Wer hat Angst vor billigem Öl?
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Die positiven Auswirkungen des Preisrückgangs sind diesmal weniger sicher, als in 1986

Neben “Bank Run”s und dem Zusammenbrechen von Märkten haben Ölschocks die seltene Macht, Hunde von der Kette zu lassen. Seit dem arabischen Ölembargo von 1973 hat man gelernt, dass plötzliche Ölpeissteigerungen ein wirtschaftliches Desaster anrichten können. Umgekehrt kann ein Preisrückgang aufgrund von Ölüberschuss, wie 1986, der wirtschaftlichen Welt viel Gutes tun. In den vergangen 18 Monaten ist der Preis um 75% von 110 Dollar pro Barrel auf unter 27 Dollar gefallen. Diesmal sind die positiven Auswirkungen jedoch weniger sicher. Obwohl die Konsumenten profitiert haben, leiden die Produzenten erheblich.

Die Auswirkungen greifen auf die Finanzmärkte über und könnten nun das Selbstbewusstsein der Konsumenten verringern. Vielleicht überwiegen diese Vorteile extrem billigen Öls immer noch dessen Nachteile, aber da die Märkte so schnell und so stark gefallen sind, ist sogar das nicht länger eindeutig.

Die neuen Wirtschaftszweige des Öls

Die Welt ertrinkt in Öl. Saudi-Arabien fördert beinahe mit voller Kapazität. Es wird allgemein angenommen, dass die Saudis so Produzenten mit höheren Förderkosten aus der Industrie verdrängen wollen, einschließlich einiger der Fracking-Unternehmen, die die Ölfördermenge im Jahr 2008 in den USA von 5 Millionen Barrel pro Tag auf jetzt über 9 Millionen Barrel pro Tag pushten.

Saudi-Arabien wird außerdem bereit sein, starke Beeinträchtigungen hinzunehmen, um den Iran als seinen krassen Rivalen auszubremsen, welcher in dieser Woche nahe daran war, sich dem Ölmarkt nach dem Aufheben der Nuklearsanktionen mit einem potentiellen Output von 3 – 4 Millionen Barrel pro Tag wieder anzuschließen.

Entgegen dem saudischen Bestreben haben sich die Produzenten als resilient erwiesen. Viele Fracker haben ihre Effizienz ausgebaut. Sie sind von der Idee abgeschreckt, ihre Quellen nur für benachbarte Bohrpioniere stillzulegen, die dann den Profit einstreichen, sobald sich die Preise wieder erholen. Sie werden nicht aufgeben, solange die Preise die täglichen Betriebskosten abdecken – in einigen Fällen lediglich 15 Dollar pro Barrel. Zeitgleich standen die Ölaktien in den zumeist aus wohlhabenden Staaten bestehenden OECD im Oktober nach 267-tägigen Nettoimporten nahezu 50% höher als fünf Jahre zuvor.

Sie werden weiterhin zulegen, insbesondere wenn die Nachfrage sich stärker als erwartet in China und dem restlichen Asien abschwächt. Die Vorhersage der Ölpreisentwicklung ist ein undankbares Geschäft (als die Zeitung, die über 5-Dollar-Öl spekulierte, sprechen wir aus Erfahrung), aber nur Wenige erwarten einen beginnenden Preisanstieg vor 2017. Der jetzige Preis könnte den Tiefststand des Barrels markieren. Manche gehen sogar soweit, einen Tiefststand von 10 Dollar vorherzusagen.

Vielleicht nehmen Sie an: je niedriger, umso besser. Betrachte nur, wie stark billiges Öl die Importeure von Europa bis Asien voranbrachte. Die Kosten der Ölimporte der Eurozone sanken um 2 Dollar des BIP seit Mitte 2014. Indien entwickelte sich zur weltweit am schnellsten wachsenden Volkswirtschaft.

Und dennoch ist der letzte Preiseinbruch gleichzeitig ein Anlass zur Verunsicherung. Kollabierende Umsätze könnten politische Instabilität in fragileren Teilen der Welt, wie in Venezuela und der Golfregion, hervorrufen und Rivalitäten im Mittleren Osten weiter anheizen. Billiges Öl hat einen umweltfreundlichen Anstrich, da es den globalen Preis von Erdgas drückt, welches wiederum Kohle als schmutzigeren Energieträger verdrängt. Aber auf lange Sicht verringert billiges Öl den Anreiz, im Klimaschutz tätig zu werden. Am besorgniserregendsten sind die zerstörerischen neuen Ölwirschaftszweige.

