Menschen wollen Macht
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Weil sie die Unabhängigkeit bedeutet.

Neue Forschungen zeigen, dass der Reiz einer leitenden Position in der damit einhergehenden Freiheit liegt – und nicht weil sie es Menschen erlaubt, andere zu kontrollieren.

Macht ist eine Gewalt, die ein Objekt benötigt: Macht kann eine Person nur über etwas oder jemanden haben.

Man könnte meinen, dass darin der Reiz der Macht bestünde – in der Lage zu sein, Dinge zu kontrollieren und nach den eigenen Vorstellungen zu formen. (Das kann natürlich gut oder schlecht sein, je nachdem wer an der Macht ist und wie deren Vision aussieht.) Doch eine neue Studie legt nahe, dass nach Macht strebende Menschen vor allem eines kontrollieren wollen – sich selbst.

Die Autoren der Studie von der Universität Köln, der Universität Groningen und der Columbia University präsentieren zwei unterschiedliche Machtkonzepte – Macht als Einfluss und Macht als Unabhängigkeit. Sie schreiben:

„Macht als Einfluss wird durch die Kontrolle Anderer ausgedrückt, was auch Verantwortung für Andere bedeuten kann. Im Gegensatz dazu ermöglicht es Macht als Unabhängigkeit einer Person den Einfluss anderer zu ignorieren und widerstehen und somit Herr seines eigenen Schicksals zu sein.“

Welche dieser Dinge, Einfluss oder Unabhängigkeit, würden das Machtstreben von Menschen befriedigen?

Im ersten Teil der Studie nahmen 100 Teilnehmer an einer Online-Umfrage teil, bei der sie sich vorstellen sollten sie hätten auf Arbeit eine Beförderung angeboten bekommen. Einigen Teilnehmern wurde gesagt die Beförderung würde ihnen mehr Einfluss auf Untergebene bieten, aber weniger Unabhängigkeit; anderen wurde gesagt sie hätten größere Freiheit sich ihre eigenen Ziele zu setzen, aber weniger Einfluss.

Keines der Szenarien enthielt eine Gehaltserhöhung und ihr Vorgesetzter wäre mit jeder Entscheidung gleich zufrieden. Als sie gefragt wurden ob sie ihre neue Rolle annehmen wollten, nahmen 62 Prozent der Gruppe mit höherer Unabhängigkeit die Beförderung an, während sich nur 26 Prozent der Gruppe mit höherem Einfluss genauso entschied. Die Ergebnisse ähnelten jenen einer wiederholten Umfrage, in welcher allen Teilnehmern beide Beförderungen angeboten wurden.

Für das nächste Experiment führten 40 niederländische Studenten BLARPing, oder Büro-Rollenspiele, durch, bei denen einige Teilnehmer als Manager und andere als Assistenten eingeteilt wurden. Den Teilnehmern wurde gesagt dass sie eine Reihe von Aufgaben zu erfüllen hätten – einige witzig, andere langweilig – und dass die Manager zwischen ihnen und den Assistenten festlegen dürften, wer was übernehmen müsse.

In der anschließenden Auswertung der Befragung berichteten Assistenten, dass sie weniger glücklich waren, weniger Unabhängigkeit und weniger Einfluss spürten und ein stärkeres Verlangen nach Macht verspürten als die Manager. Doch zwischen den Assistenten selbst strebten diejenigen am meisten nach Macht, die den Mangel an Unabhängigkeit am meisten gespürt hatten. Das Gefühl von zu wenig Einfluss gehabt zu haben führte nicht zu denselben Ergebnissen.

„Unabhängigkeit fördert den Wunsch nach noch mehr Macht – Einfluss tut dies nicht (oder weitaus weniger).“

Danach wurde in einer Reihe von Vorbereitungsstudien – zwei davon mit US-Amerikanern, eine mit Indern – die Teilnehmer darum gebeten, sich an eine Gelegenheit zu erinnern bei der sie Macht über andere Menschen hatten oder jemand anderes Macht über sie hatte (oder was sie am Vortag gemacht hatten, zur Kontrolle). Danach beantworteten sie Fragen darüber ob sie mit dem Ausmaß an Macht und Kontrolle in den jeweiligen Situationen zufrieden waren.

Nach Aussage der Forscher förderte in allen drei Studien das Gefühl der „Unabhängigkeit den Wunsch nach noch mehr Macht – Einfluss tut dies nicht (oder weitaus weniger).“

Und zuletzt führten die Forscher eine Umfrage unter 986 Lesern eines „an Fachleute gerichteten“ niederländischen Magazins durch, in der die Leser angaben wie viel Macht sie in ihren Jobs hatten (gemessen daran, auf welcher Hierarchiestufe sie sich im Unternehmen befanden) und danach Fragen dazu beantworteten, wie viel Unabhängigkeit ihnen ihre Positionen ermöglichten, ihren Einfluss und die Stärke des Wunsches nach noch mehr Macht. Topmanager nahmen für sich ein hohes Maß an Unabhängigkeit wahr und äußerten kein starkes Bedürfnis nach mehr Macht, während Angestellte in mittleren, niedrigen oder gar keinen Führungspositionen alle einen ähnlich höheren Wunsch nach mehr Macht als die Topmanager ausdrückten.

Zusammengefasst lassen die Forschungsergebnisse den Schluss zu, dass der Wunsch nach Macht gewissermaßen deplatziert sein könnte: Allgemein wollen Menschen, die sich mehr Macht wünschen eigentlich vor allem mehr Unabhängigkeit. Und wenn sie diese Unabhängigkeit erhalten, nimmt ihr Streben nach Macht tendenziell ab.

Dass Menschen Unabhängigkeit höher einschätzen als Einfluss passt zur Selbstbestimmungs-Theorie, eine psychologische Theorie die davon ausgeht, dass Unabhängigkeit eines der psychologischen Grundbedürfnisse des Menschen ist, zusammen mit Einbezogenheit und Kompetenz. Einfluss ist laut dieser Theorie kein Bedürfnis. Eine weitere Studie lässt den Schluss zu, dass während das Streben nach Macht das Wohlbefinden der Menschen schmälert, sie tatsächlich glücklicher sind wenn sie tatsächlich mehr Macht haben. Das liegt daran, dass sie sich dann authentischer fühlen – die Macht gibt ihnen das Gefühl, ihre Lebensumstände würden besser dazu passen, wer sie wirklich sind. Ein Grund dafür könnte sein, dass ihnen diese Macht die Freiheit bietet, ihre eigenen Entscheidungen zu treffen, und ihr Gefühl des Wohlbefindens zunimmt, wenn sie tun was sie wollen.

Die Forscher hinter der neuen Studie vermuten, dass Einfluss den Menschen lediglich wichtiger erscheinen könnte weil er sichtbarer ist. Es ist einfacher zu sehen wie Menschen Andere kontrollieren, als sie in ihrem Unabhängigkeitsgefühl zu beobachten. Die Studie bezieht sich auf wahre Führungspersönlichkeiten wie Napoleon, Caesar, Obama und Putin sowie auf Fiktionale wie Darth Vader und Sauron, und hält fest: „Das Gefühl der Unabhängigkeit dieser mächtigen Individuen ist nicht so sichtbar: Es zeigt sich in der Abwesenheit von Beschränkungen, nicht verhinderten Plänen und nicht enttäuschten Ambitionen – eine Abwesenheit, die unsichtbar bleibt.“

Das kann leicht zu einem falschen Verständnis dessen fühlen, was das Streben nach Macht antreibt.

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