Sind Populisten die Zukunft von Europa?
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Europa zittert vor Trump, könnte sich aber zuerst den Populisten ergeben.

In einigen europäischen Demokratien verfolgten die Menschen die Nachricht, dass Donald Trump wahrscheinlich Präsidentschaftskandidat der US-Republikaner wird mit einem Schaudern und dem Gedanken: "Wir kennen das Gefühl."

Die ökonomischen Schwierigkeiten, nativistischen Vorurteile und Desillusionierung mit etablierten Politikern, die Trump zu einem Zweikampf mit Hillary Clinton, der wahrscheinlichen Kandidatin der Demokraten, im November verholfen haben ähneln jenen, die einen fruchtbaren Boden für Populisten in Europa bereitet haben. An dieser Stelle ist qualitativ hochwertiger globaler Journalismus gefragt.

Mainstream-Politiker in den USA und Europa werden sich zweifellos mit dem Gedanken beruhigen, dass die Wählerschaft auf beiden Seiten des Atlantik, egal wie anfällig für Populismus, immernoch aus moderaten Mehrheiten bestehen. Solange diese auch tatsächlich zur Wahl gehen, werden sie wahrscheinlich am Ende des Tages über Intoleranz und Irrationalität siegen.

Sollte diese Annahme zutreffen, dürfte Clinton die Herausforderung von Trump in ähnlich großem Stil abschmettern wie Lyndon Johnson, der damalige demokratische Amtsinhaber, 1964 Barry Goldwater, einen konservativen republikanischen Senator aus Arizona. Um mit den Worten des Dichters WB Yeats zu sprechen, Washington wird nicht auseinanderfallen und das Zentrum wird widerstehen.

Allerdings wird diese beruhigende Theorie in Europa bald auf die Probe gestellt werden. In mindestens einem Land scheint nicht klar, dass diese Bestand haben wird.

Am 22. Mai sind die Österreicher zum zweiten Durchgang ihrer Präsidentschaftswahlen aufgerufen. In der ersten Runde am 24. April sicherte sich Norbert Hofer, Kandidat der rechtsaußen Freiheitspartei, über 35 Prozent der Stimmen - ein Rekordwert für die extreme Rechte seit der Befreiung Österreichs vom Nationalsozialismus vor sieben Jahrzehnten.

Die Wahl in Österreich ist wichtig. Das Präsidentenamt ist mehr als nur eine zeremonielle Position. Unter bestimmten Umständen hat der Präsident das Recht das Parlament aufzulösen und die Vereidigung von Mitgliedern des Kabinetts zu verweigern. Diese Rechte könnte eine erhebliche Bedeutung erlangen, sollten sie in der Hand eines Staatsoberhauptes von rechtsaußen liegen.

Die Frage lautet ob ein Großteil der österreichischen Wähler, die in der ersten Runde für andere Kandidaten gestimmt haben, ihre Differenzen beiseite lassen und den Kontrahenten Hofers unterstützen, Alexander Van der Bellen, dessen politische Wurzeln in der Grünen Partei liegen, zum Gemeinsamen Ziel der Abwehr von Extremismus.

Eine Meinungsumfrage Ende April sah Hofer und Van der Bellen bei jeweils 50 Prozent. Tatsächlich scheint der Ausgang zu eng für Prognosen.

Im Mai 2017 könnten sich die französischen Bürger derselben Frage gegenübersehen wie der in Österreich. Die meisten Umfragen deuten darauf hin, dass sich Marine Le Pen, Vorsitzende des rechtsextremen Front National, kaum Sorgen machen muss den ersten Wahlgang zu überstehen, was zu einem Zweikampf entweder mit einem Mitte-Rechts oder einem sozialdemokratischen Kontrahenten führen würde.

Moderate Wähler müssten sich dann entscheiden, ob sie sich für das einsetzen, was allen fanzösischen Kindern in der Schule als Grundwerte der Republik vermittelt werden, um Le Pens Einzug in den Elysèe-Palast zu verhindern. Dazu würde die Taktik gehören, die Zähne zusammenzubeißen und für jemanden zu stimmen, den man nicht wirklich mag, um Schlimmeres zu verhindern. In Frankreich kennt man das als Zusammenschluss zur Republikanischen Front.

Dies geschah schon einmal während der französischen Präsidentschaftswahlen von 2002, als sich Wähler aus dem linken und rechten Lager hinter dem Konservativen Jacques Chirac vereinigten, um die Zweitrunden-Herausforderung von Jean-Marie Le Pen abzuwehren, Vater der Parteichefin des Front National. Chirac gewann damals mit dem überwältigenden Ergebnis von 82 zu 18 Prozent.

Ganze 14 der 28 EU-Mitgliedsstaaten führen direkte Präsidentschaftswahlen durch. In den letzten Jahren stimmten die Wähler in den meisten Ländern für moderate Politiker. Präsidenten wie Michael D. Higgins in Irland und Klaus Iohannis in Rumänien genießen auf internationaler Bühne Resekt.

Es wäre falsch zu behaupten, die Präsidentschaftswahlen würden Europa zur Unterwerfung gegenüber Extremismus treiben. Trotzdem wäre ein Triumph der extremen Rechten in der anstehenden Wahl in Österreich ein Zäsur für Europa - auch ohne die unvorstellbaren weltweiten Folgen eines Sieges von Trump in den USA.

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