Hamas ist für den Krieg  bereit
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Foreign Policy Korrespondent David Patrikarakos berichtet aus Gaza daüber, was in der Region geschieht, die sich noch nicht vom letzten Krieg erholte, sich aber bereits für den nächsten vorbereitet.

Das Erste, was einem in Gaza auffällt: die Esel. Vor grundsätzlich von Männern mittleren Alters gelenkte Karren gespannt, verschmelzen sie mit dem Verkehr und transportieren Obst und Gemüse durch das Stadtzentrum.

Gaza trägt immer noch die Narben des Krieges von Hamas und Israel 2014. Der 51-tägige Konflikt endete mit dem Tod 2.300 Bewohner Gazas und 10.000 weiterer Verletzter; 66 israelische Soldaten und sechs israelische Zivilisten verloren ebenso ihr Leben. Gazas Infrastruktur wurde schwer beschädigt: Laut eines kürzlich veröffentlichten UNO-Berichts wurden bisher lediglich 17% der 18.000 während des Konflikts zerstörten Häuser wieder aufgebaut. Geschätzte 75.000 Bewohner Gazas bleiben weiterhin vertrieben.

Die Spannungen im Gaza-Streifen sind aktuell wieder stark. Am 18. April explodierte eine Bombe in einem jerusalemer Bus und verletzte 21 Personen – der erste Anschlag dieser Art seit Ende der Zweiten Intifada vor 10 Jahren. Die Hamas, die palästinensische Gruppe unter deren Kontrolle Gaza steht, hat bereits zugegeben, dass der Schuldige Abd al-Hamid Abu Srour Mitglied ihrer Organisation war.

Kurz nach Explosion entdeckten israelische Sicherheitsdienste einen 36 Meter tiefen Tunnel von Gaza nach Israel. Die Tunnel stellen für Israel eine besondere Bedrohung dar – mithilfe eines ähnlichen grenzüberschreitenden Tunnels gelang Kämpfern der Hamas 2006 die Entführung des Soldaten der Israelischen Verteidigungskräfte, Gilad Shalit. Außerdem nutzte die Hamas diese Tunnelsysteme im letzten Krieg zum Verstecken von Waffen und Milizionären.

Die israelische Regierung reagierte in eindeutiger Form. Verteidigungsminister Mosche Jaalon, der kürzlich im Rahmen einer Kabinettsumbildung zurücktrat, sagte:

„Sollte die Hamas den Staat Israel herausfordern oder die Leben von Grenzanwohnern im Gaza beeinträchtigen, wird sie dafür bitter bezahlen. Wir werden derartige Taten nicht hinnehmen“

Der neue Verteidigungsminister Avigdor Liebermann gehört noch mehr zu den Falken und forderte im April die Ermordung des Hamas-Führers Ismail Haniyeh durch Israel, sollte die islamistische Gruppierung nicht unverzüglich die Leichen der beiden im 2014er Krieg getöteten israelischen Soldaten freigeben.

Die Einwohner Gazas befürchten, dass sich am Horizont ein neuer Krieg abzeichnet. Ich wollte wissen ob es Hamas-Mitgliedern genauso ging. Mein lokaler Kontakt Mahmoud und ich fuhren auf der Suche nach einer Antwort durch Gaza-Stadt und kamen irgendwann in einer engen Straße an, wo ein Mann in Gewand uns empfing. Das ist „Mostafa“, hochrangiger Berater eines Hamas-Ministers.

Er öffnete eine hohe Metalltür und führte uns hinein. Wir nahmen in einem großen Raum Platz, der nur durch zwei Sofas möbliert wurde. Er sagt:

„Was in Jerusalem geschieht ist lediglich eine normale Reaktion darauf, was in der Westbank passiert – Tag und Nacht Festnahmen, Ermordungen, Kinder werden verbrannt.“

Dies ist die letztes Jahr ausgerufene sogenannte Stich-Intifada. Einzelne Palästinenser habe israelische Zivilisten mit Messern oder Scheren angegriffen oder sie mit Autos überfahren. 30 Israelis verloren ihr Leben, 443 wurden verwundet; als Reaktion wurden 216 Palästinenser getötet. Bisher beschränkten sich die Angriffe auf Jerusalem und Teile der Westbank, doch viele befürchten, dass es sich um den Auftakt einer größeren Welle der Gewalt handeln könnte.

