Ein Guide durch die Septembersitzung der Fed
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Am 21. September gibt die Fed bekannt, ob sie die Zinsen erhöhen wird oder nicht. Die meisten Analysten glauben, dass die Anhebung der Zinsen bis mindestens Dezember verzögert wird. Selbst wenn die Zinsen gleich bleiben, werden die Aussagen über den Zustand der Wirtschaft, neue Quartalsprognosen und Yellens Pressekonferenz mehr Klarheit über Feds Zukunftspläne bringen.

Enttäuschende Wirtschaftsnachrichten haben Investoren dazu gebracht, ihre Erwartungen hinsichtlich einer Leitzinserhöhung zum Abschluss der zweitägigen Sitzung der US-Notenbank am Mittwoch herunterzuschrauben. Da allerdings einige Vertreter nach wie vor von einer notwendigen härteren Politik reden, ist eine Erhöhung noch nicht komplett ausgeschlossen.

Das Federal Open Market Committee (FOMC) wird um 14 Uhr in Washington eine Erklärung herausgeben. Die Vorsitzende Janet Yellen wird um 14.30 Uhr mit einer Pressekonferenz folgen. Selbst wenn die Erhöhung tatsächlich ausbleibt, könnten die Einschätzung der Lage der Wirtschaft in der Erklärung, eine neue Reihe quartalsmäßiger Vorhersagen und die angesprochene Pressekonferenz einige Hinweise darauf geben, was die Fed als nächstes unternehmen könnte. Darauf sollte man achten:

Bleiben oder gehen?

Die Unterstützung für eine Zinsanhebung nahm in diesem Sommer zu, nachdem die Arbeitgeber im Verlauf der letzten drei Monate durchschnittlich 232.000 neue Arbeitsplätze geschaffen hatten, was jedoch auch die Uneinigkeit im FOMC verdeutlichte. Zum Lager das sich für schrittweise Zinsanhebungen stark macht gehören drei Vertreter, die dieses Jahr mit über die Ausrichtung abstimmen werden. Angeführt werden sie vom Präsidenten der Boston Fed, Eric Rosengren, der befürchtet, man könne ansonsten bewusst die Volkswirtschaft überhitzen lassen.

Rosengren oder Loretta Mester aus Cleveland könnten sich dem Widerspruch von Kansas City Fed-Chefin Esther George anschließen, sollte sich die Fed zu keinen neuen Maßnahmen entschließen können. George hat sich dieses Jahr bereits dreimal für höhere Leitzinsen ausgesprochen.

Im Gegenlager argumentierten die Gouverneure Lael Brainard und Daniel Tarullo in den vergangenen Tagen, die Fed könne es sich durchaus leisten geduldig zu bleiben und auf weitere Indikatoren dafür zu warten, dass die Inflation wieder in Dynamik gewinnt.

Die Kernvariante des von der Fed bevorzugten Inflationsmaßstabes, welcher volatile Nahrungs- und Energiekomponenten ausklammert, lag in den letzten 12 Monaten bis Juli bei 1,6%. Seit vier Jahren liegt die Inflation damit unter dem Zielwert der Zentralbank von 2%.

Yellens letzte öffentliche Äußerungen datieren vom 26. August anlässlich des Jahressymposiums der Kansas City Fed in Jackson Hole, Wyoming. Dort sagte sie, dass sich die für eine Zinsanhebung sprechenden Faktoren erhärtet hätten. Das war allerdings bevor die August-Zahlen für Industrieproduktion, Dienstleistungen und Konsumausgaben alle unter den Erwartungen lagen.

„Die vorliegenden Nachrichten über die Wirtschaftsentwicklung waren bei einer Reihe von Indikatoren leicht enttäuschend“, so James Sweeney, Chefökonom bei Credit Suisse Securities USA LLC mit Sitz in New York. „Wenn die Entscheidung jetzt anstünde, würde man eher ein Verharren bei den aktuellen Zinssätzen erwarten.“

In einer zwischen 12. und 14. September von Bloomberg durchgeführten Umfrage schätzten 48 Wirtschaftswissenschaftler die Wahrscheinlichkeit einer Zinsanhebung am Mittwoch mit 15% ein, bei zusätzlichen 5 Prozentpunkten für November und 54% für Dezember.

Im Griff der Falken?

In der selben Umfrage schätzten 65% der Befragten, die Fed werde „stärkere zukünftige Zielsetzungen nutzen, um auf eine baldige Zinsanhebung hinzudeuten“ wenn sie den Leitzins vorerst auf dem aktuellen Stand belassen sollte, eine Strategie die mitunter als „Griff des Falken“ bezeichnet wird.

