Brexit Bulletin
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Banken werden in Annahme eines harten Brexit Ende dieses und Anfang des nächsten Jahres damit beginnen, ihre Geschäfte aus Großbritannien abzuziehen.

Davon geht Anthony Browne, Geschäftsführer der Banken-Lobbygruppe BBA, in einem Beitrag für die Zeitung Observer vom Sonntag aus. Er schrieb:

„Die Hände [internationaler Banken] zucken über dem Umzugs-Button. Viele kleinere Banken haben vor, ihren Umzug vor Weihnachten einzuleiten; die größeren Banken werden vermutlich im ersten Quartal des nächsten Jahres folgen.“

Ohne irgendwelche Banken beim Namen zu nennen führte er aus, die Geldhäuser könnten nicht bis zu letzten Minute warten und müssten sich „auf das Schlimmste vorbereiten,“ vor allem da „die derzeitige öffentliche und politische Debatte in die falsche Richtung geht.“

Äußerst praktisch, dass einige Immobilienunternehmen ihnen bereits neue Behausungen suchen. Eine von Schroders Plc gemanagte Immobiliengesellschaft bietet für ein Bürogebäude in Frankfurt und folgt damit dem Vorbild von CBRE Global Investors und Standard Life Plc, die sich in Standorten von Dublin bis Amsterdam auf der Suche nach Büroräumen befinden.

Wie Bloombergs Jack Sidders berichtet, versuchen Immobilieninvestoren von der Knappheit an verfügbaren Büros in Paris, Frankfurt und Amsterdam zu profitieren. Der fehlende Ausbau und wachsende Binnennachfrage haben nach Angaben des Brokers Savills Plc. die Leerstandsquoten für Premiumobjekte in diesen Städten auf das niedrigste Niveau seit Jahren gedrückt.

Hammonds Kopfschmerzen

Sollten die Banker Großbritannien tatsächlich den Rücken kehren, dürfte dies Schatzkanzler Philip Hammond Kopfschmerzen bereiten, während er gerade plant, zur Unterstützung der Wirtschaft den Haushalt zu entlasten.

Auf der Kippe stehen rund 66 Milliarden Pfund (81 Milliarden Dollar), welche die Finanzindustrie zwischen 2014 und 2015 an Steuern gezahlt hat. Das entspricht 11 Prozent des gesamten Steuereinkommens und würde ohne weiteres ausreichen, um den jährlichen Verteidigungshaushalt des Vereinigten Königreichs zu bestreiten.

Die Regierung könnte unter Umständen auf Einnahmen verzichten müssen, um London wieder attraktiver für die Finanzindustrie zu machen. Die Forschungsgruppe Open Europe forderte letzte Woche in einer Einschätzung, Hammond solle in Erwägung ziehen, Bankenabgabe und den Aufschlag bei der Körperschaftssteuer für Banken komplett abzuschaffen oder zumindest die Belastung zu reduzieren.

Die Bankenabgabe wurde 2010 in einer Höhe von 0,05% der Bilanzsumme in Großbritannien ansässiger Banken eingeführt und stieg schrittweise auf 0,21%, was durchschnittlich über 2 Milliarden Pfund jährlich einbrachte. Letztes Jahr verkündete die Regierung Pläne, nach denen die Abgabe bis 2021 auf 0,1% halbiert werden soll.

Was den Aufschlag betrifft, so wurde dieser im Januar eingeführt und beläuft sich auf 8% der Gewinne von Banken, zusätzlich zu den 20% Steuern für alle Unternehmen. Die BBA forderte am Donnerstag dessen schnellstmögliche Abwicklung.

Radikale Option

Währenddessen berichtete The Sunday Times, dass Berater von Premierministerin Theresa May einen Plan zur Kürzung der Unternehmenssteuer von 20% auf 10% entwickelt hätten, welcher als „nukleare Option“ genutzt werden könnte, sollte die EU ein Freihandelsabkommen ablehnen oder Finanzkonzernen die Teilhabe am gemeinsamen Binnenmarkt verwehren. Ein Regierungssprecher äußerte gegenüber der Zeitung jedoch, derart drastische Steuersenkungen würden nicht in Erwägung gezogen.

