Die ganze Wahrheit über die Stop-Loss-Orders
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Im Rahmen eines Sonderprojekts zusammen mit dem Prime BrokerEXANTE teilen wir ihnen die Meinung von Sergej Golubitskij darüber mit, was die Grundlage für Börsenhandel sein sollte.

Der Diskussionseifer beim Thema (Un)Vorhersagbarkeit des Markts kann sich höchstens mit dem der Auseinandersetzungen bezüglich Stop-Loss-Orders vergleichen lassen. Wie auch in den übrigen Bereichen, in denen Massenpsychologie (balancierend an der Grenze mit kollektiver Halluzination und Psychose) Maßstäbe setzt, hat sich auf dem Wertpapiermarkt eine beinahe uneingeschränkte Einigkeit über die Notwendigkeit behauptet,offene Positionen durch Stopp-Loss-Orders zu schützen.

Diejenigen, die gegenüber Illusionen unempfänglich sind, bleiben zwangsläufig eine Minderheit, obwohl sie die Hoffnung nicht aufgeben, die Mehrheit zu überzeugen.Es kann davon ausgegangen werden, dass dieser Artikel, verfasst im Rahmen eines Informationsaustausches mit dem Investitionskurs vCollegeExante, ein weiterer Versuch dieser Art ist.

Einigen wir uns zuerst auf die Begriffsbestimmung:

Unter Stop-Loss-Order verstehen wir einen Börsenauftrag, der einen nicht realisierten Verlust auf einem bestimmtes Niveau begrenzen, die Position auflösen und diesen Verlust in einen realisierten umwandeln soll.

Am einfachsten zu verankern ist das Verständnis durch ein Beispiel. Angenommen, wir haben am 24. Dezember 2015, nicht gerade inspiriert von der Masseneuphorie, ein Termingeschäft in gewöhnlichen Aktien der Sparbank (MICEX: Sberbank [SBER]) zum Preis von 10.400 Rubel veräußert.

Mit anderen Worten, haben wir auf den Wertrückgang des Termingeschäfts gesetzt. Um sich vor ungünstigen Marktbewegungen (d.h. vor steigenden Kursen) abzusichern, haben wir eine Stop-Loss-Order auf den Kauf dieses Termingeschäfts zu einem Preis, sagen wir, von 10.450 Rubel gesetzt.

Anfangs fing der Markt an sich in „unsere“ Richtung zu bewegen – das Termingeschäft verlor im Wert und erreichte 10.300 Rubel, jedoch änderte sich später sein Bewegungsverlauf und zu Beginn der nächsten Börsenzeit wurde unsere Position automatisch gemäß der Stop-Loss-Order auf dem Niveau von 10.450 Rubel geschlossen.

Die Befürworter der Stop-Loss-Order jubeln: Der Sicherungsauftrag hat uns vor weiteren Verlusten gerettet. Fast gerettet, den im konkreten Fall hat sich der Verlauf des Markts nach sage und schreibe einigen Minuten wieder nach unten gewendet und fing an, sich mit Erfolg in die für uns günstige Richtung zu bewegen. Allerdings hatte das für uns nicht mehr die geringste Bedeutung, weil der Zug abgefahren war und unsere Short-Position zu dem Zeitpunkt geschlossen war.

„Was wäre, wenn der Markt weiter gewachsen wäre, wie wäre es dann? Wie würden Sie sich auf der Short-Position fühlen?“, – triumphieren abschließend die Befürworter von Stop-Loss-Orders.

Früher schien mir, dass diese Art Logik einfach anormal ist, denn sie läuft einer Vielzahl von Argumentendes gesunden Menschenverstands zuwider. Urteilen Sie selbst.

Es ist nur vernünftig anzunehmen, dass wir die Short-Position im Vertrauen auf etwas gewichtigeres eröffneten, als eine Münze zu werfen. Scheinbar haben wir eine Hausaufgabe gemacht, etwas ausgerechnet, alle Für und Wider abgewägt, wonach wir entschieden haben, dass die Wahrscheinlichkeit eines Marktrückgangs höher war, als die Wahrscheinlichkeit seines Wachstums.

Es fragt sich, warum wir denn die Position bei der kleinsten Marktbewegung in die „falsche“ Richtung schließen sollen? „Sie müssen sie gar nicht sofort schließen!“, legen Befürworter von Stop-Loss-Orders in ihrer Argumentation nach. Im Beispiel oben war der Sicherungsauftrag – 10.450 Rubel – falsch gesetzt, weil er viel zu nah an derHöhe des Kaufpreisesfür die Position lag. Er sollte auf etwa 10.500 Rubel oder noch höher gesetzt werden.

