OPECs Einfluss auf den Öl-Futures-Markt
AP Photo/Ronald Zak
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25. November 2016
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Unter starken Volatilität zu handeln erfordert vom Händler eine schnelle Reaktion auf alles, was von Vertretern des Kartells kommt.

Wenn es um den Terminmarkt für Rohöl geht, spielt OPEC eine entscheidende Rolle. Obwohl nach Ansicht vieler Experten die Bedeutung von OPEC in letzter Zeit abgenommen hat, verfügt das Ölkartell nach wie vor über beträchtlichen Einfluss auf den Ölpreis. Dies ist von besonderer Relevanz für Händler mit Öl-Termingeschäften, da die von OPEC beeinflusste Volatilität oftmals dazu führen kann, dass der Rohölpreis im Tagesverlauf um durchschnittlich 4 Dollar zulegt.

Um den OPEC-Einfluss auf den Rohölpreis sowie die größeren geopolitischen Zusammenhänge im Herzen des Rohölmarktes zu verstehen, listet die folgende Übersicht alle größeren Ereignisse auf, die von den 1970ern bis heute erheblichen Einfluss auf den Ölpreis ausgeübt haben.

  1. US-Reserven erschöpft
  2. Arabisches Öl-Embargo
  3. Iranische Revolution
  4. Iranisch-Irakischer Krieg
  5. Saudis geben Rolle als Ausgleichsproduzent auf
  6. Irak überfällt Kuwait
  7. Asiatische Finanzkrise
  8. OPEC reduziert Förderziel auf 1,7 Millionen Barrel Öl täglich
  9. Anschläge vom 11. September
  10. Niedrige Reservekapazitäten
  11. Globale Finanzkrise

Nach Schätzungen der IEA macht die OPEC-Produktion rund 40% aus, während Staaten außerhalb der OPEC oder nicht-OPEC-Staaten rund 60% der weltweiten Ölförderung abbilden. Nun folgt jedoch der interessanteste Fakt: Obwohl sie für lediglich 40% der Ölproduktion verantwortlich sind, stellen OPEC-Ölexporte rund 60% des international gehandelten Erdöls.

Vor allem aus diesem Grund sind OPEC-Staaten oftmals berüchtigt dafür, die Ölmärkte beeinflussen zu können. Es ist daher von entscheidender Bedeutung, dass Trade mit Öl-Futures nicht nur die OPEC verstehen, sondern auch genau auf deren Bewegungen achten. Es gibt unzählige Beispiele dafür, wie bloße Gerüchte seitens der OPEC oder Aussagen der Ölminister von OPEC-Staaten Schwankungen in den Rohölmärkten ausgelöst haben.

OPAC wurde im September 1960 im Rahmen der Bagdad-Konferenz gegründet. Die Gründungsmitglieder von OPEC waren Iran, Irak, Kuwait, Saudi-Arabien und Venezuela. Im Laufe der Zeit erweiterte sich die OPEC, da Länder wie Katar, Indonesien, Libyen, VAE, Algerien, Nigeria, Ecuador, Angola und Gabun sich ihr anschlossen, um die OPEC-Gruppe (14 Staaten) zu bilden, die wir heute kennen. Das Ziel der OPEC besteht ausschließlich darin, die Erdölpolitik unter ihren Mitgliedsstaaten zu koordinieren und zu vereinheitlichen, um einen sicheren und stabilen Preis zu gewährleisten.

Wie funktioniert die OPEC?

Das größte Druckmittel der OPEC sind Ölförderquoten. Als generelle Faustregel gilt, wenn OPEC die Produktion herunterfährt steigt der Ölpreis, und andersherum. Allerdings hat seit dem wohlbekannte Öl-Embargo von 1970 die Ölforderung außerhalb der OPEC stetig zugenommen und damit die Abhängigkeit der Welt und vor allem des Westens von OPEC-Öl verringert.

Wie man sich bereits denken kann, wird der Ölpreis diktiert von Angebot und Nachfrage, wobei das Angebot weitestgehend von der OPEC festgelegt wurde. Es gibt zwei turnusmäßige Treffen im Jahr, doch auf Antrag eines jeden Mitgliedsstaats kann ein „außerordentliches Treffen' einberufen werden. Die zwei turnusmäßigen Treffen finden im Juli und November statt, in deren Rahmen die Ölförderquoten formal festgelegt werden. Darüber hinaus veröffentlicht die Organisation in diesem Rahmen ihre eigenen Vorhersagen bezüglich des kurzfristigen Verhältnisses von Angebot und Nachfrage.

Das Überangebot (seit 2014)

Nach fast fünf Jahren von Stabilität in den Ölmärkten, als ein Barrel Rohöl bei rund 100 Dollar je Barrel lag, entschlossen sich die Mitgliedsstaaten im Rahmen der im November 2014 in Wien abgehaltenen OPEC-Konferenz zu einer Ausweitung der Produktion. Diese Meldung sorgte für einen Absturz des Ölpreises, da die Förderhähne weit geöffnet warne.

Seit diesem OPEC-Entschluss im November 2014 sackte der Rohölpreis an einem Punkt um stolze 62% in die Nähe des historischen Tiefstwertes von 30 Dollar je Barrel nach unten. Was zunächst als „Meinungsverschiedenheit“ bezeichnet wurde, war tatsächlich ein strategischer Plan von Saudi-Arabien, dem größten Ölproduzenten der OPEC.