In der Vergangenheit hat billiges Öl die Weltwirtschaft deshalb aufrechterhalten, da Konsumenten bedeutend mehr ihres überschüssigen Kapitals ausgaben als Produzenten. Heutzutage sind die Erwartungen weniger zielgerichtet als früher. Möglicherweise haben amerikanische Konsumenten mehr gespart als erwartet. Ölproduzenten schnallen ihren Gürtel enger, da sie zu Zeiten hoher Preise besonders viel ausgaben. Nach dem letzten Fall der Rohölpreise, kündigte Russland eine Kürzung seiner öffentlichen Ausgaben um 10% an. Sogar Saudi-Arabien senkt sein Budget, um mit seinen Defiziten von 15% des BIP zurechtzukommen.

Billiges Öl schadet der Nachfrage aber auch auf wichtigere Weise. Als der Rohölpreis über 100 Dollar pro Barrel lag, war es sinnvoll, Explorationen in abgelegenen Provinzen durchzuführen – etwa in der Arktis, im westlichen Afrika und tief unter dem Salzgestein vor der brasilianischen Küste. Mit den Preisen kriselten auch die Investitionen. Projekte mit einem Gesamtvolumen von 380 Mrd. Dollar wurden auf Eis gelegt. Die Ausgaben für Festanlagen der Ölindustrie haben sich in Amerika halbiert. Die Seuche hat sich ausgebreitet: Der Einkaufsmanagerindex von 48.2 für Dezember registrierte einen beschleunigten Rückgang über die gesamte amerikanische Produktion hinweg. In Brasilien wurde der Schaden durch den Ölpreis für Petrobras, die nationale Ölgesellschaft, noch durch einen Korruptionsskandal verschlimmert, der die höchsten Regierungskreise erschütterte.

Der Rückgang der Investitionen und Anlagewerte ist aufgrund seiner Schnelligkeit sogar noch gefährlicher. Da der Einbruch des Öls vor dem Hintergrund einer fragilen Weltwirtschaft geschieht, könnte er Kreditausfälle provozieren.

Die möglichen finanziellen Auswirkungen sind schwer zu beurteilen. Ein Großteil des Anstiegs der körperschaftlichen Schulden wachsender Märkte um 650 Mrd. seit 2007 lag in der Öl- und Rohstoffwirtschaft. Öl spielt in vielen stressanfälligen Wachstumsmärkten eine zentrale Rolle. Mit dem fallenden BIP in Russland könnte sich die Regierung sehr wohl innerhalb von Monaten einer Budgetkrise gegenüber sehen. Venezuela, dessen Inflationsrate über 140% liegt, hat den wirtschaftlichen Notstand ausgerufen.

Andere Ölproduzenten stehen ebenfalls nahe an einem entsprechenden – wenn auch weniger drastischen – Kreislauf aus schwächerem Wachstum, sinkender Währung, importierter Inflation und rigiderer Finanzpolitik. Die Zentralbanken in Kolumbien und Mexiko erhöhten die Zinsen im Dezember. Nigeria rationiert Dollars in einem verzweifelten (und wahrscheinlich zwecklosen) Versuch, seine eigene Währung zu stärken.

Auch in wohlhabenden Ländern gibt es Belastungen. Die Erträge hochverzinster körperschaftlicher Anlagen sprangen von 6,5% Mitte 2015 auf heute 9.7%. Das Zurückschrecken der Investoren verbreitete sich von Energieunternehmen schnell auf alle Kreditnehmer. Wenn diese Gespenster auf den Aktienmärkten umgehen, sinken globale Indizes auf 30-Monats-Tiefs. Vertreter der Zentralbanken reicher Staaten befürchten, dass eine anhaltend niedrige Inflation Erwartungen nähren wird, die auf stagnierende oder sinkende Preise setzen – was schließlich zu steigenden Realzinsen führen wird.

Der Reaktionsspielraum der politischen Akteure ist stark begrenzt, da die Zinsraten nahe Null kaum noch weiter gesenkt werden können.

Das Beste daraus machen

Der Fall des Ölpreises bringt eine Menge Gewinner in Indien und China hervor. Er zwingt ölabhängige Volkswirtschaften wie Saudi-Arabien und Venezuela dazu, sich stärker Reformen zuzuwenden.

Er bietet Ölimporteuren, wie Süd-Korea, eine Chance verschwenderische Energiesubventionen zu eliminieren – oder aber die Inflation zu fördern und Defizite durch steigende Steuern abzuschwächen.

Aber dieser Ölschock kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Weltwirtschaft nach wie vor mit den Nachbeben des Finanzcrashs kämpft. Man könnte denken, dass es für einen Boost keine bessere Zeit gäbe. Tatsächlich könnte die Welt jedoch durch ein losgelassenes Ölmonster lahmgelegt werden.

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