Chinesischer Milliardär will Tesla “austeslen”
Damir Sagolj/Reuters
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Wenn Ambitionen auf die Realität treffen

Jia Yueting hat alles, was ein erfolgreicher chinesischer Tech-Unternehmer mit globalen Ambitionen braucht.

Ein self-made Milliardär, der seine Karriere als IT-Beauftragter seiner örtlichen Steuerbehörde begann, rühmt sich Jias Flaggschiff-Internetvideokonzern einer Marktkapitalisierung von 15 Milliarden Dollar und einer Kaufempfehlung der Goldman Sachs Group Inc. (TOCOM: Futures On Gasoline Feb 2017 [GS])

In Kapuzenpullover und T-Shirts gekleidet sprüht er nur so vor Plänen, Apple Inc. (NASDAQ: Apple [AAPL]) bei Smartphones die Stirn zu bieten und Tesla Motors Inc. (NASDAQ: Tesla Motors [TSLA]) bei Elektroautos zu überholen. Jias Faraday Future hat Mitarbeiter von Ferrari und BMW abgeworben und sich die Unterstützung des Gouverneurs von Nevada beim Bau einer 1 Milliarde Dollar teuren Autofabrik in North Las Vegas gesichert – ungefähr 400 Meilen (644 km) von dem Ort entfernt, an dem Tesla 2014 den Grundstein für eine gigantische Batteriefabrik legte.

Neue Konkurrenz für Tesla

Trotz all seiner Erfolge ist es dem 43-jährigen Tycoon allerdings bisher nicht gelungen, das Vertrauen eines entscheidenden Mannes zu gewinnen.

Dan Schwartz, Schatzmeister von Nevada zeigt sich skeptisch, dass Jia die Finanzierung der Autofabrik absichern kann, ein Projekt, dass bei Strom- und Wasserleitungen sowie Zufahrtsstraßen auf die Unterstützung der Regierung angewiesen ist. Schwartz, ehemaliger CEO einer unabhängigen Aktienanalysefirma in Hong Kong, fordert mehr Transparenz bei der Finanzierung, bevor er Staatsmittel im Umfang von 120 Millionen Dollar für Infrastrukturmaßnahmen freigibt. Die Kern von Schwartzs Befürchtungen ist Jias Abhängigkeit von aktienbasierten Krediten, einer Finanzierungsstrategie, die Steuerzahler aus Nevada den Launen von Chinas unbeständigen Aktienmärkten ausliefern könnte. Jia verpfändete 87% seiner Anteil an Leshi Information & Technology Corp. - seiner Flaggschiff-Firma – für Kapital, dass er dann wieder zurück in seine Unternehmen investierte, wie behördliche Einreichungen zeigen. Die Aktie, deren Handel in Shenzen für die ersten fünf Monate des Jahres 2016 ausgesetzt war, hat seit der Wiederaufnahme in den Handel 11% verloren. Dieser Umstand verstärkte Befürchtungen von Schwartz, dass eine Nachschussforderung Jia von einer Errichtung der Fabrik abhalten könnte.

„Die weitere Entwicklung ist absehbar“, so Schwartz in einem Telefoninterview. „Sein Internetunternehmen ist erfolgreich, doch es bringt nicht die Milliarden Dollar ein, die er benötigt. Wo soll er das Geld herbekommen?“

Die Finanzierungsfragen rund um Jias Vorstoß in den US-Markt für Elektroautos werden weltweit zunehmend häufiger, da sich China Inc. auf eine nie dagewesene weltweite Einkaufstour begibt. Die Konzerne des Landes, die von Januar bis Mai ihre Direktinvestitionen im Ausland im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 62% steigerten, breiten sich aus, obwohl zunehmende Schuldenlasten und schwache Gewinne zu Hause ihr Vermögen infrage stellen, eine solide Finanzierung zu gewährleisten.

Finanzierungspläne

Faraday, dessen 1000 PS-Konzeptauto Vergleich mit dem Batmobile nach sich zog, sagt man habe die volle Unterstützung durch den Gouverneur von Nevada und treibe die Infrastrukturplanungen mit der Stadt North Las Vegas voran. Der Autobauer mit 800 Mitarbeiten – ein Tochterunternehmen von Leshi, an dem Jia eine Mehrheitsbeteiligung hält – hat versucht auf die Bedenken von Schwartz einzugehen, könne die Fabrik aber „theoretisch“ auch ohne staatliche Mittel bauen, wie Faraday-Sprechering Stacy Morris via E-Mail auf Nachfrage antwortete.

Jia hat über 300 Millionen Dollar seines Privatvermögens in Faraday investiert und die Firma werden innerhalb der nächsten Woche eine Reihe externer Geldgeber präsentieren, so Winston Cheng, ehemals Investmentbanker bei der Bank of America (NYSE: Bank of America Corporation [BAC]), der nun für die Unternehmensfinanzierung in Jias Firmen zuständig ist. Er sagte, die Höhe der Finanzmittel werde „erheblich“ sein und von asiatischen Investoren kommen, verweigerte jedoch die Bekanntgabe weiterer Details.