Offiziell regiert die Fatah-Bewegung die Westbank, doch Mostafa war nicht willens, dem palästinensischen Rivalen die Verantwortung für das Gebiet zu überlassen.

„Es gibt viele Hamas-Anhänger in der Westbank – die Fatah versucht sie alle zu töten oder auszuschalten, doch die Hamas existiert überall“, so Mostafa. Die Anführer der Hamas in der Westbank, [Männer] wie Yahya Ayyash [ein 1996 von den Israelis ermordeter Hamas-Bombenbauer], sind Experten wenn es um Bomben in Bussen geht. Keiner kann die Operationen der Hamas in der Westbank vergessen. Wir sind überall.“

Mostafa war nicht scheu, als ich ihn fragte, ob sich die Hamas auf einen weiteren Krieg vorbereite. „Das Militär befindet sich im Training“, sagte er. „Wir kontrollieren die gesamte Sicherheit im Gaza-Streifen und wir sind versteckt, als bin ich mir sicher, dass Israel nur wenige offensichtliche militärische Ziele wird finden können. Sollten sie einen Krieg beginnen werden Tausende Zivilisten sterben.“

Ich wollte verstehen, was er über die israelischen Feinde denkt. Als ich ihn das fragte zeigte er auf das Foto eines Mannes mit Kufiya an der gegenüberliegenden Wand. „Sie haben meinen Bruder getötet. Was denkst du, was ich von ihnen halte?“

Ich versuchte mich verständlicher auszudrücken. Als einen Feind, fragte ich erneut, respektieren sie ihn?

Er lächelte und zeigte erneut auf das Bild seines toten Bruders. „Sie sind ein sehr schwacher Feind“, meinte er. „Unsere Kassam-Brigaden hören ihre Angstschreie, wenn sie angreifen. Beim Krieg geht es darum, wie religiös du bist – der Kassam-Soldat weiß, dass er in den Himmel kommt, also kämpft er bis zum Ende. Der israelische Soldat möchte zurück zu seiner Freundin.“

Nahe dem Zentrum von Gaza-Stadt steht ein Denkmal: eine Rakete der Izzedine Kassam-Brigaden, des militärischen Flügels der Hamas. Sie ist gen Israel ausgerichtet.

Doch trotz der wiederkehrenden Kriege mit Israel im vergangen Jahrzehnt und der Verwüstung, die sie mit sich brachten, ist nach Ansicht meines Kontakts Mahmoud die Dominanz der Hamas im Gaza-Streifen so groß wie eh und je.

„Wenn wir vor zehn Jahren nachts eine Straße im Zentrum von Gaza entlanggegangen wären, wäre ja auf uns zugekommen, hätte uns eine Pistole an den Kopf gehalten und unser gesamtes Geld verlangt – und wir hätten es ihm gegeben“, berichtete er mir. „Seit die Hamas an der Macht ist, hat sich das geändert. Die Ordnung wurde nach Gaza gebracht.“

Auf unserer Fahrt durch Gaza war überall die Hamas-Polizei zu sehen – gelegentlich gründlich, aber nicht aggressiv Fahrzeuge überprüfend. Der Gaza-Streifen war ruhig. Als wir auf das Hafengelände führte machte mich Mahmoud auf etwas aufmerksam, was nach seiner Aussage einige Soldaten der Kassam-Brigade waren, die mit entsicherten automatischen Maschinengewehren am Straßenrand standen. Mahmoud sagte:

„Was du verstehen musst ist, dass es im Gaza-Streifen alle 200 Meter einen Agenten der Hamas gibt, der auf seinen bestimmten Bereich aufpasst. Sollte es etwas Auffälliges geben wird er es berichten und Maßnahmen werden ergriffen. Sie haben die absolute Kontrolle.

