Autohersteller vor einem Brexit-Zusammenbruch
Alessandro Bianchi/Reuters
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Nach einer schier endlosen Phase in der überforderte Konsumenten kaum mehr Geld ausgaben waren die Verkaufszahlen gerade wieder richtig angesprungen.

Die Autoverkäufe in der EU legten 2015 um über 9% zu und stiegen auch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres in ähnlichem Maße. Die Profite erholten sich - der französische Autobauer Peugeot (EPA: UG), der rund 63% seiner Autos in Europa verkauft, erzielte letztes Jahr eine operative Marge von 5% – ein guter Wert für einen Massenmarkt-Hersteller.

Doch nach den umfangreichen Ausverkäufen der letzten Woche sind Anleger aktuell durchschnittlich nur noch gewillt, für europäische Autoaktien das 5,8-fache der erwarteten zukünftigen Erträge zu bezahlen.

Normalerweise könnte ein derartiger Pessimismus vielleicht eine Schnäppchenjagd in Gang setzen. Doch in diesem Fall deuten die nachvollziehbaren Bedenken hinsichtlich privater Konsumausgaben in Großbritannien und Europa eher darauf hin, dass die Gewinnerwartungen der Autobauer sogar noch übertrieben sein könnten.

Thomas Besson, Analyst bei Kepler Cheuvreux, hat seine 2017er EPS-Schätzungen für BMW (XETRA: Bayerische Motoren Werke [BMW]) und Daimler (XETRA: Daimler [DAI]) um 8% bzw. 9,5% nach unten korrigiert. Seine Vorhersage für die EPS von Peugeot für 2017 senkte er um 18,4%. Sollten sich Autobauer zur Herausgabe von Gewinnwarnungen gezwungen sehen, würden Autoaktien nicht mehr so günstig scheinen.

Es gibt eine Reihe von Gründen pessimistisch in die Zukunft zu schauen. Das Vereinigte Königreich ist der zweitgrößte Automarkt Europas und ein sehr profitabler Ort für den Fahrzeugverkauf. Dank der hohen Popularität von Leasing fahren britische Kunden Autos, die sie sich sonst kaum leisten könnten. Premiummodelle mit vielen Zusatzfunktionen haben höhere Gewinnspannen.

Mit einem Fragezeichen hinter den Jobs in Londons Finanzsektor ist es schwer vorstellbar, dass britische Spekulanten jetzt den richtigen Zeitpunkt sehen, sich ein Prestigeauto zuzulegen. Autobauer die viele Fahrzeuge nach Großbritannien exportieren, wie zum Beispiel Peugeot, sind aufgrund des schwachen Pfunds (GBP/USD) doppelt betroffen. Außerdem besteht das Risiko, dass die britische Harakiri-Abstimmung auch anderswo in Europa das Vertrauen weiter sinken lässt. Vor dem Hintergrund bereits hoher Rabatte haben europäische Autobauer überdies kaum Spielraum für einen Preiskampf zum Ankurbeln der Verkäufe.

In der Vergangenheit könnten Autohersteller die Schwäche Europas mit stärkerem Wachstum anderswo ausgleichen, vor allem den USA und China. Doch keiner von beiden scheint aktuell bereit, bei der Bewältigung des Brexit Blues zu helfen. Während ein starker Dollar jenen Herstellern mit starkem US-Geschäft zugute kommt, wie zum Beispiel Daimler und BMW, scheint der US-amerikanische Automarkt zurzeit gesättigt.

Anleger machen sich berechtigte Sorgen, dass die niedrigen Kreditkosten US-Autoverkäufer dazu ermutigt haben, die Verkaufszahlen zu stark nach oben zu treiben. Das könnte sich auf die Restwerte auswirken wenn eine Welle fast neuer Autos auf dem Gebrauchtmarkt ankommt. BMW hat in Erwartung härterer Konditionen bereits eine Reduzierung überschüssiger US-Bestände in die Wege geleitet.

Und obwohl Steuererleichterungen die Verkaufszahlen in China stützen konnten – die Stand Mai im Jahresvergleich um 11% zulegten – hat der Wettbewerb sich verschärft. Wenn die Kaufanreize von Regierungsseite auslaufen und sich Chinas Schuldenprobleme verschlimmern sollten, könnten auch dort die Verkaufszahlen sinken.

Der Volkswagen-Skandal war definitiv nicht hilfreich und hat den Druck auf Unternehmen erhöht, mehr für Compliance auszugeben sowie Befürchtungen ausgelöst, die Profite der Branche könnten ihren Zenit bereits überschritten haben. Nach der kürzlichen Fahrt der Branche auf der Überholspur könnte der Brexit durchaus eine Vollbremsung ausgelöst haben.

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