Zentralbanken unter Druck
Hauptseite Wirtschaft

Fallende Ölpreise, unsichere Börsen und ein langsames Wachstum in China führen zum Aufruf, Zinsen gering zu halten und Richtlinien für leichtes Geld zu unterstützen

Zentralbanken in den U.S.A., Europa und Japan stehen erneut unter Druck, Zinsen gering zu halten oder ihre lockere Geldpolitik auszubauen als Antwort auf sich drehende Aktienmärkte, fallenden Ölpreise und ein langsames Wachstum in China.

Ein vielsagendes Beispiel gab Mario Draghi, der Präsident der Europäischen Zentralbank, der am Donnerstag ein starkes Signal sendete, wonach er darauf vorbereitet sei, im März einen zusätzlichen Finanzstimulus einzuführen, als Antwort auf eine konstant niedrige Inflation, verbunden mit einem langsamen Wachstum und fallenden Rohstoffpreisen.

„Wir geben nicht auf“ sagte Draghi auf einer Nachrichtenkonferenz in Frankfurt. „Wir ergeben uns nicht im Angesicht dieser globalen Faktoren.“

In Japan werden Rufe immer lauter, nach denen der Leiter der Bank of Japan Haruhiko Kurado bereits nächste Woche neue Anreize einsetzen soll, da die japanische Wirtschaft am stottern ist und die Inflation bei fast null liegt.

„Die Glaubwürdigkeit der Maßnahmen der BOJ wird vermutlich einen Schlag abbekommen“ falls die Zentralbank nicht reagiert, sagt Yuichi Kodama, Chefökonom der Meiji Yasuda Lebensversicherung. Untätigkeit könnte dazu führen, dass Investoren nicht mehr daran glauben, dass die Zentralbank noch helfende Maßnahmen parat hat.

In den U.S.A. und Großbritannien versuchen die Leiter der Zentralbank die aufgrund der unbeständigen Börse entstandene Überreaktion zu vermeiden, denn es sieht so aus, als ob ein moderates Wirtschaftswachstum auf dem Weg ist. Die Rückgang der Ölpreise wird außerdem als Zeichen für einen Boom an globalen Gütern gesehen, der Verbrauchern hilft anstatt die heimische Nachfrage zu schwächen.

Dennoch könnte das Tempo der Kurserhöhungen innerhalb beider Wirtschaften, was eh schon als langsam vorausgesagt ist, sich in Angesicht des Drucks durch eine sinkende Inflation noch weiter verlangsamen.

Bei der US-Notenbank hat man dieses Jahr vier Kurserhöhungen vorgemerkt, aber Investoren haben schon lange bezweifelt, dass dem nachgegangen wird und eher vermutet, dass die Marktturbulenzen die Bank zum innehalten bringen könnten. Sie muss niedrige Inflationsraten und beunruhigende Anzeichen von taumelnden Aktienmärkten gegen einen Arbeitsmarkt, der sich rasant verbessert und tendenziell eine wirtschaftliche Flaute abfangen könnte, abwiegen.

Anfang der Woche sagte Mark Carney, der Präsident der Bank of England, er hätte es nicht eilig damit, Kurse zu erhöhen, nachdem er letzten Sommer davor warnte, dass die Zentralbank eventuell in der Position kommen würde, sie bis zur Jahreswende wieder hochzubringen.

„Die Antwort auf die Frage nach dem Timing kann niemand beantworten“, sagte Carney in einem Interview mit The Wall Street Journal auf die Frage hin, wann die Britische Zentralbank eventuell eine Entscheidung wegen der Kurse treffen wird.

Wie die Fed, muss Carney vor einem gemischten wirtschaftlichen Hintergrund abwiegen. Das Wachstum, sagte er, sei solide und die Zuversicht der Verbraucher hoch. Wie dem auch sei, die Entscheidung bezüglich einer Bewegung wird von der entstehenden Wachstumsaussicht abhängen und davon, ob Lohnkosten und Kerninflation – was Nahrungs- und Energiemaßnahmen ausnimmt – anzeigen, dass sie sich erholen. Seit August haben die Lohnkosten und die Kerninflation die Erwartung der Bank of England untertroffen.

„Wir werden sehen, wie die Dinge sich entwickeln“, sagte Carney.

Bei der Notenbank bereitet man sich auf ein Maßnahmentreffen nächste Woche vor, bei dem erwartet wird, dass die Kurzzeitkurse, nach der Erhöhung im Dezember, genauso belassen werden. Die Händler in Zukunftsmärkten sagen dem eine 70%ige Wahrscheinlichkeit voraus und eine 50%ige, dass die Kurse zum Halbjahr wieder angehoben werden.

Zentralbanken in der ganzen entwickelten Welt versuchen, Inflationsraten von 2% zu erreichen trotz des anhaltenden Abwärtsdrucks auf die Preise. Inflation die unter diesen Zielen stecken bleibt, könnte eine unterschwellige wirtschaftliche Starre signalisieren, welche Banker durch steigende Kreditkosten oder einen zu geringen Stimulus nicht verschärfen wollen.

