Die Party ist vorbei
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Die Beliebtheit von starken Maßnahmen zur Verbesserung der Eigenkapitalrendite kann auf baldige Krise hindeuten.

Gerade wenn die Party schon zu lange dauert besteht das größte Risiko, dass sie außer Kontrolle gerät. Die interessanteren Gäste verschwinden langsam und überlassen das Feld einer fragwürdigeren Menge. Früher am Abend als unangebracht gesehenes Verhalten wird im Laufe des Abends eher verziehen, um die nachlassende Laune hochzuhalten.

Die Finanzmärkte, welche der ehemalige Vorsitzende der Federal Reserve William McChesney einst mit einer Sauforgie verglich, zeigen eine ähnliche Dynamik. Im siebten Jahr andauernder Erholung der Weltwirtschaft ist die Bowle fast leer. Die verbleibenden Zecher fangen nun an, die Schränke nach stärkerem Zeug zu durchwühlen.

Für Belege, dass die Ballons zerplatzt sind und das Licht auf der Tanzfläche langsam angeht, muss man sich nur die Eigenkapitalrendite des S&P 500-Indizes anschauen. Der Wert fiel am 21. März unter 12 Prozent – das erste Mal seit Juni 2008, dass diese Marke unterschritten wurde. Die beiden vorherigen Male waren in Mai 2001 und April 1991, und alle drei Vorkommnisse hingen eng mit US-Rezessionen zusammen.

Im FTSE 100-Index zeigt sich ein ähnliches Muster. An lediglich 11 Handelstagen während des Tiefpunktes der Weltmärkte 2009 rutschte die Eigenkapitalrendite unter die gegenwärtige Marke von 5,5 Prozent. In Asien näherten sich Hang Seng-Index, Shangai Composite und CSI 300 dieses Jahr alle ihren tiefsten Ständen seit 2009 und verbleiben nur minimal über ihren absoluten Tiefpunkten.

Unter den wichtigsten Aktienindizes fallen nur der Nikkei, welcher sich nur knapp unterhalb seines höchsten Standes seit 2008 befindet, und der europäische Stoxx 50, welcher schon seit 2011 auf niedrigem Niveau verharrt, aus diesem Raster.

Einige der eher ungewöhnlichen Maßnahmen großer Unternehmen in letzter Zeit ergeben weitaus mehr Sinn, wenn man sie vor dem Hintergrund sich verschlechternder Renditeaussichten betrachtet.

Man nehme zum Beispiel Inversionen, bei denen US-Unternehmen umgekehrte Übernahmen ausländischer Firmen unternehmen, um von niedrigen Unternehmenssteuern in Übersee zu profitieren.

Solche Deals, deren Umfang der Activist Investor Carl Icahn für die letzten Jahre auf über eine halbe Billion Dollar taxiert, haben ihren Preis. Laut mit dem Vorgang vertrauten Personen wird Pfizer (NYSE: Pfizer [PFE]), der globale Pharma-Riese, der seinen 160 Milliarden Dollar schweren Versuch abbrach, mit Allergan ins Bett zu springen nachdem das US-Finanzministerium ankündigte, die verlorenen Umsätze zurückzufordern, seinem verschmähten Partner eine Strafzahlung von 400 Millionen Dollar leisten. Zusätzlich wird Pfizer weitere geschätzte 120 – 150 Millionen Dollar für die von den eigenen Bankern und Anwälten geleistete Arbeit aufbringen müssen.

Oder man nehme Rückkäufe. Unternehmen in den entwickelten Ländern kauften in den 12 Monaten vor 31. März Aktien im Wert von 20,5 Milliarden Dollar zurück, die höchste rückwirkende 12-Monats-Rate seit dem im Mai 2008 zu Ende gegangenen Rückkaufrausch.

Eine Sache die Rückkäufe und Inversionen gemeinsam haben, ist ihre Tendenz, die Eigenkapitalrendite zu erhöhen. Inversionen steigern die Rendite-Seite der Gleichung, indem sie Geld nehmen das ansonsten an die Regierung gehen würde, und es den Anteilseignern aushändigen. Rückkäufe reduzieren die andere Seite, indem sie Geld abziehen und den Umfang der Netto-Aktien verringern, auch bekannt als Eigenkapital.

Man hat diesen Film schon einmal gesehen. Mitte der Zweitausender reagierten Unternehmen durch die Aufnahme von Schulden auf rückläufige Gewinne. Das ist eine nette Methode die Eigenkapitalrendite aufzubessern, da das gesamte von der Firma benötigte Kapital von Kreditgebern stammt, und nicht von Aktionären. Der Nettoschulden-zu-Ebitda-Wert des S&P 500 erreichte im August 2008 seinen Höchststand, weniger als einen Monat bevor die Insolvenz von Lehman Brothers die Weltwirtschaft in eine Abwärtsspirale stürzte.

Es ist verständlich, dass Aufsichtsräte solchen Maßnahmen widerstehen sollten. Finanzkonstruktionen macht man dann, wenn die eigentlichen Strategien – als tatsächliche Treiber von Innovation und Wachstum eines Unternehmens – an Zugkraft eingebüßt haben. Konfrontiert mit rückläufigen Renditen und einem Mandat wachsende Kapitalrenditen zu liefern, wenden sich Konzerne an Anwälte und Banker, um die Unvermeidlichkeit sich im Abschwung befindlicher Konjunkturzyklen abzuwehren.

Mit etwas Glück werden wir von diesem Tiefpunkt zurückkommen und mit Wohlbehagen auf den gegenwärtigen Rendite-Rückgang zurückschauen – welcher, um fair zu bleiben, in den vergangenen Wochen wieder auf 12,0391% zugelegt hat. Doch Einschätzungen von Analysten, dass die Profite im kommenden ersten Quartal der US-Berichtssaison um 9,8% fallen könnten – der stärkste Rückgang seit 2009, lassen Gegenteiliges erahnen.

Das ist besorgniserregend. Wirtschaftspolitische Akteure hoffen schon seit 2008 darauf, dass die Zinssätze vor der Ankunft des nächsten Abschwunges wieder im Normalbereich liegen würden. Dies würde es ihnen erlauben, zur Belebung der Wirtschaft wieder ihre konventionellen finanzpolitischen Werkzeuge einzusetzen. Sollte die Party wirklich vorbei sein, braucht es weit mehr als Inversionen und Aktienrückkäufe, um einen schlimmen Kater zu vermeiden.

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