Der große Ölrutsch
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Anhaltend hohe Produktion und hohe Lagerbestände halten die Ölpreise auf Rekordtief. Wir haben Analysten befragt, wie es im nächsten Jahr weiter gehen wird.

Die Ölhändler finden in diesem Monat nur wenig Gründe für Optimismus. Das Angebot schwillt weiter an und die OPEC hält an ihrer Politik, wonach sie die Fördermengen nicht senkt, fest. Die Preise haben diese Woche fast die Tiefstände von den Zeiten der Finanzkrise durchbrochen und beide führenden Benchmarks – Brent und West Texas Intermidiate – sind stabil unter der Marke von 40 US-Dollar je Barrel.

Während wir uns dem Jahr 2016 nähern, fragen sich die Marktteilnehmer, wie weit die Preise noch fallen können oder ob der Markt für eine Trendumkehr bereit ist, nachdem er eines der schwierigsten Jahre verbucht hat. Hier ist, worauf man im nächsten Jahr achten sollte:

Die OPEC pumpt weiter

Beim letzten Treffen der Minister der OPEC-Staaten haben diese keine Maßnahmen beschlossen, um den Ölpreis zu stützen. Anstatt die Produktion zu kürzen, verabschiedete die OPEC sogar ihre Produktionsobergrenze von 30Mio. Barrel pro Tag. Damit wurde jeder Anschein eines Produktionszwangs genommen.

Irak und Saudi Arabien, die 2015 Rekordproduktionen verzeichneten, sollten nächstes Jahr genau beobachtet werden, besonders da die zusätzlichen Barrel aus dem Iran ihren erwarteten Weg auf den Markt finden werden, nachdem die internationalen Sanktionen aufgehoben werden.

Da das Königreich nicht bereit ist zu kapitulieren, keine einseitigen Kürzungen ankündigt und der Iran sich weigert, seine Produktion zu beschränken, ist die Bühne für eine sich intensivierende Rivalität innerhalb der OPEC bereitet. Dies sollte den Druck auf den Ölpreis im kommenden Jahr aufrecht erhalten.

Edward Morse, Leiter der globalen Rohstoffforschung bei der Citigroup, sagt dazu:

„Es bleibt weiterhin unwahrscheinlich, dass die Hauptproduzenten der OPEC nachgeben werden.“

Der US Schieferboom ist auf dem Rückzug

Das Produktionswachstum außerhalb der OPEC hat sich im Zuge der niedrigen Ölpreise dramatisch verlangsamt. Innerhalb des Jahres verlangsamte es sich laut der internationalen Energiebehörde von 2,2Mio. Auf 300.000 Barrel pro Tag im November.

Weil finanzschwache Unternehmen in den USA und in anderen Gegenden ihre Produktion und Investitionen zurück fahren, wird nächstes Jahr das erste seit 2008, in welchem die Produktion außerhalb der OPEC zurückgehen wird.

Die internationale Energiebehörde erwartet, dass die Produktion aus Schiefergestein in den USA um etwa 600.000 Barrel pro Tag fallen wird. Der Treiber des Wachstums außerhalb der OPEC fängt an sich einzuschränken. Die Analysten von JBC Energy sagen:

„Ein bedeutender Umfang der Produktion aus Schiefergestein in den USA ist über 2015 hinaus nicht gesichert. Dies könnte eher früher als später von Bedeutung werden.“

Positionierung der Hedgefonds

Hedgefonds haben Rekordpositionen angesammelt, die auf einen weiteren Fall der beiden Benchmarks setzen.

Vermögensverwalter haben in Form von Futures und Optionen Positionen im Umfang von mehr als 3 Tagen Ölnachfrage verkauft. Dies könnte, wenn die Fonds im Jahr 2016 versuchen, die Profite aus diesen Positionen mitzunehmen, zu einem bullischen Faktor für Öl werden, da die Hedgefonds dann die Kontrakte zurückkaufen müssen.

