OPEC ist in Gefahr
REUTERS/Carlos Garcia Rawlins
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Wachstum der Produktion und weiterer Verfall der Preise, doch die OPEC ist sehr komplex

Wo ist der Boden? Ist das der neue Standard? Antworten auf diese Fragen haben sich als trügerisch herausgestellt und Prognosen als unzuverlässig, während der Ölmarkt weiterhin auf und ab schlingert, wobei es hauptsächlich runtergeht; der Ölmarkt befindet sich in einem 11-jährigen Tief.

Schauen wir uns die zahlreichen Bären und Bullen an – dabei schaut man panisch und fixiert auf jeden unzusammenhängenden Schritt von der OPEC. Das Öl produzierende Kartell ringt seinerseits mit einer Existenzkrise.

Ein Mann mit einer Nationalflagge von Saudi-Arabien in Tabuk am 22. September 2013. Während der Fahrt führt er zu Ehren des Nationalfeiertags einen Trick namens „sidewall skiing“ (Seitenwand-Skifahren, Reisen auf zwei Rädern) aus.

Sicher, die OPEC ist noch am Leben und hat ihre Beweglichkeit auf dem Markt noch nicht eingebüßt. Doch Unstimmigkeiten darüber, wie sie ihre Mittel anwendet – und ein schleichender Verdacht, dass OPEC und nicht-OPEC Schmerzgrenzen nicht gleichermaßen exklusiv sind – haben die Gruppe gespalten.

Derzeit produziert die OPEC etwa 31.70 Mio. Barrel pro Tag – das ist 1% mehr als im November und über 5% mehr als vor einem Jahr. Rekordvolumen aus Saudi Arabien und dem Irak haben der Produktion bis heute Auftrieb gegeben und die iranische Ölindustrie heizt sich auf, während das Land und die globalen Investoren sich auf ein Leben nach den Sanktionen vorbereiten.

Laut den Bedarfsvorhersagen der OPEC für 2016 könnte der Überschuss des Kartells 860.000 Barrel pro Tag erreichen, wenn die derzeitigen Produktionsraten stabil bleiben.

Global gesehen sind überall Anzeichen für den Überfluss zu sehen und diese wachsen. In den USA sind die Erdölvorräte auf dem höchsten Stand seit 80 Jahren; die Lager in Westeuropa sind zu 97% ausgelastet; und die Erdölvorräte der OECD sind mehr als eine Viertelmillionen Barrel über dem 5-Jahres-Durchschnitt. Die Öllager auf dem Festland sind eventuell im ersten Quartal 2016 voll.

Demzufolge sind die Erträge der OPEC auf Jahressicht um etwa 500 Milliarden US-Dollar gefallen und es ist kein Ende abzusehen. Die Probleme von Saudi Arabien sind deutlich dokumentiert - das Königreich wird voraussichtlich ein Defizit von 20% des BIP erwirtschaften, und der Ausblick für 2016 ist ähnlich.

Der Internationale Währungsfond schätzt, dass Saudi Arabien innerhalb von 5 Jahren kein Geld mehr haben wird, was jeden Ölpreisumschwung oder drastische Ausgabenveränderungen ausschließt. Daraus ergibt sich, dass sie Geld haben – genauso wie Kuwait, Katar und die Arabischen Emirate, welche relativ große finanzielle Reserven besitzen.

Andernorts befindet sich Venezuela zwischen China und der Cholera. Die Inflation befindet sich im dreistelligen Bereich und die Wirtschaft des Landes ist dazu verdammt, dieses Jahr die weltweit schlechteste zu sein und um 10% zu schrumpfen.

Leere Flaschen Flüssiggas (LPG) in der Mitte der Gasverteilung in der Ortschaft Dujana in Noida, am Stadtrand von Neu-Delhi.

