird, werden seine relativ kleine Wirtschaft, die offenen Märkte und vor allem die verzweifelte Suche nach neuen Verträgen seinen Einfluss in den Verhandlungen schwächen.

Die jungen, mit höherer Bildung, die in den Städten leben, die dynamischsten Mitglieder der britischen Wirtschaft, stimmten für den Verbleib. Sie wurden von den Alten überstimmt, die weniger gebildet sind und nicht in den Städten wohnen und oft am umfangreichsten von den Steuerzahlern profitieren.

Mit verkümmerten wirtschaftlichen Chancen wird jeder dadurch leiden, dass Austritts-Wähler zu Unrecht hart arbeitenden, steuerzahlenden europäischen Migranten die Schuld für alles gegeben haben, was sie am modernen Großbritannien nicht mögen. Zu Unrecht haben sie auf wirtschaftliche Scharlatane wie Gove vertraut.

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