Eine solche Behauptung ist falsch, allein deswegen, weil eine Wahl immer subjektiv ist. Wo sie auch die Stop-Loss-Order Setzen, kann man sofort ein Dutzend Argumente anführen, die besagen, dass diese Stop-Loss-Order Entweder höher oder niedriger gesetzt sein soll.

Im besten Falle wird eine konkrete Stop-Loss-Order empirisch bestimmt, angelehnt an die statistische Leistung vergangener Zeiträume. Im Ergebnis kehren wir zurück zum Hirngespinst „Vorhersagen der Zukunft anhand von Vergangenheit“. Wenn Sie glauben, etwas Derartiges sei möglich, hat es keinen Sinn das Gespräch fortzuführen: Ihr Diskurs findet nicht in einem wissenschaftlichen Auditorium statt, sondern in irgendeinem Tempel oder in einem Gebetshaus, weil der Wertpapiermarkt für Sie kein Wissen, sondern eine Religion ist.

Das Tragischste an der Logik der Verlustbegrenzung mithilfe von Stop-Loss-Orders liegt nicht einmal in der Nichtbeachtung der Meinung des Maklers (er hat sich doch von etwas leiten lassen, als er eingangs die Short-Position eröffnete!), sondern im Ignorieren des wichtigsten Prinzips, das den Wertpapiermarkt bestimmt – seiner zyklischen Natur!

In anderen Worten, uns wird vorgeschlagen Stop-Loss-Orders zu setzen weil:

  • Unsere Entscheidung eine Short-Position zu eröffnen wahrscheinlich falsch ist;
  • Die Sicherungsorder uns vor noch größeren Verlusten schützt.

Besonders rührend fand ich immer den mystischen Glauben an die „noch größeren Verluste“. Woher wissen die Befürworter von Stop-Loss-Orders, dass der Markt, nach einer automatischen Schließung unserer Position, weiter stagnieren wird? Sogar rein statistisch ist die Wahrscheinlichkeit, dass sich der Markt nach dem „falschen“ Szenario entwickelt ist kleiner, als die, dass der Markt wieder in seinen Normalzustand kommt (d.h. er stimmt mit dem von uns anfangs gesetzten Wert), ebendeswegen, weil wir die Für und Wider abgewägt haben, als wir die Einstiegsposition eröffneten.

Warum wird der Makler unweigerlich unrecht haben, und der Markt, indem er sich gegen seine Position wendet, seine Bewegung unbedingt in die ungünstige Richtung fortsetzt?

Aus keinem Grund! Es versteht sich, dass das alles völliger Quatsch ist. Rein statistisch ist die Wahrscheinlichkeit höher, dass die „ungünstige“ Marktentwicklung kein Ergebnis einer initial fehlerhaften Handelsentscheidung (in unserem Beispiel ein nach unten begrenztes Termingeschäft zu eröffnen), sondern trivial – eines nicht ganz perfekten Timings.

In anderen Worten, der Händler hat die Position etwas früher eröffnet als nötig, ohne eine (oder mehrere) Bestätigung(en) abzuwarten, dass der Markt das Niveau des Widerstands nicht beibehält und bereit ist weiter zu stagnieren.

Allerdings, bei einem Blick auf das Sparbank-Diagramm habe ich persönlich keine Einwände in Bezug auf Timing: Das Halten auf einem Niveau oberhalb von 100 (für Stammaktien) ist künstlich und nicht objektiv begründet. Aber das ist bereits eine Frage des Trading-Geschmacks.

Was das grundlegende Prinzip, die Zyklizität des Wertpapiermarkts angeht, so ist es seiner Logik folgend kopflos, einen Stop-Loss anzuwenden, unabhängig davon wo er gesetzt wurde (ob nahe dem Preis der anfangs eröffneten Position oder weiter von ihm weg), denn der Markt wird mit dergleichen Wahrscheinlichkeit wie er gegen unsere Position gearbeitet hat, nach einiger Zeit in die für uns günstige Richtung arbeiten. Wenn wir die Grafik aus dem Beispiel oben betrachten, vergewissern wir uns eben über die Vorzüge der Logik zyklischer Bewegung.

Wie ich bereits erwähnte, die Logik der Befürworter des Stop-Loss erschien mir nur anfangs anormal. Als ich mich einfach und schnell über ihre Haltlosigkeit vergewissert hatte, beschloss ich den Versuch von der restlichen Subjektivität zu befreien und habe die Frage anders gestellt: „Nehmen wir an, es gibt Situationen, in denen sich die Verwendung eines Stop-Loss als zielführend erweist. Was sind das für Situationen?“.