Draghi sagte sich am 10. März, dass die Zentralbank das Paket „überprüfen und möglicherweise überdenken“ würde, wenn die neuesten Wachstums- und Inflationsprognosen der Ökonomen der EZB bereitstehen werden.

Der 25-köpfige EZB-Rat unterstrich einstimmig seine „Macht, Bereitschaft und Entschlossenheit zu handeln“ gegen eine konstant niedrige Inflation, sagte Draghi und dass es „dort keine Limits unserer Handlungsfähigkeit innerhalb unseres Mandats gebe.“

„Für uns hört sich das quasi wie die Vorankündigung einer anstehenden Maßnahme an“, sagte Marco Valli, ein Ökonom an der UniCredit in Milano.

Die EZB steht wie andere Zentralbanken vor ernsten Fragen bezüglich der Effektivität ihrer Maßnahmeninstrumente. Die Inflation in Europa blieb bei unter 2% trotz wiederholter Bemühungen, sie in Richtung des offiziellen Ziels anzuheben. Es besteht auch das Risiko, dass die Märkte wieder enttäuscht werden.

„Ich denke, die Glaubwürdigkeit der EZB würde beschädigt werden, falls wir nicht bereit wären, die Finanzmaßnahmen zu überprüfen und eventuell zu überdenken, wenn wir die gesamten Informationen hätten“, sagte Draghi.

Analytiker sagten, dass die neuen Maßnahmen vermutlich denen im Dezember ähneln werden. Sie beinhalten eine Ausweitung der Möglichkeit des momentanen Anleihenkaufs über März 2017 hinaus oder einen weiteren Einschnitt des Einlagenzinssatzes, der Banken berechnet wird, um Gelder über Nacht in die Zentralbank einzuzahlen.

Die EZB könnte auch entscheiden, den Kurs ihrer monatlichen Anleihenkäufe zu erhöhen von 60 Milliarden Euro auf momentan 70 Milliarden Euro oder mehr, sagen manche Analytiker. So ein Zug wurde bereits vor dem letzten Zug im Dezember erwartet, der aber letztendlich niemals verwirklicht wurde, was die Märkte enttäuschte.

Die eigenen Regeln der EZB beschränkte das Volumen der Anleihen, die die Zentralbank kaufen kann, was Zweifel anregte darüber, ob dieses ehrgeizige Program überhaupt ausgeweitet werden kann.

Seit März letzten Jahres kauft die EZB monatlich etwa 60 Milliarden Euro hauptsächlich von Regierungsanleihen, wobei es neu erstelltes Geld benutzt in der Hoffnung, das Geldangebot zu steigern sowie das Leihen und Ausgeben zu stärken. Das Programm, was bekannt ist als quantitative Entspannung oder QE, soll mindestens bis März 2017 durchlaufen.

Auf dem Treffen am Donnerstag wurde beschlossen, dass die Hauptrefinanzierungsrate – die Rate, die die EZB den Banken auf reguläre Kredite berechnet – auf ein Rekordtief von 0,05% zu belassen, wo es seit über einem Jahr ist. Die Rate auf Übernachteinzahlungen bleibt bei minus 0,3%, womit sie einem Einschnitt von 0,1 Prozentpunkten im Dezember folgt, was bedeutet, dass die EZB erfolgreich Geld einnimmt von Finanzinstitutionen, wenn sie überschüssiges Vermögen in der Zentralbank aufbewahren möchten.

Auf einer Nachrichtenkonferenz verteidigte Draghi die Handlungen der Bank mit der Aussage, dass die Raten von Leihen und Kreditaufnahmen in der Eurozone sich verbessert hätten in Folge der Maßnahmen der EZB.

Aber er sagte, dass sich die „Umstände geändert hätten“ seit Dezember, womit er auf die Voltalität der Schwellenmärkten und einem 40%igen Fall des Ölpreises seit dem Abverkauf der letzten wirtschaftlichen Berechnungen der Bank hinweist. Risiken durch die Schwellenmärkte sind besorgniserregend für die Macher der Maßnahmen, weil sie eine Schlüsselquelle sind für das europäische Exportwachstum.

„Falls das Öl andere Preise einleitet, könnte das genau das hervorbringen, was wir verhindern wollen, nämlich eine Abwärtsspirale“ von Gehältern und anderen Preisen, sagte Draghi.

Хотите узнать больше о гражданстве за инвестиции? Оставьте свой адрес, и мы пришлем вам подробный гайд

Bitte beschreiben Sie den Fehler
Schließen
Schließen
Vielen Dank für ihre Anmeldung
Klicken Sie 'gefällt mir' auf Facebook, so dass wir interessante Artikel kostenlos weiter machen können.