Deutsches Bankenproblem ist mehr als nur Deutsche Bank
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Deutschland ist vielleicht der ökonomische und politische Motor Europas, von seinen Banken kann man das jedoch nicht gerade behaupten.

Deutsche Bank AG, das größte Kreditinstitut des Landes, hat mit einer Reihe von Problemen zu kämpfen. Sie sieht sich einer milliardenschweren Vergleichsklage des US-Justizministeriums im Zusammenhang mit dem Verkauf von Hypothekenprodukten vor Ausbruch der Finanzkrise gegenüber. Sie hat eine lange Liste regulatorischer Probleme und ihr Aktienpreis befindet sich auf dem tiefsten Stand seit Jahrzehnten.

Ihre Schwierigkeiten haben sich zu einer politischen Affäre entwickelt, während die deutsche Regierung abwägt, ob sie bei Bedarf die Bank retten kann oder überhaupt sollte. Die meisten Analysten halten ein Eingreifen des Staates derzeit für nicht notwendig, und der Vorstandschef der Deutschen Bank, John Cryan, versicherte den Beschäftigten am 30. September, die Bank erfülle „alle gegenwärtigen Kapitalverpflichtungen und unser Restrukturierungsprogramm verläuft nach Plan.“

Deutsche Bank und die anderen

Eine kürzlich durchgeführte Umfrage durch TNS Emnid im Auftrag des Nachrichtenmagazins Focus ergab, dass 69% der Befragten sich gegen jede Form der staatlichen Unterstützung für die Deutsche Bank aussprach und lediglich 24% dafür. Die nationalen Finanzprobleme vertiefen die Sorgenfalten bei Kanzlerin Angela Merkel, während sich in Italien und Griechenland noch größere Schwierigkeiten abzeichnen.

Die Deutsche Bank befindet sich als drittgrößte Bank Europas mit ihren Probleme in illustrer Gesellschaft. Ihr kleiner deutscher Konkurrent Commerzbank AG (ETR: CBK) hat Pläne zur Entlassung von 20% der Belegschaft und zur Reduzierung der Geschäftsoperationen angekündigt. Weitere große Banken haben schwer unter der weltweiten Flaute im Schiffsverkehr zu leiden. Und die extrem niedrigen Zinssätze der Europäischen Zentralbank minimieren die Erträge der unzähligen öffentlichen Sparkassen und Genossenschaftsbanken des Landes.

Während Banken in anderen Ländern wie Italien sich vor allem mit faulen Krediten auseinandersetzen müssen, ist das Problem in Deutschland eher struktureller Natur: zu viele Banken konkurrieren im selben Geschäftsfeld, wobei nicht alle die selbe Notwendigkeit zur Befriedigung der Aktionäre haben und legislative sowie politische Hürden eine Konsolidierung erschweren.

Länder mit den sichersten Banken

Zusätzlich zu den großen börsennotierten Banken Deutschlands gehören zum Privatkundengeschäft des Landes noch in öffentlicher Hand befindliche Banken namens Sparkassen und Genossenschaftsbanken namens Volksbanken oder Raiffeisenbanken. Die Abwicklungsbanken für die Sparkassen, im wörtlichen Sinne 'Landesbanken' genannt, sind weitaus größer. Die Abwicklungsbank für Volksbanken und Raiffeisenbanken ist die DZ Bank.

Ein derart kleinteiliges System war noch vor Jahrzehnten weitaus üblicher in Europa, aber Reformen in anderen Ländern ermöglichten die Verschmelzung verschiedenartiger Banken, was bis heute in Deutschland politisch schwierig ist. Gesetzliche Einschränkungen verhindern, dass Sparkassen von einer größeren Privatbank wie Commerzbank oder Deutscher Bank übernommen werden können.

Frankreich beispielsweise sei „ein höchst konzentrierter Markt, der stabile und ausreichende Einkommen für französische Banken sicherstellt,“ erläutert Nicolas Veron, Senior Fellow beim Brüsseler Think-Tank Bruegel.

