Tabaksteuer oder Nichtraucher Kampagne?
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Ab dem 20. Mai werden auf Zigarettenschachteln in Deutschland Bilder von faulenden Zähnen und schwarzen Lungen zu sehen sein. Ebenfalls in diesem Monat müssen sich Tabakfirmen in Großbritannien auf die eintretenden Gesetze für Einheitsverpackungen einstellen, woraufhin lediglich ein kleines Markenlogo sowie abschreckende Bilder auf den Verpackungen zu sehen sein werden.

Der Europäische Gerichtshof hält eine im Jahr 2014 von der Europäischen Kommission verabschiedete Richtlinie aufrecht, die Zigaretten mit Geschmack verbietet und vorschreibt, dass sich auf 65% der Zigarettenschachteln Gesundheitswarnungen sowie Hinweise darauf, wie viel Nikotin durch E-Zigaretten aufgenommen wird, befinden sollen.

Dem Beispiel der Vereinigten Staaten folgend, versucht Europa, dass seine Bürger aufhören zu rauchen oder gar nicht erst damit anfangen.

Es ist ein moralisches Problem: So könnte argumentiert werden, dass es in der Verantwortung der Regierung liegt, die Bürger davor zu bewahren sich umzubringen oder tödliche Krankheiten zu entwickeln und etwas einzudämmen, das eine Gefahr für die Gesundheit aller darstellt. Bislang sind Regierungen nicht bereit, Tabak als gefährliche Droge zu deklarieren und komplett zu verbieten, was zum Teil auch daran liegt, dass es ein ökonomisches Problem darstellen würde.

Tabakkonsum zu regulieren anstatt ihn zu verbieten verlangt ein sensibles Gleichgewicht zwischen der Einführung negativer Anreize für das Rauchen, dem Aufwiegen der Kosten für die Gesellschaft durch Steuern sowie dem Regulierungen gegen den Tabak-Schwarzmarkt.

Neue Maßnahmen stören dieses Gleichgewicht, doch Politiker trachten eher nach einer Antwort anstatt nach einem Konzept, das die Kosten und Vorteile prognostizieren könnte, die entstehen würden, wenn Zigaretten weniger attraktiv und schwerer zugänglich gemacht werden würden.

Je nachdem, wie jemand rechnet, entstehen durch das Rauchen entweder große ökonomische Vorteile oder große Verluste. Laut eines von der britischen Consulting Firma GHK im Jahr 2012 für die Europäische Union angefertigten Berichts betragen die durchs Rauchen anfallenden jährlichen Kosten für die 27 EU Staaten (außer Zypern) 550 Milliarden Euro.

Den größten Teil davon machen die 516,7 Milliarden durch die vorzeitige Sterblichkeit durch Tabakkonsum aus, durch welche die Behandlungskosten und die durch Tabakkonsum bedingten Fehlzeiten und langfristige Erwerbsfähigkeit in den Schatten gestellt werden.

Das Problem mit diesen Berechnungen ist, dass die Kosten für Behandlungen, Erwerbsunfähigkeit und längere Abwesenheit reell und vergleichweise einfach auszumachen sind, während die Kosten für frühzeitiges Sterben lediglich auf Schätzungen beruhen.

Das GHK entlehnt sich dabei, wie viele andere Forscher auch, einem Ansatz zur Zahlungsbereitschaft der Europäischen Kommission: Eine Einschätzung, wie viel die Gesellschaft zahlen würde, um das Leben eines Menschen um ein Jahr zu sichern. Der Durchschnitt solcher Schätzungen beträgt in Europa 52.000 Euro.

Diese Methode macht in der Weise Sinn, dass Tabak im Namen der Gesellschaft reguliert wird, woraus sich letztlich der Wert des Lebens eines Rauchers für das allgemeine Wohlbefinden ergibt. Doch es gibt auch Gegenargumente. Raucher sind sich mittlerweile sehr wohl darüber bewusst, welche Risiken sie eingehen. Sie wissen, dass sie ihre Leben verkürzen.

Ihre Bereitschaft für die zusätzlichen Jahre zu bezahlen, ist weitaus geringer. Aus einer zynischen wirtschaftlichen Perspektive betrachtet könnten frühe Tode durch das Rauchen Nettonutzen anstatt von Nettokosten bedeuten, da sie die zukünftigen Belastungen von Renten- und Gesundheitssystemen verringern. Philip Morris führte diese Argumentation in einem berüchtigten Bericht auf, der vor 15 Jahren erschien.

Ein klareres Modell, in dem die direkt quantifizierbaren Kosten durch die Genussmittelsteuer aufgewogen werden, würde entstehen wenn die frühzeitigen Tode aus der Kalkulation ausschließen würde. Wenn sich Forscher und Entscheidungsträger darauf einigen würden, welche Kosten sie in das Modell einschließen, kann dies die Nettovorteile und Nettokosten transparent.

Das GHK summierte lediglich die Behandlungskosten und die Verluste durch längere Abwesenheit oder Arbeitsunfähigkeit, die sich aufs rauchen zurückführen lassen. Der Gesemtbetrag von 33,3 Milliarden Euro kann leicht von den Einnahmen der Zigarettensteuer gedeckt werden. Laut Eurostat nahmen die 27 EU Staaten (Zypern nicht eingerechnet) im Jahr 2012 117 Milliarden Euro durch Alkohol und Tabaksteuern ein, wovon die Steuern von Tabak etwa 60% (70 Millarden Euro) ausmachen.

Das Gleichgewicht könnte sich ändern, wenn mehr indirekte Kosten – wie etwa der Kampf gegen den Zigarettenschmuggel oder Sozialfürsorge (Pflegeheime und Rehabilitation) – in die Berechnungen eingehen würden.

Das GHK überprüfte 17 Studien, die die Kosten des Rauchens quantitativ bestimmten wollten und fand heraus, dass die indirekten ökonomischen Kosten die direkten medizinischen Kosten durchschnittlich um das 2,7fache übersteigen. Nach dieser Faustformel betragen die Kosten des Tabakkonsums für Europa 95 Millarden Euro, folglich mehr als die Einnahmen durch die Tabaksteuer.

Die Schätzungen variieren deutlich und für die Regulatoren würde es Sinn machen, einen einheitlichen Kostenansatz aufzustellen. Dies würde ihnen dabei helfen zu verstehen, wie die geplanten Maßnahmen – neutrale Verpackungen, Werbeverbote, Zigaretten mit Geschmack aus dem Umlauf nehmen usw – das Gleichgewicht von Kosten und Vorteilen beeinflussen würden.

Was wäre, wenn eine der vorgeschlagenen Maßnahmen die Behandlungskosten um weniger als den geplanten Rückgang der Steuereinnahmen verringern würde? In diesem Fall wäre der Nettonutzen der Gesellschaft, unter strengen ökonomischen Bedingungen, negativ.

Die Vereinigten Staaten, die ihre Anti-Tabak Kampagne früher als Europa begannen, erfuhren im Gegensatz zu Europa bereits geringere Einnahmen durch die Tabaksteuer. Dennoch ist nicht klar, ob der Rückgang durch fallende medizinische und ökonomische Kosten komplett ausgeglichen werden kann: Niemand beobachtet dies auf regulärer Basis. In jedem Fall entscheiden die Gesellschaften darüber, dass die nicht-ökonomischen Vorteile der Regulierung oder des Verbots des Rauchens sehr wohl zusätzliche Kosten wert ist.

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