Sieben Todsünden online
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Mitbegründer von LinkedIn darüber, wieso die sozialen Netzwerke so populär sind

Vor knapp fünf Jahren legte Reid Hoffman in einem von The Wall Street Journal transkribierten Monolog eine umfassende Erfolgstheorie der sozialen Netzwerke vor. Der Mitbegründer von LinkedIn und Wagniskapitalgeber sagt:

„Soziale Netzwerke sind dann am erfolgreichsten, wenn sie eine der sieben Todsünden berühren. Zynga ist Faulheit. LinkedIn ist Gier. Bei Facebook ist es Eitelkeit und wie sich die Menschen gerne ihren Freunden gegenüber darstellen wollen.“

Das waren bewegte Tage im Silicon Valley. Die Technologiebranche lief auf „Hochbetrieb“, wie es Hoffman ausdrückte, und neue soziale mobile Apps tauchten für jedes vorstellbare Thema auf. Fünf Jahre später ist die Branche erwachsener geworden, genau wie unsere Wahrnehmung derselben.

Trotzdem erhielt die Theorie Hoffmans ihre aufklärerische Kraft. Mit einem halben Jahrzehnt Abstand können wir festhalten, dass diese offensichtlich alberne und schlecht beratene Vorstellung gleichzeitig umfassend und zweifellos richtig ist.

Warum sonst fühlten sich LinkedIn (oder Twitter, oder Tinder) immer wie eine Idee an, die funktionieren könnten, funktionieren müsste, während spezialisierte soziale Netzwerke – für Hundeliebhaber, Fans klassischer Musik oder Akkordeonspieler – es nicht taten? Warum scheint die Website die unsere niederen Instinkte bedient immer wie eine solide Investition? Und warum kommen die bürgerlich orientierten sozialen Netzwerke einfach nicht auf die Beine?

Die Antwort ist offensichtlich: sie verpassen es, die Verletzung des göttlichen Willens zu ermutigen. Und heute können wir Hoffmans Idee nicht nur als richtig honorieren, sondern wir können noch einen Schritt weitergehen. Der soziale Bereich ist mehr oder weniger gesättigt. Hat jede der sieben Todsünden ihr eigenes soziales Netzwerk?

Wollust

Wollust ist natürlich Tinder. Das ist einfach. In Dantes Inferno, eine Quelle vieler sieben-Todsünden-Apokryphien, werden wollüstige Seelen auf ewig herumgewirbelt als seien sie in einem Wirbelsturm gefangen. Heute wären sie zu einem ähnlichen Zyklon verdammt – für immer nach rechts zu wischen, ohne je ein Match zu bekommen.

Völlerei

Völlerei ist Instagram. Manchmal hören wir von Tantalus, gefangen in einem Becken unter mit Frucht überladenen Ästen. Seine Strafe bestand darin, dass die Frucht immer seinem Griff entwich und das Wasser sich immer zurückzog, wenn er versuchte zu trinken. So ist es auch bei Instagram: die verlockendsten Bisse ziehen vor unseren Augen vorüber, und wir können keinen von ihnen genießen.

Gier

Nach Dante sind die Gierigen und Geizigen unter uns dazu verurteilt, sich auf ewig gegenseitig mit riesigen, schweren Felsbrocken zu bewerfen. Darüber hinaus sind sie bis zur Unkenntlichkeit entstellt – jede Seele erscheint als die langweiligste, ödeste Version ihrer selbst. Klingt doch wie LinkedIn, oder nicht?

...Ich sah Scharen überall um mich herum; ihre Schreie waren laut während sie, die Gewichte schwenkend, ihre Brustkörbe zum Stoß benutzten. Sie bewarfen sich gegenseitig; an diesem Punkt, drehte sich ein jeder um, die Gewichte zurückschwenkend, und riefen:

„Hi, ich würde dich gerne meinem professionellen Netzwerk auf LinkedIn hinzufügen.“

Faulheit

Faulheit war nach Hoffman einst Zynga, doch Zynga gibt es nicht mehr. Faulheit ist jetzt Netflix. Das ist zwar kein soziales Netzwerk, aber wen stört's?

Zorn

Zorn war nach Dante die Geschwistersünde der Verdrossenheit. Er schrieb, dass beide vom selben grundlegenden Fehler herrührten: Zorn ist ausgelebte Wut, Verdrossenheit ist unterdrückte Wut. Und er verbannte sowohl die Verdrossenen als auch die Zornigen in den Fünften Kreis – wo die Zornigen in einem fauligen Marsch die anderen endlos angriffen, ohne je zu gewinnen; während die Verdrossenen in der Dunkelheit saßen und brüteten, finster schauten und sich abseits hielten. Es gab kaum je eine bessere Beschreibung von Twitter.

Neid

Neid macht die Menschen so begierig auf das was sie nicht haben, dass sie nicht mehr sehen was sie haben. Das ist Pinterest.

Hochmut

Und was ist mit Hochmut, der schlimmsten Sünde? Laut Hoffman war das Facebook, doch ist es das wirklich? Hochmut wird manchmal als Ursprung aller anderen Sünden betrachtet: die Überzeugung, man selbst sei grundsätzlich besser als alle seine Nachbarn. Es ist sowas wie allen anderen zu sagen, sie seien schlecht in dem was sie tun und dann zu sagen: „ping me.“ Hochmut ist Medium.

Wenn Facebook nicht für Hochmut steht, wofür dann?

Einige Theologen erkannten neben den sieben ursprünglichen Sünden noch zwei weitere. Die erste war Eitelkeit oder Prahlerei – ein ungebrochener Glaube an die eigene Attraktivität und ein Hang zur Angeberei. Das ist Facebook.

Doch die zweite der neuen Sünden war Acedia, ein Wort das heute fast verschwunden ist, aber auf gewisse Weise in der Melancholie überlebt. Es ist das Versäumnis, seine Arbeit zu erledigen und sich für die Welt um sich herum zu interessieren – ein Verwandter von Langeweile, Überforderung und Lustlosigkeit. Es ist das Hamlet-Gefühl. Es ist das Gefühl von Tumblr, das Gefühl von Deep YouTube – das Gefühl des nachmittäglichen Internets.

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