Doch Hamas ist nicht die einzige bewaffnete Gruppe im Gaza. Der Palästinensische Islamische Dschihad (PIJ) ist eine vielleicht sogar noch extremere Gruppierung. Im Jahr 1981 gegründet strebt sie wie die Hamas die totale Zerstörung Israels an – und er wird darüber hinaus keinen langfristigen Waffenstillstand mit Israel billigen, welche die Hamas bei mehreren Gelegenheiten ins Spiel gebracht hatte (allerdings mit für Israel kaum akzeptablen Bedingungen).

Am Tag nach meinem Treffen mit Mostafa fuhren Mahmoud und ich schon am frühen raus aus Gaza-Stadt. Wir waren auf dem Weg zu „Yasser“*, einem im Flüchtlingslager Nuseirat lebenden PIJ-Kämpfer, einem Gewirr gedrängter Gassen knapp vier Kilometer nordöstlich von Gaza-Stadt, in dem 60.000 Menschen leben.

Die PIJ wird größtenteils vom Iran finanziert, was sie einzigartig unter sunnitischen militanten Gruppen macht. Die Gruppe behauptet, 8.000 Kämpfer unter ihrem Kommando zu haben. Ihr Verhältnis zur Hamas ist häufig angespannt: die Hamas hat Probleme die Raketenabschüsse des PIJ auf Israel zu zügeln. Letzten Monat warf Israel dem PIJ vor, auf Geheiß des Iran von Syrien aus Raketen auf das Land abgeschossen zu haben.

Yasser empfing uns in Tarnuniform und einer AK-47. Er war sehr freundlich und bot uns Kaffee und die palästinensische Version eines Kit-Kat-Riegels an. Er erzählte:

„Der Prophet Mohammed lehrt uns, dass die Juden ihre Versprechen nicht halten und nie die Wahrheit sagen. Also könnte ich mir niemals vorstellen, Seite an Seite mit ihnen zu leben. Mein Heimatdorf ist in der Nähe von Aschkelon [eine Stadt in Südisrael], als kämpfe ich für die Rückkehr auf den Boden, von dem mein Großvater vertrieben wurde.“

In Yasser zeigen sich sowohl Tragik als auch Unlösbarkeit des Israelisch-Palästinensischen Konflikts. Er behauptet aus Aschkelon zu kommen, einem Ort, an dem er nie war und in den er vermutlich nie gelangen wird. Währenddessen könnte ein heute dort geborenes israelisches Baby Eltern, Großeltern und sogar Urgroßeltern haben, die nach Gründung des Staates Israel in Aschkelon geboren wurden. Kann er deren Heimatgefühle nicht auch verstehen?

Er antworte fast sofort: „Sie wissen, dass es nicht ihr Land ist. Heutzutage verlassen Menschen Israel, weil sie wissen, dass ihre Gegner um ihr Land kämpfen. Und wir werden gewinnen.“

Yasser mag von dem Tag des totalen Sieges über Israel träumen, aber im Hier und Jetzt ist das Leben in Gaza hart. Der Streifen kann nicht 24 Stunden am Tag die Stromversorgung gewährleisten und es gibt regelmäßig Stromausfälle. Israel erklärte am 4. April ein vorübergehendes Verbot privater Zementimporte in den Gaza hinein. Dabei berief es sich darauf, dass ein Großteil der Lieferungen zugunsten der Hamas abgezweigt würden, was wiederum die Vereinten Nationen zu der Warnung veranlasste, diese Politik würde den Wiederaufbau im Gebiet weiter verzögern.

Viele Einwohner Gazas haben genug von dieser Zerstörung und dem Blutvergießen. Die meisten Bewohner, mit denen ich sprach, wollten einfach nur ein normales Leben ohne Krieg führen. Allerdings treffen Hamas und PIJ im Gaza die Entscheidungen und betonen ihre Bereitschaft, bis zum bitteren Ende zu kämpfen.

„Wir als Bevölkerung wollen keinen Krieg“, so Yasser. „Wir wollen nur, dass sie uns in Ruhe lassen und abhauen. Die Israelis dachten, wir würden das Land leicht hergeben. Wir haben sie aus Gaza vertrieben, und wir werden sie aus dem Rest von Palästina vertreiben.“

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