Die besten Zeiten des globalen Anleihemarkts sind vorbei
Bank of Japan, Yuriko Nakao/Reuters
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Der globale Anleihenmarkt hat seinen Zentralbank-Anker eingeholt. Die Tage des Bond-Nirvanas, wo scheinbar jeder Monat niedrigere Zinsen – und höhere Preise – brachte, sind vorerst vorbei.

Bis September lief für Investoren festverzinslicher Anlagen alles nach Plan. Die weltweite Inflation war schwach und das globale Wachstum fragil. Die Zentralbanken, vor allem Bank of Japan und Europäische Zentralbanken, wurden in ihrer Geldpolitik immer erfinderischer. Und zu guter Letzt die Brexit-Abstimmung im Juni jagte die Zinsen weiter nach unten, da die Märkte Turbulenzen befürchteten und mit weiteren Maßnahmen der Zentralbanken rechneten.

Die Zinsen für Staatsanleihen von Japan und Deutschland glitten ins Negative. Und obwohl die US-Notenbank sogar Zinsanhebungen in Betracht zog, fielen die Renditen für US-Staatsanleihen in den ersten acht Monaten des Jahres. Bonds mit langer Laufzeit erzielten spektakuläre Renditen: Bis 12. August hatten britische Staatsanleihen mit Laufzeiten über 25 Jahren laut Bank of America Merrill Lynch-Indizes einen Gewinn von fast 39% abgeworfen.

Doch die Rallye trieb die Bewertungen von Anleihen auf außergewöhnlich übertriebene Niveaus. Und nun hat sich der Wind gedreht: Die langfristigen Anleiherenditen sind nach oben geschossen. US-Staatsanleihen mit dreißigjähriger Laufzeit haben innerhalb einer Woche 0,23 Prozentpunkte zugelegt.

Der Trend hat seinen Ursprung in Japan, als Enttäuschung über die Untätigkeit der BOJ Ende Juli zu einem Ausverkauf japanischer Staatsanleihen führte. Dann wurden die Märkte letzte Woche erneut von der Europäischen Zentralbank enttäuscht. Mittlerweile arbeiten sowohl EZB als auch BOJ an möglichen Anpassungen ihrer Maßnahmenbündel: In beiden Fällen fürchten Anleger, dass sie langfristige Anleihen weniger entschieden unterstützen könnten.

Das hat weltweite Folgen: Der Aufschwung von US-Staatsanleihen war Teil einer weltweiten Verschiebung; das Gegenteil würde genauso gelten. Würden aktuell Sorgen rund um die Fed den Markt bestimmen, würden kurz- und mittelfristige Bonds mehr unter Druck geraten.

Weitere Stützfaktoren sind auf dem Rückzug. Der Brexit hat, obwohl er nach wie vor schwerwiegende langfristige Konsequenzen haben könnte, keine neue Krise ausgelöst. Auch die gemessene Inflationsrate sollte sich in den kommenden Monaten erholen, sofern sich die Ölpreise weiterhin in den aktuellen Bereichen bewegen. In Volkswirtschaften, wo Banken die vorrangigen Kreditgeber sind, müssten steilere Zinskurven nicht unbedingt etwas Schlimmes sein, könnten Kreditvergaben erleichtern und damit die Wachstumsaussichten aufhellen. Am Dienstag veröffentlichte US-Einkommensdaten deuten darauf hin, dass die Konsumenten durchaus gewillt sind Geld auszugeben.

Es gibt nach wie vor einige mächtige Einschränkungen bei den Anleihenrenditen. Das weltweite Wachstum ist nach wie vor schwach. Regulierungen werden weiterhin Banken und Versicherer in vermeintlich sichere Anlagewerte drängen. Auch die Zentralbanken dürften kaum eine Kehrtwende vollziehen; die Kombination der einzelnen Instrumente mag sich verändern, doch die Geldpolitik wird locker bleiben und somit kurzfristige Anleiherenditen niedrig halten.

Befürchtungen wegen neuer Konjunkturpakete könnten übertrieben sein: Man müsste schon ein sehr mutiger Politiker sein, um mit der Orthodoxie zu brechen und die Schuldenaufnahme wieder in großem Stile auszuweiten. Geopolitische Risiken und die Brexit-Wahl haben gezeigt, dass Märkte politische Entwicklungen verhängnisvoll falsch einschätzen können. Ein Ausverkauf riskanter Vermögenswerte wie Stammaktien, Unternehmensanleihen oder Schwellenmärkten, selbst von niedrigen Anleihenrenditen nach oben getrieben, könnten wieder Nachfrage für Staatsanleihen generieren.

Doch an den Rändern ist das Umfeld für Bonds weniger freundlich. Steilere Zinskurven sind die Folge. Anleiherenditen können historisch gesehen vergleichsweise niedrig verbleiben – nur nicht so niedrig wie zuvor.

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