Volkswagen wird die Krise überwinden
REUTERS/Dinuka Liyanawatte
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VW hat aus dem Dieselskandal gelernt. Er ist aber auch nicht so schlimm wie befürchtet.

Anfänglich sah es beim Volkswagen-Abgas-Skandal manchmal so aus, als würde der Gigant untergehen. Die grob überschlagenen Kosten für den Autobauer wuchsen rasch auf zweistellige Milliardenbeträge an. Nun realisieren die Märkte so langsam, dass der Schaden überschätzt wurde. Volkswagen wird höchstwahrscheinlich alles ohne größere Blessuren überstehen. Das ist die gute Nachricht, aber es gibt auch einen negativen Beigeschmack.

Zuerst die gute Nachricht. Die VW Aktien sind in den letzten 30 Tagen um 37% gestiegen:

Laut dem Informationsdienst Bloomberg Intelligence haben Anleihenhändler seit Beginn des vierten Quartals - also nachdem die Welt um den Betrug mit den Stickoxid-Werten bei VW wusste - mehr Schuldpapiere von VW gekauft als verkauft, und das trotz Herabstufungen von VW durch die Ratingagenturen. Dafür verkauften sie Anleihen von Ford (NYSE: Ford Motor Company [F]), Toyota (TYO: 7203) und Honda (TYO: 7267).

Der Grund, warum VW trotz der widrigen Umstände Investoren anlockt, ist, dass sich Matthias Müller, der neue Vorstandsvorsitzende von VW, nun nach dem Skandal zurecht findet und sich herausgestellt hat, dass er und andere Manager anfänglich überreagiert haben. Als Erstes wurde eine kostengünstige Lösung gefunden - neue Software und ein Luftgleitgitter - das sollte die Probleme in Europa beseitigen. Die deutschen Behörden haben diese Lösung bereits akzeptiert.

Dann verkündete VW am Mittwoch, dass die Anzahl der Autos, welche die CO2-Emisionen im Realbetrieb überschreiten, zu hoch angesetzt wurde. Die zuvor erwartete Anzahl von 800.000 Autos ist auf gerade einmal 36.000 geschrumpft. Außerdem fallen die zusätlichen Emissionen so gering aus, dass diese keinen relevanten Einfluss auf Treibstoffverbrauch oder die Steuer haben. Die von VW zurückgelegten 2 Milliarden Euro werden wahrscheinlich nicht benötigt.

Als in Aussicht stand, dass Reparatur und neue Ausrüstung zur Lösung der Stickoxid-Emissionen für jedes Diesel-Auto mehrere Tausend Euro kosten würden, legte VW weitere 6,7 Milliarden Euro zur Seite. Diese werden nicht nötig, wenn die in Deutschland akzeptierte Lösung weltweit genutzt werden kann.

Im Grunde hat VW nun 3 Posten, welche teure Probleme verursachen können:

  • Zum einen könnte die US Umweltschutzbehörde die kostengünstige Lösung nicht akzeptieren;
  • die Kosten der Gerichtsverfahren, insbesondere der Strafen, könnten weiter anwachsen;
  • die Verkäufe, hauptsächlich in englischsprachigen Ländern, gehen aufgrund des Vertrauensverlusts zurück.

Keines dieser Probleme, nicht einmal alle drei zusammen, sind als Katastrophe einzustufen. Sogar wenn VW alle betroffenen Autos in den USA zurückkaufen muss, kostet das 8,8 Milliarden Euro. Das ist zwar sehr viel Geld, aber es liegt nicht außerhalb der Möglichkeiten von VW, welches Ende September 83,4 Milliarden Euro in bar und als liquide Mittel zur Verfügung hatten. Der Verkaufsrückgang der Marke Volkswagen war im November beträchtlich. In den USA wurde ein Rückgang um 25% und in Großbritannien ein Minus von 20% verzeichnet. Doch selbst diese Zahlen sollten mit Vorsicht genossen werden.

Für VW besteht in den USA das Problem, dass es seine Diesel-Autos nicht verkaufen kann, da die US Aufsichtsbehörden noch kein grünes Licht für VW-Dieselfahrzeuge gegeben haben. Sobald dies geschehen ist, sollten sich die Verkäufe wieder erholen. Audi, VWs zweite große Marke, konnte in den USA seine Absatzzahlen im November sogar erhöhen. Auch in absoluten Zahlen fällt der Abschwung für VW Verhältnisse nicht so dramatisch aus. Im November wurden 8.000 Autos weniger verkauft. In Großbritanninen wurden im Vergleich zum Vormonat 3.200 Autos weniger verkauft. Insgesamt konnte die deutsche Marke selbst in einem schlechten Monat 120.000 Autos Absetzen. Die Verluste klingen also schlimmer, als sie letztlich sind.

Zur selben Zeit fielen die Verkäufe auf einem viel wichtigeren Markt, dem Deutschen, im November nur um 2 Prozent oder weniger als 1.200 Wagen. In der Heimat braucht sich VW keine großen Sorgen um einen Vertrauensverlust machen. Die USA sind weit weg und die Glaubwürdigkeit deren Behörden ist bei den deutschen Verbrauchern nicht unbedingt höher, als die eines der beliebtesten und wichtigsten Industrieunternehmen des Landes.

VW verliert Marktanteile - die Autoverkäufe in Europa und den USA steigen - aber trotzdem bleibt VW hinter Toyota weltweit der zweitgrößte PKW-Hersteller. Andere würden für solche Verkaufszahlen töten.

So kam es auch dazu, dass die Pressekonferenz am Donnerstag mit Müller und Hans Dieter Pötsch zu einer eher langweiligen Angelegenheit verkam. Müller und Pötsch konnten keine Informationen über die Höhe der Prozesskosten in den USA liefern, oder wie es dazu kommen konnte, dass das Unternehmen in einem solchen Umfang die Behörden betrügen konnte. Sie murmelten etwas von Fehlerketten und zu starken Toleranzen gegenüber Regelbrüchen. Alles in allem versuchten sie so reumütig wie möglich zu klingen. Außerdem stellte Müller klar, dass VW keine seiner Marken verkaufen werde. Weiterhin gab es keine Worte über einen größeren Jobabbau oder eine Berichtigung von Vorhersagen der erwarteten Verkaufszahlen. Soweit sich die Oberen von VW beruhigt haben, scheint der Skandal eingedämmt. Es kommt nicht einfach ein typischer amerikanischer Wandel hin zu übertriebenem Optimismus, sondern es bleiben vorrangig Entschuldigungen und Versprechen zur Beseitigung der Fehler im Raum.

Dennoch ist die Tatsache, dass der Skandal nicht so viel kostet wie erwartet, nicht nur gut für das Unternehmen. Die derzeitigen VW Manager sind Veteranen. Sie und alle Angestellten fühlen sich stark mit dem Unternehmen verbunden. An dieser Begeisterung wird sich auch in Zukunft nichts ändern. VW wird nur sein größtes Flugzeug aus seiner Unternehmensflotte verkaufen, einen Airbus 319, die restlichen 9 wird es behalten. Außerdem produzieren sie weiterhin weniger Autos als Toyota, trotz doppelt so vieler Angestellter.

Mit dem Skandal könnte VW schlanker werden und nicht nur konformer. Wenn der Druck auf die Manager sinkt, Kosten einzusparen und das Unternehmen effizienter zu gestalten, dann ist eine Chance, nicht nur Fehler zu beheben, sondern auch einen Schritt in die Zukunft zu machen, vertan.

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