VW: Die Wiedergeburt
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14. Oktober 2016
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Bis 2025 will VW ein Viertel des Elektrocar-Marktes zu besetzen.

Volkswagens Plan ist so mutig wie lobenswert. In einem Versuch, den Dieselskandal hinter sich zu lassen, plant das Unternehmen bis 2025 jährlich stolze 3 Millionen Elektroautos zu verkaufen, rund ein Viertel des Gesamtabsatzes. Doch das Elektroziel birgt auch die Gefahr, die Profite des deutschen Autobauers erheblich zu schmälern – es sei denn, er findet anderswo große Einsparpotenziale. Das dürfte jedoch schwierig werden.

Auf dem Spiel steht dabei die zukünftige Profitabilität der Fahrzeugherstellungssparte von VW. Vor dem Diesel-Abgasskandal erzielte dies jährliche operative Profite in Höhe von 11 Milliarden Euro, was nahezu den kompletten Erträgen von VW entspricht.

VW rechnet damit, dass diese Strategie seine Umsatzrendite im Laufe der nächsten acht Jahre um ein ganzes Drittel anheben wird. Doch wird sie das? Morgan Stanley-Analyst Harald Hendrikse befürchtet, dass im Gegenteil der Verkauf vieler Elektroautos die Fahrzeugsparte von VW bis 2025 in die roten Zahlen treiben könnte. Bis Ende des Jahrzehnts würde sie demnach wieder profitabel werden.

Langfristige Gewinnprognosen seien immer ungenau, wie Hendrikse einräumt. Vor allem bei Elektrofahrzeugen sind sie aufgrund der Unwägbarkeiten hinsichtlich Technologiekosten, gesetzlicher Bestimmungen, Wettbewerb und Nachfrage besonders schwierig. Tesla (NASDAQ: Tesla Motors [TSLA]) ist immer noch nicht profitabel. Der CEO von Fiat Chrysler, Sergio Marchionne, flehte die Kunden an, auf einen Kauf des Fiat-Elektroautos 500e zu verzichten, da es ein derart großes Verlustgeschäft sei. Obwohl die meisten Autobauer keine Finanzzahlen für ihre Elektrosparten preisgeben kann man mit hoher Wahrscheinlichkeit annehmen, dass bisher noch keiner von ihnen damit Geld verdient hat.

Investoren sind verunsichert vom bevorstehenden Übergang zu Elektrofahrzeugen, weshalb die Autobauer aktuell bei derart niedrigen Multiplikatoren zukünftiger Gewinne gehandelt werden. Mit Recht sind sie besonders nervös mit Blick auf VW, weil dessen Pläne derart ambitioniert sind – die meisten Konkurrenten habe keine langfristigen Absatzziele für batteriebetriebene Fahrzeuge verkündet. Die Umstellung auf Elektrik wird mit großen Ausgaben einhergehen. Belegschaft und Fertigungsanlagen von VW sind nach wie vor fast ausschließlich auf die Herstellung von Verbrennungsmotoren ausgerichtet.

Das Unternehmen wird sich zur Erreichung der Zielmarke für Elektrofahrzeuge restrukturieren und die Ausgaben für Forschung und Entwicklung, Mitarbeiterschulung und Umrüstung von Fabriken erheblich ausweiten müssen. Zusätzlich besorgniserregend ist, dass VW vorhat, eine komplett neue Fahrzeugarchitektur für seine Elektroautos zu entwickeln, was wiederum darauf hindeutet, dass die Unsummen, die man in eine Plattform zur gemeinsamen Nutzung von Bauteilen für Kraftstoff- und Elektromotoren investiert hat, nicht komplett gut investiertes Geld waren. Es ist durchaus vorstellbar, dass VW eines Tages Abschreibungen beim Wert seiner Fertigungsanlagen vornehmen muss.

VW hat jedoch auch noch etwas Handlungsspielraum. Es gibt mehr für Forschung und Entwicklung aus als jedes andere Unternehmen der Welt. Es sollte durchaus möglich sein, mehr davon in die Entwicklung elektrischer Fahrzeuge umzuleiten, ohne dabei das Ziel aufgeben zu müssen, anstatt der letztjährigen 7 Prozent nun unter 6 Prozent der Erlöse in Forschung und Entwicklung zu stecken.

Eine Senkung der Lohnkosten dürfte hingegen schwieriger werden. VW hat im Verhältnis zur Anzahl verkaufter Autos zu viele Beschäftigte. Das könnte noch schlimmer werden: Elektromotoren haben weniger Teile und dürften daher weniger arbeitsintensiv sein als Verbrennungsmotoren. Die Rede ist von jährlich 2.000 wegfallenden Arbeitsplätzen im Rahmen des Renteneintritts der 'Baby Boomers'. Betriebsbedingte Kündigungen sind dank der Gewerkschaften bei VW so gut wie ausgeschlossen, also sollte man keinen zügigen Rückgang der Beschäftigungszahlen erwarten.

Doch die Kosten sind lediglich ein Teil der Rechnung.

Auch die Preispolitik wird eine gewichtige Rolle spielen. Es besteht durchaus ein Risiko, dass VW im Rahmen des Umstiegs von Kunden weg von margenstarken Benzin- oder Dieselfahrzeugen und hin zu margenschwachen Elektroautos seine Profite kannibalisiert. Ebenso könnten die Preise für Benzin- und Dieselfahrzeuge einbrechen, sollten die Kunden sich für eine elektrische Zukunft entscheiden und einen Preisverfall ihrer Gebrauchtwagen befürchten.

VW wird sein Elektroziel kaum ohne einen beträchtlichen Absatzschub in China erreichen können, wo es über ein Drittel seiner Fahrzeuge verkauft. Doch lokale Konkurrenten wie BYD (SHE: 002594) haben große Pläne für ihre eigenen günstigen Elektromodelle.

Trotzdem gibt es nicht nur schlechte Neuigkeiten. Indem es den Umstieg auf komplett elektrische Fahrzeuge vorantreibt, wird VW nicht so viel in teure Hybridtechnologien oder Effizienzsteigerungen bei Verbrennungsmotoren investieren müssen, um Emissionsbestimmungen zu erfüllen. Also könnten Benzin- und Dieselfahrzeuge auf kurze Sicht mehr Profite generieren. Und im Verlauf der Zeit sollten sich die Bruttomargen von Elektrofahrzeugen erhöhen, da die Batteriekosten fallen und Skaleneffekte zunehmen werden.

VW hat versichert, sein ID-Elektroauto werde zum Verkaufsstart 2020 nicht teurer als ein herkömmlicher Golf Diesel sein. Bis dahin dürfte es für die Anleger ein holprigere Fahrt sein, als für die Fahrer.

Quelle: Bloomberg

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