Politische Zensur bei Facebook
Ina Fassbender/Reuters
Hauptseite Analytik, Facebook

Facebook Mitarbeiter sollten regelmäßig Beiträge in der Trending-Nachrichtensektion unterdrückt haben.

Mitarbeiter von Facebook (NASDAQ: Facebook [FB]) unterdrückten routinemäßig Beiträge in der einflussreichen „Trending“-Nachrichtensektion des sozialen Netzwerks, so ein ehemals an dem Projekt beteiligter Journalist.

Diese Person behauptet, dass Mitarbeiter Beiträge über eine Versammlung der rechtsgerichteten CPAC, Mitt Romney, Rand Paul und andere konservative Themen davon abhielten, in der höchst einflussreichen Sektion aufzutauchen obwohl diese eigentlich unter den Nutzern der Seite stark diskutiert wurden.

Mehrere frühere Facebook-“Nachrichtenkuratoren“, wie sie intern bekannt waren, äußerten außerdem gegenüber Gizmoldo, dass sie damit beauftragt wurden bestimmte Beiträge künstlich in das Nachrichtenmodul „einzuschleusen“, selbst wenn diese nicht populär genug waren um darin aufzutauchen – oder in einigen Fällen eigentlich gar keine Aufmerksamkeit erhielten.

Die früheren Kuratoren, die alle als Freie Mitarbeiter angestellt waren, gaben zudem an, dass sie angewiesen worden seien keine Nachrichten über Facebook selbst in das Trending-Modul aufzunehmen.

Anders ausgedrückt arbeitet die Nachrichtenabteilung von Facebook wie eine traditionelle Nachrichtenredaktion und reflektiert die Einstellungen ihrer Mitarbeiter sowie die institutionellen Imperative des Unternehmens.

Menschliche redaktionelle Werte auf die von einem Algorithmus ausgespuckte Themenliste anzuwenden ist mitnichten etwas Verwerfliches – doch es steht in scharfem Widerspruch zu der Behauptung des Unternehmens, dass Trending-Modul liste lediglich „Themen [auf], die kürzlich auf Facebook populär geworden sind.“

Diese neuen Vorwürfe kamen auf nachdem Gizmodo letzte Woche Details über interne Abläufe im Trending News Team von Facebook veröffentlichte – ein kleiner Kreis junger Journalisten, zumeist ausgebildet an Ivy League- oder Privatuniversitäten an der Ostküste, welche das „Trending“-Modul in der rechten oberen Ecke der Seite kuratieren.

Wie bereits letzte Woche berichtet haben die Kuratoren Zugriff auf eine Rangliste populärer Themen auf Grundlage von Facebooks Algorithmus, welcher jene Beiträge priorisiert die den Facebook-Nutzern in der Trending-Sektion angezeigt werden sollten.

Die Kuratoren ergänzen Überschriften und kurze Zusammenfassungen für jedes Thema und fügen Links zu Nachrichtenseiten hinzu. Die 2014 ins Leben gerufene Sektion stellt eines der wichtigsten Besitztümer im Internet dar und hilft bei der Festlegung der Nachrichten, die Facebook-Nutzer zu einem beliebigen Zeitpunkt lesen.

„Je nachdem, wer gerade Dienst hatte wurden bestimmte Dinge geblockt oder aufgewertet“, so der frühere Kurator. Aus Angst vor Repressalien seitens des Unternehmens bat die Person darum, anonym zu bleiben. Der ehemalige Mitarbeiter ist politisch konservativ, einer von nur sehr wenigen Kuratoren mit derartigen Ansichten im Trending Team. Er sagt:

„Wenn ich meine Schicht antrat musste ich manchmal feststellen, dass CPAC, Mitt Romney, Glenn Beck oder populäre konservative Themen nicht in der Trending-Sektion waren, entweder weil der Kurator den Nachrichtenwert nicht erkannte oder es schien, als ob sie Ted Cruz gegenüber negativ eingestellt wären. Ich glaube, das [die Unterdrückung bestimmter Themen] hatte negative Auswirkungen auf konservative Nachrichten.“

Ein weiterer früherer Kurator stimmt zu, dass die Abteilung eine Abneigung gegenüber rechten Nachrichtenquellen hatte. „Es gab auf jeden Fall Vorurteile. Das waren subjektive Entscheidungsprozesse. Es hing nur davon ab, wer der Kurator und welche Tageszeit es war“, so der frühere Kurator. „Ab und zu gab es auch mal eine Neuigkeit von Red State oder konservativen Nachrichtenagenturen. Doch dann mussten wir uns auf die Suche nach derselben Meldung von einer neutraleren Agentur machen, die nicht so voreingenommen war.“

Von konservativen Agenturen (wie Breitbart, Washington Examiner und Newsmax) verbreitete Meldungen, die populär genug waren um vom Facebook-Algorithmus erfasst zu werden, wurden blockiert, es sei denn Mainstream-Nachrichtenseiten wie New York Times, BBC oder CNN berichteten über die selben Themen.