„Diese FOMC-Konferenz wird relativ kontrovers ablaufen“, schätzte Jonathan Wright, Wirtschaftsprofessor an der John Hopkins University in Baltimore und ehemaliger Fed-Ökonom. „Sie werden versuchen, so viel Konsens wie möglich zu erreichen. Sollte sich also eine Pattsituation ergeben, was ich für am wahrscheinlichsten halte, werden sie ein Signal hinsichtlich einer wahrscheinlichen Zinsanhebung Ende des Jahres aussenden.“

Das könne nach seiner Ansicht beinhalten, eine zuletzt im Dezember geäußerte Einschätzung zu wiederholen, dass die Risiken in der Wirtschaft komplett, oder fast, ausgeglichen seien, so Wright.

Andere meinen, dass ein derart explizites Signal nicht notwendig sei. Die begleitenden Konjunkturprognosen werden in Form des sogenannten 'dot plot', einer grafischen Darstellung der FOMC-Erwartungen bezüglich des angemessenen Verlaufs der Leitzinsen für die kommenden drei Jahre, ohnehin die Erwartungen des FOMC verdeutlichen. Für das Ende des Jahres 2016 ist es höchst wahrscheinlich, dass die allgemeine Erwartung, genau wie die Mehrheit individueller Erwartungswerte, bei 0,625% liegen wird, was eine Anhebung vor Ende des Jahres implizieren würde.

Überdies gibt es einen Zeitraum drei Monaten bis zur nächsten FOMC-Zusammenkunft mit einer Pressekonferenz, was der Fed beim Management der Folgen einer Zinsanhebung helfen könnte.

Ich glaube nicht, dass die Fed in der Erklärung unbedingt die Risikobilanz ins Spiel bringen oder sonstige explizite Signale aussenden wird“, so Roberto Perli, Partner bei Cornerstone Macro LLC in Washington und ehemaliger Fed-Ökonom. „Die Risiken haben sich immer noch nicht komplett verflüchtigt, also könnte sich eine entschiedene Selbstverpflichtung zu späteren Zinsanhebungen als riskant erweisen.“

Längerfristige Perspektiven

Fed-Beobachter werden auch ein Auge auf längerfristige Bewegungen der erwarteten Zinssätze haben, ebenso auf Vorhersagen hinsichtlich der Bewegungen des Bruttoinlandsprodukts über die kommenden Jahre. Im Juni implizierten die durchschnittlichen Zinsvorhersagen drei Anhebungen 2017, drei weitere 2018 und einen „langfristigen“ Zinssatz von 3%.

Die längerfristigen Annahmen seien bereits von den 4,25% zurückgegangen, als die Vorhersagen hinsichtlich der Zinssatzentwicklung im Januar 2012 eingeführt wurden, was die „Kapitulation“ des Komitees vor der Idee widerspiegele, dass der neutrale Leitzins – das Niveau, welches die Wirtschaft weder stimuliert noch einschränkt – gesunken sei, so Michael Hanson, Senior Global Economist bei der Bank of America in New York.

Mögliche Erklärungsansätze für diesen Rückgang reichen von der Alterung der Bevölkerung, über erhebliche globale Kapitalabflüsse in sichere Anlagen, bis hin zu rückläufiger Produktivität.

„Wenn die längerfristig erwartete Zinsentwicklung und die langfristigen BIP-Erwartungen rückläufig wären, würde dies sehr stark für die Produktivitäts-Variante sprechen,“ äußerte Hanson unter Bezugnahme auf die neue Reihe von Prognosen, welche am Mittwoch veröffentlicht werden wird.

Fächertanz

Die quartalsmäßige Prognose könnte auch etwas Neues mit sich bringen. In dem im Zuge ihrer Rede vom 26. August freigegebenem Material veröffentlichte Yellen zusätzlich eine Grafik, in welcher der Durchschnittswert der von den FOMC-Teilnehmern im Juni eingereichten Prognosen in einem breiten schraffierten Bereich wiedergegeben wurde, der ein Konfidenzband von 70% darstellt.

Anders ausgedrückt, um eine 70-prozentige Trefferwahrscheinlichkeit für die tatsächliche Entwicklung der Zinssätze bis Ende 2018 zu haben, muss der schraffierte Bereich alle Werte von knapp über Null bis rund 4,75% abdecken. Diese Spanne basiert auf den Vorhersagen von privaten und öffentlichen Prognostikern über die vergangenen 20 Jahre.

Hier geht es vor alle darum zu unterstreichen, wie viel Unsicherheiten die Fed-Prognosen enthalten.

„Die Fed sagt also: 'Wir könnten alle möglichen Entwicklungen annehmen, aber teilen jedoch mit, was wir für die wahrscheinlichste Entwicklung halten'“, so Luke Tilley, Chefökonom beim Vermögensverwalter Wilmington Trust Corp.

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