Konstitutionelle Krise

May trifft am Montag die Regierungschefs von Schottland, Wales und Nordirland und wird ihnen einen „direkten Draht“ zu Brexit-Minister David Davis anbieten, um ihm beim Entwurf der Brexit-Strategie zu beraten. Die Premierministerin geht unter dem Eindruck warnender Stimmen auf die dezentralen Verwaltungen zu, der Brexit würde eine konstitutionelle Krise auslösen, sollte sie diese nichts ins Boot holen können.

Die Regierung wird den Austritt aus der EU als ein Vereinigtes Königreich aushandeln,“ so die Sprecherin May's, Helen Bower, gegenüber Journalisten. „Eine geschlossene Haltung Großbritanniens ist entscheidend, um die Interessen des Vereinigten Königreichs als Ganzem zu schützen. Wir müssen sicherstellen, keine Handelshemmnisse innerhalb Großbritanniens zu erschaffen.“

Der schottische Erste Minister Nicola Sturgeon trifft bereits Vorbereitungen für eine weiteres Unabhängigkeitsreferendum, im Fall eines Brexit-Deals von May, mit dem das Land aus EU-Binnenmarkt ausgeschlossen wird. Schottland und Nordirland, der einzige Teil des Vereinigten Königreichs, der eine Landgrenze mit der EU teilt, hatten sich mit großer Mehrheit für einen Verbleib in der EU ausgesprochen. Michael Russel, schottischer Brexit-Minister, kommentiert:

„Die schottische Regierung ist zunehmend besorgt, dass Großbritannien sich auf dem Weg in einen harten Brexit befindet, mit all den Folgen, welche dies für die schottische und britische Volkswirtschaft haben wird. Vier Monate nach dem Referendum warten wir immer noch auf einen Vorschlag der britischen Regierung, wie die Meinung der Menschen in Schottland zum Tragen kommen soll.“

Brexits Kurznachrichten

  • Microsoft (NASDAQ: Microsoft Corporation [MSFT]) wird aufgrund des Pfund-Absturzes die Preise für alle Unternehmensprodukte um stolze 22% anheben
  • Die Exportstimmung befindet sich nach Angaben der Confederation of British Industry dank des schwachen Pfunds (FX:GBP:USD) auf ihrem höchsten Stand seit 2014
  • London könne nicht zu Europas „Offshore-Finanzzentrum“ werden, so Euronext-CEO Stephane Boujnah gegenüber Le Figaro
  • Labour-Politikerin Hilary Benn, die neugewählte Vorsitzend des parlamentarischen Kontrollausschusses für den Brexit, sagte am Sonntag, das Parlament müsse über den Verhandlungsplan der Regierung abstimmen
  • UKIP-Abgeordnete konkurrieren um Parteivorsitz, da die Partei bis Ende nächsten Monats einen neuen Vorsitzenden präsentieren möchte
  • Nissan (TYO: 7201) wird im November entscheiden, ob es den Qashqai SUV weiterhin in Großbritannien fertigen will
  • Toys 'R' Us bezeichnet Brexit als 'Game-Changer' für sein U.K.- Geschäft, so die Mail on Sunday.

Auf den Märkten

Das Pfund mag vielleicht gerade eine Phase relativer Stabilität erfahren, doch es ist eine brüchige Ruhe, mit der sich die Trader nicht zu sehr anfreunden sollten, so Bloomberg-Analyst Lukanyo Mnyanda.

Obowhl der Wert der erwarteten Volatilität letzte Woche fiel, dürfte das Pfund Sterling über die kommenden sechs Monate die größten Preisschwankungen unter den 10 größten Währungen verzeichnen.

Nachdem es letzte Woche noch 0,4% gewonnen hatte, lag das Pfund kaum verändert bei 1,2239 Dollar.

Und zu guter Letzt...

Im Vereinigten Königreich entwickelt sich unter den Milliardären eine neue Form des Einkommensgefälles.

Die 10 reichsten nicht-britischen Einwohner des Landes sind alle seit dem Brexit-Referendum noch reicher geworden, während die 10 wohlhabendsten Briten dagegen alle Geld verloren haben. Unter den Verlieren ist das Nettovermögen des „Remain“-Verfechters Richard Branson laut dem Bloomberg Billionaires Index um 600 Millionen Dollar geschrumpft.

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