„Ich verstehe nicht warum er versucht, diese hochwertigen Arbeitsplätze in Kalifornien und Nevada zu verhindern“, so Cheng in einem Interview mit Blick auf Schwartz. „Es verblüfft mich.“

Goldman optimistisch

Die Behörden von Stadt, Bezirk und Regionalregierung arbeiten bereits mit Faraday an der Infrastruktur für die Fabrik und die Abteilung für wirtschaftliche Entwicklung des Gouverneurs von Nevada gab einer E-Mail-Antwort auf von Bloomberg gestellte Fragen an, es habe Mittel für Mitarbeiterschulung bewilligt. Tesla, das wie Faraday nach einem Pionier auf dem Gebiet der Elektrizität aus dem 19. Jahrhundert benannt ist – verweigerte jeglichen Kommentar.

Leshi, das börsennotierte Herzstück von Jias Imperium, zeigt nur wenig Anzeichen finanzieller Probleme. Die Profite stiegen im ersten Quartal um 20%, während dessen schnelles Wachstum, ein Indikator für die Fähigkeit des Unternehmens, im Verlauf des nächsten Jahres anfallende Zahlungsverpflichtungen zu erfüllen, sich laut von Bloomberg erhobenen Daten im Rahmen des Durchschnittswertes für chinesische Unternehmen im Allgemeinen bewegt. Der Altman Z-Wert von Leshi, ein Messwert für Konkursrisiko, deutet kaum auf Schwierigkeiten hin.

Analysten sind mit Blick auf den Aktienkurs optimistisch. Neun von elf von Bloomberg befragte Prognostiker geben der Aktie eine Kaufempfehlung. Goldman Sachs gab am 22. Juni ein Preisziel von 70,22 Yuan heraus, was 35% über dem letzten Schlusswert liegt. Die Bank lehnte eine Interviewanfrage für ihren Leshi-Analysten ab.

Investoren sind weniger zuversichtlich, so verloren Leshi-Aktien seit der Wiederaufnahme in den Handel letzten Monat sechs Tage in Folge. Mit dem 105-fachen der erwarteten Erträge für dieses Jahr ist die Aktie fast doppelt so teuer wie ein durchschnittliches in China gelistetes Unternehmen. Wie von Bloomberg erhobene Daten zeigen, verzeichnete das Unternehmen für die vergangenen beiden Quartale eine Einnahmeunterdeckung. Am Dienstag um 10.03 Uhr Hong Konger Zeit gab die Aktie um 0,5% nach.

Aktiendarlehen

„Es ist nur noch eine Frage der Zeit, wann Probleme auftreten“, meinte Wang Zheng, der in Shanghai lebende Chief Investment Officer bei Jingxi Investment Management Co., das rund 300 Millionen Dollar verwaltet und Leshi-Aktien meidet, teilweise wegen Bedenken hinsichtlich dessen Finanzierungsstrategie. Die hohe Bewertung des Unternehmens reflektiere die Beliebtheit von „Konzept“-Aktien unter chinesischen Privatanlegern, so Wang.

Jia und seine Familie haben laut von Bloomberg ausgewerteten Daten aus dem Unternehmensbericht zum ersten Quartal Leshi-Aktien im Umfang von rund 5 Milliarden Dollar als Sicherheit für Kredite verpfändet. Jia hat zudem im Juni 2015 Leshi-Aktien im Wert von 2,5 Milliarden Yuan (375 Millionen Dollar) verkauft und die Erlöse wiederum zurück an Leshi verliehen, „um den Finanzierungsdruck des Unternehmens zu verringern“. Später schloss er einen Vertrag mit einer Vermögensverwaltungsfirma über eine Austausch von 100 Millionen Aktien, oder rund 5,3% des Unternehmens, gegen Kapital ab, dass er dann zinsfrei an Leshi weiterreichte. Jia hat angekündigt, das Aktienpaket zurückzukaufen sobald Leshi das Geld zurückzahle.

„Das Unternehmen befindet sich in einer angespannten Finanzlage“, so Dai Ming, Money Manager bei Hengsheng Asset Management Co. in Shanghai.

Bundesstaatspolitik

Aus Sicht von Schwartz müssen Jia und Faraday Future nachvollziehbarer darlegen, wie sie eine nachhaltige Finanzierung für das Nevada-Projekt sicherstellen wollen. Nur dann wolle er in Betracht ziehen, eine staatliche Schuldenaufnahme zur Finanzierung der Infrastruktur der Fabrik zu unterstützen. Es sei seine Aufgabe als Schatzmeister, die Ausgabe dem Finanzausschuss des Bundesstaates, dessen Vorsitzender der Gouverneur ist, zur Zustimmung vorzulegen.

Schwartz, gewähltes Mitglied der Republikaner, das sein Amt im Januar 2015 übernahm, wehrte sich gegen Unterstellungen, sein Widerstand gegen das Faraday-Projekt habe etwas mit seinen eigenen politischen Ambitionen zu tun. Laut Lokalmedien ist er schon zuvor in Budgetfragen mit dem republikanischen Gouverneur aneinandergeraten und es gibt Spekulationen, er könne seine eigene Kandidatur für das Amt des Gouverneurs vorbereiten.

In einer E-Mail schreibt Schwartz:

„Ob ich als Gouverneur kandidiere oder nicht, dieses Projekt hat nichts mit meiner politischen Zukunft zu tun. Es geht ausschließlich darum, ob Faraday das nötige Geld und Fachwissen hat eine 1 Milliarde Dollar-Fertigungsanlage für Elektroautos in North Las Vegas zu errichten. Und falls das nicht der Fall ist, - ob ich den Steuerzahler von Nevada dann zur Kasse bitten will oder nicht.“

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