Daten stützen diese These. Große französische Banken hatten eine Eigenkapitalrendite von 6,18%, während diese bei deutschen Banken bei lediglich 4,51% lag. Für die französischen Regionalbanken ROE lag dieser Wert laut FactSet Ende des letzten Jahres gar bei 8,88%, während ihre deutschen Pendants nur 2,65% verzeichneten.

Laut Experten hat Deutschland ganz einfach mehr Banken, als es eigentlich benötigt. EZB-Daten zeigten, dass Deutschland im Jahr 2014 mit 45.552 Einwohnern je Kreditinstitut das niedrigste Verhältnis von Bewohnern pro Bank unter den großen Volkswirtschaften der Eurozone hatte. Der Wert für Spanien lag im Vergleich dazu bei 205.593.

„Deutschland ist nach wie vor 'overbanked'“, schätzt Beate Reszat, Ökonomin und Finanzbloggerin. Eine Konsolidierung ist jedoch schwierig, auch weil viele Menschen ihrer Sparkasse eng verbunden sind. „In der aktuellen unübersichtlichen Lage vertrauen sie den Sparkassen eher als den großen Privatbanken,“ so Reszat.

Die Sparkassen sind sowohl bezüglich der Zahlen als auch des politischen Einflusses eine Macht. Lediglich knapp über 400 Sparkassen beschäftigen laut Anfang des Jahres von ihrem Dachverband veröffentlichten Zahlen rund 234.000 Angestellte und verwalten 44 Millionen Sparkonten.

Diese Banken gehören zu den schärfsten Kritikern der Niedrigzinspolitik der EZB, da sie in hohem Ausmaß von Zinsmargen abhängen, also der Differenz zwischen dem, was die Bank mit Krediten verdient und für Einlagen bezahlt. Zahlen der Deutschen Bundesbank zeigten, dass die Zinseinnahmen der Sparkassen zwischen 2008 und 2015 um rund 37% gefallen sind (obwohl bei einer Berücksichtigung des Rückgangs der Zinssätze das Nettozinseinkommen im selben Zeitraum tatsächlich um 12% gestiegen ist). Dieselben Daten ergaben, dass die Landesbanken seit 2011 einen Rückgang der Nettozinseinkommen um 22% hinnehmen mussten.

Das EZB-Vorstandsmitglied Yves Mersch sagte, laut Prognosen würden negative Zinssätze „die Profitabilität der Banken im Verlauf der kommenden fünf Jahre erheblich beeinträchtigen.“ Allerdings zeigten „Schätzungen von EZB-Beschäftigten, dass der generelle Einfluss kürzlich ergriffener finanzpolitischer Maßnahmen insgesamt positiv ist, verglichen mit einem Szenario ohne finanzpolitische Maßnahmen.“

Deutsche Bank, Lehman Brothers und die Reiter der Apokalypse

Deutsche Aufsichtsbehörden haben Banken dazu aufgefordert darüber nachzudenken, ob sie zusätzliche Einnahmen generieren könnten indem sie anfangen, Gebühren für vormals kostenfreie Dienstleistungen zu verlangen. Während Kunden natürlich gerne kostenlose Dienstleistungen annähmen, „kann dieses Angebot vor dem Hintergrund mangelnder Einkommensalternativen langfristig nicht gehalten werden,“ so Felix Hufeld, Chef der deutschen Bankenaufsichtsbehörde BaFin bei einer Konferenz Anfang des Jahres in Frankfurt.

Deutsche Banken wurden zudem schwer von der Schifffahrtskrise der letzten Jahre getroffen. Die in Hamburg ansässige HSH Nordbank AG war 2008 vom Volumen her der weltgrößte Anbieter von Schiffskrediten, als die Charterquoten vor dem Hintergrund der globalen Wirtschaftskrise und eines Überangebots neu gebauter Containerschiffe rapide zurückgingen. Die Erträge im Schiffsmarkt sind seitdem auf niedrigem Niveau verblieben, sodass das viele Schiffe nicht genügend Profite zur Bedienung der Kredite erwirtschaften.

Zwei weitere norddeutsche Banken, Norddeutsche Landesbank Girozentrale und Bremer Landesbank, sowie Deutsche Bank und Commerzbank hatten ebenfalls erheblich Schiffskredite gewährt, von denen viele nicht mehr bedient werden können.

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