Andere ehemalige Kuratoren bestreiten, bewusst konservative Nachrichten unterdrückt zu haben. Es ist auch nicht klar ob linke Meldungen und Agenturen ähnlich stark blockiert wurden. Der konservative Kurator beschrieb die Unterlassungen als Folge der Bewertungen durch seine Kollegen; es gibt keinerlei Hinweise darauf, dass das Facebook-Management diese anordnete oder sich überhaupt politischer Vorurteile am Arbeitsplatz bewusst war.

Manager des Trending News Teams forderten die Kuratoren allerdings explizit dazu auf das Trending-Modul auf andere Weise zu manipulieren: wenn die Nutzer Meldungen nicht lasen, die das Management aber als wichtig erachteten, wurden die Kuratoren angehalten diese trotzdem in den Trending News Feed zu setzen.

Mehrere ehemalige Kuratoren beschrieben den Einsatz eines sogenannten „Injection Tools“ um Themen in das Trending-Modul zu bringen, die eigentlich nicht oft genug geteilt oder diskutiert worden waren, um eine Aufnahme zu rechtfertigen – und setzten damit die Schlagzeilen vor Tausende von Lesern, anstatt Meldungen zu erlauben von selbst ihren Weg nach oben zu finden. In einigen Fällen wurde ein nachträglich eingeschleustes Thema im Anschluss die meistdiskutierte Nachrichtenmeldung auf Facebook.

“Uns wurde gesagt dass wenn wir etwas wie eine News Story auf der Titelseite einer dieser zehn Seiten wie CNN, New York Times und BBC sehen könnten wir das Thema injizieren,” sagte einer der ehemaligen Kuratoren. “Wenn es so aussah als ob genug Nachrichtenseiten die Geschichte bringen sollten wir sie hinzufügen – selbst wenn sie nicht von sich aus trending war.”

Manchmal wurden Eilmeldungen aufgegriffen weil sie nicht die notwendige Aufmerksamkeit auf Facebook generierten, um vom Algorithmus als “trending” eingestuft zu werden. Ehemaligen Kuratoren bezeichneten das Verschwinden des Malaysia Arilines-Fluges MH370 und die Attacken auf Charlie Hebdo in Paris als zwei Beispiele dafür, bei denen non-trending Stories in das Modul gezwungen wurden.

Facebook hat Probleme damit mit Twitter zu konkurrieren wenn es darum geht den Lesern Nachrichten in Echtzeit zu liefern. Das Injection-Tool könnte daher deshalb entwickelt worden sein um dieses Defizit des Netzwerks künstlich zu korrigieren. “Wir wurden angeschrien wenn eine Geschichte extrem präsent auf Twitter und nicht auf Facebook war,” sagte ein ehemaliger Kurator.

In anderen Fällen haben Kuratoren eine Story aufgegriffen – selbst wenn sie auf Facebook nicht breit diskutiert wurde – weil sie als wichtig eingestuft wurde um das Netzwerk wie einen Ort aussehen zu lassen, an dem die Leute über die relevanten Neuigkeiten sprechen. “Die Leute hörten damit auf sich mit Syrien zu beschäftigen,” sagte ein ehemaliger Kurator. “Und wenn es auf Facebook nicht trending war, ließ das Facebook schlecht aussehen.” Derselbe Kurator sagte auch dass die Black-Lives-Matter-Bewegung ebenfalls in das Trending-News-Modul von Facebook injiziert wurde.

“Facebook stand unter hohem Druck weil es kein trending topic zum Thema Black Lives Matter hatte,” meinte diese Person. Sie erkannten es als Problem und verstärkten es in der Bestellung. Sie gaben ihm Priorität über andere Themen. Als wir damit begannen es zu injizieren, sagte jeder ‘Yeah, jetzt sehe ich es als Nummer Eins.”

