Wann war die Kapitulation Deutschlands?
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Heute vor 71 Jahren trat die Kapitulation Deutschlands gegenüber den Alliierten in Kraft und markierte das formale Ende des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Oder nicht?

US-Amerikaner, Briten und Franzosen datieren den Sieg der Alliierten in Europa auf den 8. Mai, aber in Russland auf den 9. Mai. Es handelt sich hier nicht nur um unterschiedliche Zeitzonen, sondern um eine Geschichte von zwei Städten, zwei Dokumenten, ein paar fehlenden Sätzen und ungefähr 75 Minuten.

Gerüchte um eine Kapitulation Deutschlands waren schon seit Ende April 1945 im Umlauf, als die Associated Press einen sich später als falsch herausstellenden Bericht veröffentlichte, dass die Deutschen im Rahmen einer Friedenskonferenz in San Francisco kapituliert hätten. Doch schon damals war klar, dass die deutsche Offensive ins Leere lief. Adolf Hitler nahm sich am 30. April 1945 in seinem Bunker das Leben; in den darauffolgenden Tagen vereinbarte sein Nachfolger Karl Doenitz eine Reihe von Waffenruhen.

"Deutsche Divisionen in ganz Europa ergaben sich", schrieb David Kiley am Donnerstag in der Militärzeitschrift Stars and Stripes. "Allierte Verbände befreiten Konzentrationslager. Deutsche Radiostationen berichteten über die Zerschlagung der Wehrmacht."

Am 7. Mai erreichte General Alfred Jodl, Stabschef der deutschen Armee, das französische Reims mit Doenitz' Autorisierung zur Kapitulation. Der Vater Kileys, Staff Sergeant Charles Kiley, befand sich als Berichterstatter für Stars and Stripes im Raum als der deutsche General das Dokument unterzeichnete. "Die Kapitulation war innerhalb von fünf Minuten hier im Kommandozentrum der Supreme Headquarters unterzeichnet, 70 Kilometer östlich des Compiegne-Waldes, wo Deutschland sich bereits im vorherigen Krieg am 11. November 1918 den Alliierten ergeben hatte, sowie am Schauplatz der französischen Kapitulation gegenüber dem Dritten Reich am 21. Juni 1940.", schrieb Charles Kiley. Die Kapitulation sollte am nächsten Tag, dem 8. Mai 1945, um 21.01 Uhr Mitteleuropäischer Zeit inkrafttreten.

Wann war die Kapitulation Deutschlands?
Die deutsche Kapitulationserklärung, unterzeichnet am 7. Mai 1945 in Reims, gültig ab 8. Mai.

"Die Kapitulationserklärung hatte nichts Dramatisches", berichtete Kiley und bemerkte, das Jodl "aufrecht und emotionslos, mit adretter Uniform und glänzend polierten Stiefeln" aufgetreten und sein Gesicht bei der Unterzeichnung "gleichgültig" gewesen sei.

Doch die Unterschrift Jodls, eines relativ niedrigrangigen Generals, war nicht genug - vor allem nicht für die Sowjetunion, die beim Kampf der Alliierten gegen die Deutschen mit Abstand die größten Verluste zu beklagen hatte. Das hing mit der letzten Kapitulation Deutschlands 1918 zusammen, 70 Kilometer westlich. Die Kapitulationserklärung war damals von einem zivilen Politiker unterzeichnet worden der selbst Kriegsgegner war, und nicht vom deutschen Obersten Befehlshaber. Hitler und seine Verbündeten behaupteten später, dass daher die deutschen Streitkräfte gar nicht geschlagen worden seien, sondern die politischen Gegner ihnen einen "Dolchstoß" versetzt hätten. Entschlossen solche Folgen nach dem Zweiten Weltkrieg zu verhindern bestanden die Sowjets darauf, dass der Oberbefehlshaber der deutschen Streitkräfte, Feldmarschall Wilhelm Keitel, persönlich vor Joseph Stalins Gesandten in Berlin kapitulierte.

Am 8. Mai kam Keitel in Karlshorst am Rande Berlins an um die Kapitulation zu ratifizieren und das Kriegsende formal zu bestätigen. "Anscheinend kam der russische Text unvollständig in Berlin an und es fehlten einige Sätze", so ein Bericht der Deutschen Welle 1970. Die Kapitulation von Reims sollte um 23.01 Uhr inkrafttreten, doch die endgültige Version des Dokuments erreichte Keitel erst 75 Minuten später. Der Feldmarschall setzte in den frühen Morgenstunden des 9. Mai seine Unterschrift unter die überarbeitete Kapitulationserklärung, daher die anhaltende Verwirrung und Kontroverse hinsichtlich des exakten Endes des Zweiten Weltkriegs in Europa.

Der Unterschied scheint damals keine große Rolle gespielt zu haben. Die Sowjets akzeptierten die Reimser Erklärung vom 7. März - wenn auch nur als vorläufiges Dokument - und die anderen Alliierten schlossen sich der sowjetischen Forderung nach Ratifizierung durch den höchstrangigen Militär Deutschlands an. Doch im Rahmen des Kalten Krieges "brach ein unterschwelliger Kampf um die historische Deutungshoheit aus", so die Deutsche Welle. "Die Szene in Karlshorst wurde als extra für Stalin bereiteter Propagandacoup wahrgenommen."

Während der Westen wieder einmal am 8. Mai den Tag des Sieges der Alliierten begeht, macht die bürokratische Verwirrung über die Kapitulation Deutschlands das Datum eher irreführend. Wie die Deutsche Welle betonte: "Am 8. Mai 1945 ist eigentlich gar nichts wirklich passiert."

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