Im Bestreben die schwächeren Akteure aus dem Markt zu drängen, vor allem die US-Schieferölproduzenten, entschloss sich OPEC zu einer Zerstörung der Preise, um die Schieferölproduzenten in den Ruin zu treiben. Die Entscheidung hatte erhebliche Auswirkungen, da es auch die Haushalte vieler OPEC-Mitgliedsstaaten sowie nicht-OPEC-Staaten wie Russland schwer belastete. Die meisten Ölproduzenten hatten damals ihre Haushalte auf einen Ölpreis von 100 Dollar ausgerichtet, doch innerhalb weniger Monate fiel der Ölpreis um über 50% und brachte so einige Länder an den Rand der Zahlungsunfähigkeit.

Die Entscheidung Saudi-Arabiens hat, obwohl strategisch, zu einer gespaltenen OPEC geführt, und sogar Saudi-Arabien selbst spürt nun die Folgen des schwächeren Ölpreises, der eigentlich zur Zerschlagung US-amerikanischer Schieferölproduzenten führen sollte. Infolge der Aufhebung der US-Sanktionen gegen den Iran gibt es tiefliegende Konflikte zwischen den beiden Ländern im Kampf um Marktanteile, da der Iran fest bei seiner Position bleibt, die Ölproduktion auf Rekordniveau zu halten und so die verlorenen Marktanteile wettzumachen, die während der US-Sanktionen gegen den Iran eingebüßt wurden.

Wie kann man sich auf den Handel mit Rohöl vorbereiten?

Um in der Lage zu sein, erfolgreich auf den Ölmärkten zu agieren und gleichzeitig auf die gelegentliche Zunahme der Schwankungen vorbereitet zu sein, muss man es als Händler am Öl-Terminmarkt verstehen, schnell auf Neuigkeiten zu reagieren, vor allem wenn man ein kurzfristiger Trader ist.

Die folgenden Punkte sollten jedoch hilfreich dabei sein, auf jegliche Überraschung gut vorbereitet zu sein.

Verstehe den Trend: Die Rohölmärkte folgen bestimmten Trends, welche sich nur sehr selten über Nacht verändern. Die herrschenden Trends zu verstehen kann Öl-Terminhändlern dabei helfen, sich besser zu positionieren.

Commitment of Traders-Bericht: Der wöchentliche CoT des CFTC ist ein guter Orientierungspunkt, wenn man gerade davor steht, eine Position anzulegen. Die generelle Faustregel lautet, dass wenn spekulative Position sich am Extrem bewegen, Ölpreise dazu tendieren, sich entgegen ihrer gegenwärtigen Trends zu bewegen. Das wiederum kann ein sehr passender Zeitpunkt zum Aufbau eigener Positionen oder zur Übernahme kurzfristiger Handelspositionen sein.

Wöchentliche Bestandsberichte: Ölhändler müssen einen Blick auf ihre Wochenkalender haben. Dienstags und donnerstags ist die Volatilität in der Regel höher, da das American Petroleum Institute (API) jeden Dienstag seinen wöchentlichen Bestandsbericht veröffentlicht, gefolgt vom offiziellen Bestandsbericht des US Energy Information Administration Department (EIA) am Donnerstag.

OPEC-Äußerungen: Obwohl es sehr schwierig ist, ein anstehendes außerplanmäßiges Ereignis vorherzusehen, sollte man immer nach Einlassungen oder Kommentaren der Ölminister eines jeden OPEC-Staats Ausschau halten. Die Commodities Page von Reuters eignet sich ideal dafür, die täglichen Entwicklungen auf den Ölmärkten zu verfolgen.

Den großen Zusammenhang verstehen: Die Ölmärkte folgen tendenziell dem Narrativ der größeren Zusammenhänge, wobei untergeordnete Ereignisse die täglichen Schwankungen am Leben halten. In der gegenwärtigen Situation schauen die Ölmärkte beispielsweise gebannt auf das am 30. November anstehende OPEC-Treffen, von dem erwartet wird, dass die Organisation das Förderniveau drosselt. Infolgedessen bereiten sich die Märkte auf einen Aufschwung in den Ölmärkten vor, wobei jedoch auch das Risiko besteht, dass vor allem aufgrund der Schwierigkeiten zwischen Iran und Saudi-Arabien keine Einigung erzielt werden könnte.

Nahostpolitik: Öl und Politik gehen Hand in Hand. Um ein besserer Rohöl-Trader zu werden zahlt es sich aus, seine Augen von den Tabellen zu lösen und auch einen Blick auf geopolitische Vorgänge zu werfen, welche Auswirkungen auf den Nahen Osten haben.

Man sollte immer im Kopf behalten, dass der Ölmarkt einer der dynamischsten Terminmärkte ist und der Händler deshalb in der Lage sein muss, schnell und entschieden auf Neuigkeiten zu reagieren. Ölpreise werden von einer Reihe an Faktoren beeinflusst, und obwohl OPEC-Beschlüsse nicht mehr so entscheidend sein mögen wie noch vor 10 Jahren, verfügt das Ölkartell nach wie vor über einen großen Einfluss im Rohöl-Terminmarkt.

Trotzdem ist es zweifellos spannend, auf den Öl-Terminmärkten zu traden. Wenn man dynamische und lebhafte Märkte bevorzugt und sich nicht zu sehr um die Volatilität sorgt, sind Öl-Termingeschäfte genau die Rohstoff-Futures, die man handeln sollte.

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