Diese spezielle Injizierung ist besonders bemerkenswert weil die #BlackLivesMatter-Bewegung ihren Ursprung auf Facebook hat und die nachfolgende Medienberichterstattung die mächtige Präsenz der Bewegung in Sozialen Netzwerken beschrieb.

(Im Februar drückte CEO Mark Zuckerberg seine Unterstützung für die Bewegung in einer internen Memo aus und rügte Facebook-Mitarbeiter dafür Black Lives Matter-Slogans auf der unternehmensinternen Signature Wall zu verunstalten.)

Wenn Stories über Facebook selbst organisch im Netzwerk als trending auftraten wandten die News-Kuratoren weniger Diskretion auf – ihnen wurde vorgeschrieben derartige Stories überhaupt nicht aufzugreifen.

“Wenn es um eine Story über das Unternehmen ging hatten wir die Anweisung sie nicht anzurühren. So etwas musste durch mehrere Kanäle abgeklärt werden selbst wenn es sogar ein bisschen geshared wurde. Uns wurde gesagt dass wir sie nicht in das Trending-Tool aufnehmen sollten.”

“Wir waren immer vorsichtig wenn es um Facebook ging,” sagte ein anderer ehemaliger Kurator. “Wir haben immer darauf gewartet die Zustimmung von der nächst höheren Ebene zu erhalten bevor wir etwas über Facebook als trending deklarierten. Normalerweise hatten wir das Recht alles von uns aus als trending einzustufen, aber sobald es irgendwas mit Facebook zu tun hatte rief der Copy Editor seinen Manager an, der dann wieder seinen Vorgesetzten kontaktierte der dann vielleicht sogar noch seinen Chef anrief bevor ein Thema mit Facebook-Bezug freigegeben wurde.”

Einige ehemalige Kuratoren sagten dass es weniger Fälle injizierter Stories gab als der Trending-News-Algorithmus verbessert wurde. Sie gaben auch an dass der Trending-News-Prozess ständig verändert würde weshalb es keine Möglichkeit gibt jetzt zu wissen, wie das Modul exakt funktioniert. Aber diese Enthüllungen entkräften den Glauben daran dass es sich bei Facebook um eine neutrale Pipeline für News handelt, oder daran dass das Trending-News-Modul eine von einem Algorithmus gesteuerte Liste dessen sei worüber sich die Leute tatsächlich unterhalten.

Vielmehr zeigen die Anstrengungen von Facebook im Nachrichtengeschäft mitzuspielen dass das Unternehmen den Newsagenturen sehr ähnlich ist, die es beständig in die Überflüssigkeit drängt: eine ausgewählte Gruppe von Professionellen mit unbestimmter Mitte-Links-Sensibilität. Es ist einfach ein Unternehmen das sich als neutraler Reflektor der öffentlichen Meinung darstellt mit der Macht zu beeinflussen, was Milliarden von Nutzern sehen und öffentlich diskutiert ob es diese Macht einsetzen sollte um die Präsidentschaftswahlen zu beeinflussen.

“Das waren keinesfalls trending News,” sagte der ehemalige Kurator der die Auslassung konservativer Neuigkeiten protokollierte. “Es war nur eine Meinung.”

Ein Facebook-Sprecher hat das folgende Statement zu Äußerungen bezüglich BuzzFeed und TechChrunch gegeben:

“Wir nehmen Vorwürfe hinsichtlich Voreingenommenheit sehr ernst. Facebook ist eine Plattform für Leute und Perspektiven aus dem gesamten politischen Spektrum. Trending Topics zeigen ihnen die beliebten Themen und Hashtags über die auf Facebook gesprochen wird. Für das Review-Team gelten strenge Richtlinien um Konsistenz und Neutralität zu sichern. Diese Richtlinien erlauben nicht die Unterdrückung politischer Perspektiven. Außerdem lassen sie auch nicht die die Priorisierung eines Standpunktes gegenüber einem anderen oder die einer News-Veröffentlichung über eine andere zu. Diese Richtlinien verbieten nicht das Auftauchen irgendeiner Neuigkeit in den Trending Topics.”

Lesen Sie auch:

Хотите узнать больше о гражданстве за инвестиции? Оставьте свой адрес, и мы пришлем вам подробный гайд

Bitte beschreiben Sie den Fehler
Schließen
Schließen
Vielen Dank für ihre Anmeldung
Klicken Sie 'gefällt mir' auf Facebook, so dass wir interessante Artikel kostenlos weiter machen können.