Es könnte sogar eine anfängliche Bewegung nach oben verstärken, besonders wenn ein überraschender bullischer Faktor wie eine deutliche Produktionskürzung in den OPEC-Staaten ein Gerangel um den Ausstieg entfacht.

Fonds könnten auch auf die Käuferseite wechseln, wenn sie glauben, dass Preise unter 40 US-Dollar pro Barrel auf lange Sicht nicht nachhaltig sein werden.

Nach dem letzten großen Einbruch des Ölpreises während der Finanzkrise entpuppten sich die Fonds in dem Moment, als sie glaubten, dass das Schlimmste vorbei ist, als große Käufer von Ölkontrakten. Der Durchschnittspreis von Brent Crude wird 2015 etwa 44% unter dem des Durchschnitts von 2014 liegen.

Doch bislang sieht es nicht so aus, dass die Fonds damit aufhören wollen, die Ölpreise weiter zu drücken. Ole Hansen von der Saxo Bank sagt dazu:

„Die Short-Seller sehen (noch) keinen Grund dafür den Fuß vom Pedal zu nehmen.“

Bilanzen aufbessern

Den Einfluss der von Saudi Arabien geführten OPEC-Strategie die Hähne offen zu lassen fühlten die größten Ölunternehmen am intensivsten. Royal Dutch Shell (RDS.B), BP (NYSE: BP [BP]), ConocoPhillips (NYSE: ConocoPhillips [COP]), Statoil (NYSE: STO), Total (NYSE: TOT) und andere haben ihre Ausgaben für neue und existierende Projekte gekürzt um Verluste einzudämmen und Geld zu sparen.

Paul Horsnell, Analyst bei Standard Chartered, schätzt, dass die niedrigen Ölpreise in diesem Jahr zu Ausgabenkürzungen von 300Mrd. US-Dollar geführt haben. Er erwartet, dass sich diese Kürzungen in 2016 auf weit über 500Mrd. US-Dollar kumulieren werden.

Die große Frage ist, wann diese neue Ära der Sparmaßnahmen anfangen wird, die Ölproduktion der nicht-OPEC-Staaten zu beeinflussen und dazu beitragen wird, dass der Markt eine Neugewichtung erfährt.

Analysten sagen, dass der volle Effekt der Verzögerungen und Stornierungen von den großen Ölkonzernen nicht vor 2017 und darüber hinaus zu spüren sein wird – wenn der Einfluss ausgeprägt sein sollte. Horsnell sagt dazu:

„Wir erwarten eine konventionelle nicht-OPEC Produktion um einer Dekade des Rückgangs zu begegnen.”

Anschwellende Lagerbestände

Die Ölvorräte in den entwickelten Ländern sind bereits auf einem Rekordniveau von fast 3Mrd. Barrel – oder einem Monat globaler Nachfrage – und außerhalb der USA wird der Speicherplatz enger. Das Angebot wird die Nachfrage voraussichtlich in den nächsten sechs Monaten weiter übertreffen. Wo wird dieser Überschuss gelagert?

Die internationale Energiebehörde schätzt, dass die Lagerbestände im nächsten Jahr um weitere 300Mio. Barrel steigen werden. Dennoch sind Ängste, dass die Tanklager überlaufen, übertrieben.

Die internationale Energiebehörde erwartet, dass im nächsten Jahr neue Lagerkapazitäten an Land im Umfang von 230Mio. Barrel entstehen werden. Darunter sind auch riesige strategische Lager in China und Indien.

Händler können davon profitieren ,indem sie jetzt billig Öl lagern und sich auf den Future-Märkten höhere Preise für spätere Lieferungen sichern. Doch das Öl wird wahrscheinlich aufs Meer herausgezogen und auf Schiffen gelagert, wenn die Preise weiter fallen sollten, was für die nächsten Monate erwartet wird.

Die Analysten von Energy Aspects sagen:

„Der einzige Weg zu verhindern, dass das Öl die Lager [im ersten Quartal 2016] überschwemmen wird, ist, wenn das Angebot stark fällt.“

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