In meinem Trading-Paradigma entstehen keine derartigen Umstände. Ich bevorzuge es, Positionen für Termingeschäfte lediglich mit einer Schulter zu eröffnen, die es erlaubt jedes unglückliche Timing „auszusitzen“. Was meinen Favoriten angeht – das Optionsgeschäft –, ist hierbei die Logik des Stop-Loss überhaupt fehl am Ort.

Hauptsächlich ist nicht die Wahl des Instruments und der Schulter, sondern die Argumentation, die sie zum Eröffnen von Börsenpositionen verwenden. Ich wiederum treffe niemals Entscheidungen allein aufgrund einer technischen Analyse, noch weniger aufgrund von Anzeichen, die von einem Indikatoren, von visueller Technik u.ä. ausgehen.

Es sollte jedoch daran erinnert werden, dass die überwiegende Mehrheit der Handelsaktivitäten basierend auf Signalen verschiedener Indikatorsysteme durchgeführt werden ( vom gewöhnlichen Bollinger-Band und dem MACD bis IchimokuKinkoHyo, Profitunity, DMI, MESA u.a.), oder visuelle Konstruktionen (Fibonacci, Gann-Methode, Elliott-Wellen, Schiff, u.ä.). Das Problem jedoch liegt darin, dass die statistische Leistung der Instrumente technischer Analyse gelinde gesagt mies ist.

Hier ein Beispiel: Einer der Kursteilnehmer des vCollege führte im Rahmen einer Prüfungsarbeit im Kurs über die technische Tiefenanalyse einen Vergleich der Wirksamkeit gängiger Indikatorensysteme angewendet an einem Termingeschäft auf RTS-Index über die letzten drei Monate durch und bekam folgende Ergebnisse:

Ich glaube es ist nicht nötig die Bedeutung des als Standardwerkzeug eingesetzten AroonOscillatorsTusharChandes zu entschlüsseln; der Variationen zum Thema Bollinger-Band, vorgeschagen von Gregory L. Morris, dem Vater japanischer Kerzen in Amerika; der kurzzeitigen Filtrationen Martin J. Prings oder „geheimnisvoller“ Systeme Darvas von Daryl Guppy. Das Wichtigste hier sind die Leistungszahlen selbst: Von 3 bis 17%.

Und das ist gar keine Ausnahme, sondern die absolute Norm für jeden Handel, der auf Indikatoren technischer und auf den Signalen visueller Analysen basiert.

Da die Wahrscheinlichkeit eines erfolgreichen Signals nicht 1/5 übersteigt, müssen wir nicht nur gegen den Markt selbst spielen, sondern auch gegen unser eigenes Handelssystem! Dabei müssen wir ständig gegen sie spielen. Sozusagen unter Bedingungen einer Rundumverteidigung.

Lassen Sie uns jetzt extrapolieren, was über Stop-Loss-Orders gesagt wurde. Es kommt dabei heraus, dass in einer Situation, wenn das Signal, nach dem wir eine Position eröffnet haben, sich nur in einem aus fünf Fällen als richtig erweist, ist es nur natürlich, sich vor ungünstigen Ereignissen zu versichern und Stop-Loss-Orders zu setzen! Na so ein unglücklicher Zufall!

Obwohl, ich würde auch in diesem Fall empfehlen, anstatt von Stop-Loss-Orders Positionen zu eröffnen, die den Signalen der Wunder-Handelssysteme entgegengesetzt sind. In der Hoffnung, dass sich die Leistung dieser Systeme wie im Spiegel umkehrt und wir nicht 3%, sondern 97% erhalten werden.

All dies soll meiner Ansicht nach nicht das unlogische System von Stop-Loss-Orders rechtfertigen, sondern im Bewusstsein von Neulingen (und auch erfahrenen) im Handel ein Tabu auf das treffen von Handelsentscheidungen verfestigen, die auf einem einzelnen Signal basieren.

Kein einziges Handelssystem, kein Computer-Algorithmus, kein Indikator aus der technischen Analyse, keine grafische Konstruktion und sogar das Produkt einer Spektralanalyse und einer neuronalen Netzanalyse sollten nicht als autark gelten und nicht als ein ausschließlicher Anlass zur Eröffnung von Positionen dienen. Nur ein umfassender Ansatz, nur das Gerichtsverfahrenprinzip, das die Grundlage der Philosophie aller unserer Schulprogramme, des Börsenhandels und des Investments bildet, hat objektive Gründe, um als Grundlage für den Kauf und den Verkauf von Wertpapieren an der Börse zu dienen.

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