Kürzliche Wahlen haben den Weg für bedeutende politische Reformen geebnet, aber das Land hat wenig in Hand gegen eine verlängerte Periode tiefer Ölpreise. Die chinesische Finanzierung ist zu einer unsicheren Stütze gegen stagnierende Produktion geworden und es ist zu erwarten, dass das so weitergeht, da Venezuela fieberhaft versucht, die Produktion des schweren Orinocoöls zu erhöhen.

Wo wir gerade von chinesischen Finanzierern sprechen – OPECs kleiner Fisch Ecuador schuldet dem asiatischen Riesen mehr als 5 Milliarden US-Dollar. Ecuador fährt dabei besser als Venezuela – letztens hat es zum ersten Mal in der Geschichte eine volle Zahlung eingelöst – aber die langwierige Beziehung zu China ist ein Fallbeispiel für eine toxische Freundschaft.

Niedrige Ölpreise, ein starker Dollar und stagnierende Diversifikationsbemühungen beschränken die Absicherungsmöglichkeiten des Präsidenten Rafael Correas gegen chinesisches Geld und einer übellaunigen Bevölkerung zu Hause.

Zurück über den Atlantik haben die afrikanischen Topproduzenten Algerien, Angola und Nigeria einen durchschnittlichen kostendeckenden Preis von fast 110 US-Dollar pro Barrel; und alle drei fordern inmitten von fallenden Regierungserträgen die Wiedereinführung von Produktionsquoten.

Geplante Ausgabenkürzungen, annehmbare ausländische Reserven und wenig ausländische Schulden beruhigen Algeriens Kampf verglichen mit seinen OPEC-Brüdern. Aber seine massiven Sozialhilfeprogramme bereiten Langzeit-Kopfschmerzen. Angola seinerseits dehnt seine Langzeitverkaufsabkommen mit China aus, indem es sein Öl als zusätzliche Sicherheit im Tausch gegen infrastrukturelle Verbesserungen nutzt.

Nigeria ist vermutlich in der größten Notlage innerhalb der Gruppe – neben Libyen. Präsident Muhammadu Buhari würde gern mehr Erträge aus den wichtigen nationalen Offshore-Ölfeldern fördern, aber sein unpassendes Timing bezüglich der Überarbeitung der Steuergebühren hat Spannungen unter den bereits ängstlichen Investoren ausgelöst.

Die laufenden Reformen der Ölindustrie haben Nigeria bereits mehr als 50 Milliarden US-Dollar an Investitionen gekostet und drohen innerhalb der nächsten 10 Jahre noch mehr als 150 Milliarden US-Dollar abzuschrecken. Insgesamt könnte Nigerias Ölproduktion als Resultat von Geldknappheit und Investitionslücken bis 2017 um bis zu 15% fallen. Auf lange Zeit gesehen liegt der Fokus nicht auf der Ölwirtschaft, sondern v.a. auf dem soliden Mineralsektor, welcher großes Wachstumspotential hat.

Die saudische Strategie muss sich zwar noch selbst bestätigen, aber erste Anzeichen lassen erahnen, dass es Renditen erwirtschaftet. Für das Angebot der nicht-OPEC wird erwartet, dass es in 2016 mit fast 0.5 Millionen Barrel pro Tag den steilsten Rückgang seit zwei Jahrzehnten erleben wird.

Darüber hinaus sind die US amerikanischen Schieferölproduzenten mit am stärksten betroffen. Es wird erwartet, dass die Ölproduktion innerhalb der sieben ertragreichsten Schieferanlagen im Januar 2016 um zusammengerechnet 116.000 Barrel pro Tag fallen wird.

Dennoch kommt auch diese Strategie nicht ohne Opfer und mehrere OPEC-Mitglieder mühen sich damit ab – und noch wichtiger, ertragen – die magische Balance zwischen Schmerzen abseits der OPEC, die Aufrechterhaltung bzw. das Wachstum von Marktanteilen und selbst initiiertem Schaden zu finden. Die Wendepunkte sind fast unmöglich vorher zu sehen, aber es wird in diesem gewagten politischen Spiel mehr Verlierer als Gewinner geben.

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