Ferrari im Stau
Hauptseite Finanzen

Man kann über den offenherzigen CEO von Fiat Chrysler Sergio Marchionne sagen was man will, aber arbeitsscheu ist er nicht.

Neben seinem eigentlichen Job und der Arbeit für Exor, die Investmentfirma der Familie Agnelli, steht auf der Visitenkarte von Marchionne nun auch noch der Titel des CEO von Ferrari (wo er bereits im Vorstand sitzt).

Als scharfsinniger Finanzingenieur hat er ein Händchen dafür, aus begrenzten Mitteln das Maximum herauszuholen. Doch Ferrari, zu Beginn des Jahres aus Fiat Chrysler ausgegliedert, ist ein ganz anderes Pflaster.

Im Verhältnis zu seiner eher kleinen Größe erwirtschaftet Ferrari bereits eine Menge Geld und das Unternehmen hob am Montag seinen Absatz im Jahreszeitraum und die Gewinnerwartung an. Nichtsdestotrotz muss es noch einen weiteren Gang einlegen um die Benzin-getriebene Bewertung zu rechtfertigen. Nach dem Börsengang im Oktober – und trotz einer kürzlichen Schwächephase – werden Ferrari-Aktien mit dem 23-fachen der geschätzten Gewinne dieses Jahres gehandelt, mehr als doppelt so hoch wie die von BMW.

Der Grund für diesen Umstand ist wohlbekannt: Marchionne präsentierte Ferrari den Investoren als Unternehmen für Luxusgüter, die PS-Version von Prada oder Hermes.

Marchionne ist kein Modefan – er bevorzugt einfache Pullover gegenüber italienischer Maßschneiderei.

Doch viele Investoren kauften ihm die Geschichte trotzdem ab, zumindest zu Zeiten des Börsenganges. Seitdem beginnen sie an ihm zu zweifeln und schickten den Kurs seit Börsengang um 14 Prozentpunkte nach unten.

Die Sorgen sind gut nachvollziehbar. Ferraris 18 Ebit-Spanne von 18% im ersten Quartal schaut ziemlich überzeugend aus, verglichen mit den 10% Rendite der Autosparte von Daimler im letzten Jahr. Doch um diese aufgeblasenen Luxus-Vergleiche ein wenig zu relativieren – Hermes hatte eine Spanne von 32%.

Die Produktion von Autos ist weitaus kostenintensiver und weniger ertragsstark als die Herstellung von Handtaschen. Schreibt man die Investitionen einmal ab, generierte Ferrari in dem Quartal einen freien Cashflow von überschaubaren 45 Mio. Euro.

Schadstoffregulierungen, Digitalisierung und zunehmender Wettbewerb sorgen alle dafür, dass Investitionsaufwand und die Kosten für Forschung und Entwicklung weiterhin hoch bleiben dürften. Darum ist es für Ferrari entscheidend den Nachweis zu erbringen, auch Geld mit nicht-autobezogenen Luxusgütern verdienen zu können, um Marchionnes Investmentstrategie zu stützen.

Bisher waren Ferraris Anstrengungen in diesem Bereich kaum der Rede wert. Macht es Sinn 412 Euro für eine Ferrari-Armbanduhr oder 95 Euro für ein Poloshirt auszugeben? Nicht wirklich. Während der Umsatz aus quartalsmäßiger Sponsorship, kommerziellen – und Markeneinnahmen (wozu auch Formel 1 und Fanartikel zählen) um 8% zulegte, stammte ein großer Anteil dessen vom Rennsport-Team.

Marchionne stellt neue Produkte in Aussicht, welche allerdings nicht vor nächstem Jahr vorliegen werden. Es ist schwer vorstellbar, dass Ferrari über Nacht zur Mode-Sensation wird. Es wächst außerdem im Bereich markenorientierter Themenparks, aber auch diese vermitteln nicht unbedingt Exklusivität.

Marchionnes Aufgabe wird zusätzlich erschwert durch die enttäuschenden Leistungen in der Formel 1. Erfolg auf der Rennstrecke unterstreicht das Markenimage, doch das tänzelnde Pferd hat seit 2008 keine Konstrukteursmeisterschaft mehr gewonnen. Trotz der Verpflichtung eines guten Fahrers – Sebastian Vettel – steht diese Saison der erste Sieg noch aus.

Marchionne zeigt sich von dieser Performance enttäuscht. Sollte er keinen Weg finden die außergewöhnliche IPO-Bewertung von Ferrari zu unterfüttern, dürften ähnliche Enttäuschungen bald auch auf ihn selbst zukommen.

Хотите узнать больше о гражданстве за инвестиции? Оставьте свой адрес, и мы пришлем вам подробный гайд

Bitte beschreiben Sie den Fehler
Schließen
Schließen
Vielen Dank für ihre Anmeldung
Klicken Sie 'gefällt mir' auf Facebook, so dass wir interessante Artikel kostenlos weiter machen können.