Deutsche Bank, Lehman Brothers und die Reiter der Apokalypse
AP Photo/Michael Probst
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Bloombergs Kolumnist Mark Gilbert darüber, wie die Erinnerung an die Katastrophen der Vergangenheit kommende Probleme überschatten kann.

Nachwirkungen der Kreditkrise vor acht Jahren sind nach wie vor weltweit spürbar, darunter Negativzinsen, aufgeblähte Bilanzen der Notenbanken und eine strengere Kontrolle des Finanzsystems. Eine Konsequenz daraus ist der Versuch des Kommentariats, seine Fehler wieder gutzumachen, indem es sich derzeit auf jede verfügbare Möglichkeit stürzt.

Eschatologie -- der Theologiezweig, welcher sich mit dem Ende aller Dinge befasst -- hat aktuell Hochkonjunktur: jeder verpasste Wirtschaftsindikator ist mittlerweile ein Vorbote der Rezession, jedes verfehlte Inflationsziel ein Versagen der Zentralbanken und jedes Unternehmen in Schwierigkeiten ein Zeichen für eine sterbende Branche.

Doch es gibt ein wachsendes Risiko, dass Finanzkommentatoren, seien es Marktanalysten, Investoren oder Journalisten (darunter auch ich selbst), sich vor den Schatten von 2008 erschrecken. Diese Entschlossenheit, sich nicht ein zweites Mal überrumpeln zu lassen, birgt die Gefahr erlahmender Empfindsamkeiten, die unsere Instinkte für wirklich bedrohliche Entwicklungen vernebeln.

Nirgendwo lässt sich dies besser beobachten als in dem Enthusiasmus, mit dem jedes einzelne Stressmoment auf den Finanzmärkten als möglicher "Lehman-Moment" beschrieben wird, sei es Volkswagens (XETRA: Volkswagen [VOW3]) Abgasskandal oder Glencores (LSE: Glencore [GLEN]) Anstrengungen zur Reduzierung der Schuldenlast vor einem Jahr. Der aktuellste Vorwand ist der Kollaps des Deutsche Bank-Aktienkurses (NYSE: Deutsche Bank [DB]).

Folgende Grafik demonstriert, wie die neuesten Probleme der deutschen Firma mit einem Anstieg der Lehman-Erwähnungen im Rahmen des Jahrestages von deren Untergang zusammenfielen, was wiederum zu einem Anstieg der Popularität des Begriffs nach dem eigentlichen Erinnerungsmonat führte.

Man stelle sich einmal vor, man leitet einen Hedgefonds und der Finanzjournalist des Vertrauens ruft an und fragt: "Hey, wir bekommen mit wie viele Leute ihre Beziehungen mit der Deutschen Bank abbauen, wie sieht es bei euch aus?"

Es kann durchaus sein, dass man daraufhin einen genaueren Blick auf seine Tabellen wirft und entscheidet, dass der nächste Handel oder Abschluss auch durchaus mit einer anderen Bank aus der Liste an Geschäftspartnern durchgeführt werden kann, nur um sicherzugehen - auch wenn man selbst eigentlich keinerlei finanzielle Bedenken hinsichtlich der Geschäftsverbindungen mit dem deutschen Giganten hat. Im derzeitigen fiebrigen Umfeld ist das Risiko sich selbst erfüllender Prophezeiungen hoch und immer noch steigend.

Dessen ungeachtet trägt die Deutsche Bank selbst die Schuld daran, dass es Spekulationen über ihre Überlebenschancen gibt. Die Anstrengungen der Regulatoren zur Lösung des "zu groß zum Scheitern"-Dilemmas, indem sie Banken zur Schrumpfung anhielten, scheinen keine besonders großen Auswirkungen auf die Kapitalbasis der in Frankfurt ansässigen Institution gehabt zu haben, welche sogar größer ist als 2012 und im Verhältnis zu der Volkswirtschaft, welcher sie eigentlich dienen sollte, noch einmal gewachsen ist.

Im Jahr 2003 war das Bruttoinlandsprodukt Deutschlands dreimal so groß wie die Vermögensbasis seiner größten Bank. Im letzten Jahr entsprach die Bilanz der Deutschen Bank über der Hälfte der gesamten deutschen Volkswirtschaft; anders ausgedrückt, wäre die Kapitalbasis der Deutschen Bank das BIP eines Landes, würde sie der gesamten Jahresproduktion Italiens entsprechen.

Eine Bank mit Vermögenswerten im Umfang von 1,8 Billionen Euro sollte es nicht weiter interessieren, ob das US-Justizministerium eine Strafe in Höhe von 5, 10 oder 20 Milliarden Dollar verhängt. Egal wie hoch die Strafzahlung letztendlich ausfällt, sollte sie jedoch mit Sicherheit keine existenzielle Bedrohung für eine Institution der Größe der Deutschen Bank darstellen. Der Umstand, dass es dennoch so ist, zeugt von dem Scheitern der europäischen Bank, ausreichend Kapital für schwierige Zeiten anzusparen.

Teil des Problems ist jedoch, dass die von der Bank veröffentlichten Bilanzzahlen weiterhin bedenklich intransparent sind. Also weiß niemand, was sich wirklich hinter der seitens der Deutschen Bank genannten Summe von 46 Billionen Euro (ja, Billionen) nominaler Bruttorisiken im Derivatemarkt verbirgt, oder ob - wie von meinem Kollegen bei Bloomberg Intelligence, Jonathan Tyce, berechnet - diese Summe tatsächlich auf lediglich 41 Milliarden Euro schrumpft (nach wie vor eine mächtige Summe), wenn man verpfändete Sicherheiten einberechnet und gegeneinander aufrechnet, was die Bank Anderen schuldet und andersherum.

Die größte Unbekannte besteht jedoch darin, ob die deutsche Regierung den Mut hätte, sich herauszuhalten und die Bank in den Abgrund stürzen zu lassen. Keiner weiß, ob die Deutsche Bank zu groß zum Scheitern, oder zu groß zum Retten ist - keine Position, in der man sein möchte.

Und nun folgt der besorgniserregendste Aspekt der gegenwärtigen Situation: Acht Jahre nachdem die Finanzbranche die Weltwirtschaft in die Knie gezwungen hat, ist es nach wie vor keineswegs klar, ob nicht schon eine weitere Katastrophe tief in einer dunklen Ecke ihrer Handelsaktivitäten verborgen wartet. Trotzdem sollte diejenigen unter uns, die ihr Geld damit verdienen, finanzielle Felsbrocken anzuheben und zu schauen was sich unter ihnen verbirgt, der Versuchung widerstehen übe Schlangen zu spekulieren, wenn alles was wir wirklich sehen können Würmer sind.

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