Saudi-Arabiens Tesla-Fahrplan
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Reformen in der Wirtschaft und in Autoherstellung können vieles gemeinsam habe.

Bloomberg veröffentlichte unmittelbar nach der Enthüllung von Teslas (NASDAQ: Tesla Motors [TSLA]) Vorstoß auf den Massenmarkt für Elektroautos ein Interview mit dem Stellvertretenden Kronprinzen Mohammed bin Salman. Wie bei Musk – „Wir bauen keine langsamen Autos“ – lag mehr, als ein wenig Prahlerei in den Aussagen des Prinzes. Pläne Saudi Aramco an die Börse zu bringen und es in einen vermutlich mehrere Billionen Dollar schweren Public Investment Fonds einzubetten – „Dies wird zweifellos der größte Fond der Erde werden“ – bedeuten letztendlich nichts weniger als eine Transformation des Wirtschaftssystems des de-facto OPEC-Anführers. Die globale Autoindustrie auf den Kopf zu stellen scheint sogar eine leichtere Aufgabe zu sein als das. Doch beide Unternehmungen hängen zusammen und deuten letztendlich auf eine anhaltende Flaute im Erdölmarkt hin – obwohl es in näherer Zukunft unter Umständen auch eine optimistischere Phase geben könnte.

Eine gute Faustregel mit Blick auf öffentliche Reformversprechen undurchsichtiger Autokratien ist, dass diese es für gewöhnlich nur tun wenn sie unbedingt müssen. Saudi-Arabien hat mehr Geld aus Zeiten des Ölbooms auf den Konten als die meisten seiner Partner; doch seit dem Höchststand im August 2014 sind die Devisenreserven des Landes um mehr als ein Fünftel geschrumpft. Wie die folgende Grafik von RBC Capital Markets zeigt, lebt es zur Zeit weit über seine aktuellen Verhältnisse.

Saudi-Arabien, wie viele andere rohstoffabhängige Länder, spricht immer wieder mal von Reformen wenn die Märkte schwächeln. Doch die Vorschläge Prinz Mohammeds gehen erheblich weiter als alles bisher Gesagte; selbst ein partieller, einheimischer Börsengang von Aramco wäre ein unerhörter Meilenstein. Und Aktien auszugeben nachdem das Hauptprodukt deines Unternehmens gerade den Bach runtergegangen ist, wird generell in der Wall Street eher nicht empfohlen. Sollte der Plan aufgehen signalisiert Riad letzten Endes den anderen OPEC-Mitgliedern und der Welt dass, während die Erdölpreise auch weiterhin schwanken dürften, es die Herausforderung annimmt.

Der letzte Ölboom spülte Unmengen Dollars in die Kassen der Erdölproduzenten, entfesselte aber auch zwei Gewalten: Eine davon ist die Ölschiefer-Produktion. Selbst wenn diese aktuell auf dem Rückzug ist – wie der Arbeitsplatzbericht von Freitag bestätigte – hat der Ölschiefer-Boom in den USA eine potenziell riesige Quelle konkurrierenden Angebots erschlossen, die von Unternehmen anstatt von Politikern kontrolliert wird.

Saudi-Arabiens eigene Politik maximaler Förderung ist bereits an sich eine Anerkennung des Umstandes, dass im heutigen Ölmarkt der Wettbewerb die Kartelle schlägt. Dass der Prinz von einem Ausbau der Raffineriekapazitäten von Aramco sprach ist außerdem nicht unerheblich. Damit würde man eine weitere, wenn auch weniger offensichtliche Überproduktion zusätzlich verschärfen. Als ob er den neuen Deal damit bestätigen wollte, sagte der Prinz außerdem die groß angekündigte Einfrierung der Produktion werde nur kommen, sollte sein größter geopolitischer Rivale Iran entscheiden, sich dieser entgegen der eigenen Interessen anzuschließen. Seine Worte drückten die Erdölpreise im Jahresverlauf wieder zurück in den Negativbereich.

Auf der Nachfrageseite belebte der letzte Boom Anstrengungen zur Beschränkung des Erdölverbrauchs, darunter Investitionen in Elektroautos wie die von Tesla gefertigten. Während es wohl am ratsamsten wäre mit dem Kauf von Anteilen an Musks Unternehmen zu warten, dürfte dem Prinz nicht entgangen sein, dass Tesla sich innerhalb von 24 Stunden 1.000 Dollar Anzahlungen für 180.000 Model 3s sichern konnte. Das sind mehr als alle bislang von der Firma verkauften Autos zusammen. Im Lichte des zunehmend fraglicher werden Wachstums des Ölbedarfs in China und da Saudi-Arabien aus guten Gründen versucht, sich gegen seine langfristigen Risiken abzusichern, könnte ein Einstieg ins Geschäft mit Elektrofahrzeugen kein schlechter Ausgangspunkt sein.

Wie viel Feuerkraft Riads geplanter Fonds tatsächlich haben würde scheint noch sehr offen. Die Versicherung des Prinzen, es werde sich gleich nach dem Börsengang Aramcos um einen Multi-Billionen-Dollar Fond handeln, ist in zweierlei Hinsicht mit Vorsicht zu genießen: Obwohl höchst respektiert innerhalb der Erdölbranche, ist Aramco trotzdem noch ein quasi-Ministerium; wie andere nationale Erdölkonzerne wird es einen Bewertungsabschlag garantieren, vor allem wenn der Börsengang auf einige Prozentpunkte im Tadawul (Börse in Riad) beschränkt bleibt. Und zweitens, während der nicht gelistete Teil Aramcos theoretisch anwendbare Feuerkraft bieten könnte, würde deren Einsatz zum Erwerb von Beteiligungen unweigerlich zu einer Verwässerung der staatlichen Eigentümerschaft führen. Wie viel Kontrolle wäre die königliche Familie bereit aufzugeben?

Trotzdem bedeuten die Vorschläge Prinz Mohammeds eine fundamentale Veränderung im globalen Ölmarkt. Die scheinbaren Gewissheiten unweigerlich steigender Nachfrage und Preise werden von einem Regime im Herzen des Marktes infrage gestellt.

Der eine zuversichtlich stimmende Aspekt des Ganzen hat allerdings auch seine Tücken. Saudi-Arabiens plötzlicher Reformeifer entspringt dem Druck auf ökonomischer, politischer und militärischer Seite. Neben den Verschiebungen im weltweiten Angebot und Nachfrage von Erdöl sieht sich Riad konfrontiert mit einer jungen, ungeduldigen Bevölkerung in einer gefährlichen Region. Außerdem wird es Zeuge der Fragmentierung von Regierungen und Allianzen, welche mehr oder weniger für die vergangenen knapp vier Jahrzehnte gehalten haben – wobei Washingtons Abkommen mit Teheran hinsichtlich der Atomfrage das beunruhigendste Beispiel darstellt.

Gerade wenn verknöcherte Regimes plötzlich gezwungen sind ihr Heil in Reformen zu suchen, laufen sie die größte Gefahr Kräfte von unten zu entwickeln die sie nicht mehr unter Kontrolle haben. Die Erfahrungen der ehemaligen Sowjetunion mit Perestroika und Glasnost, teilweise auch in Zusammenhang mit einem Ölcrash, sind hier ein gutes Beispiel.

Jede Krise ähnlichen Ausmaßes in Saudi-Arabien würde zweifellos zu einem Erdöl Angebotsschock (und Preissprung) globalen Ausmaßes führen. Sie könnte auch der letzte Nagel im Sarg des Erdöles sein.

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