Was bedeutet die Einberufung des Kongress der Arbeiterpartei
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Die größte Partei in Pjöngjang bestimmt die ökonomische Zukunft des Landes.

Der nordkoreanische Machthaber Kim Jong Un hat für seine isolierte Volkswirtschaft die Tür zu Marktreformen einen Spalt weit geöffnet. Nachdem er nun den ersten Kongress der herrschenden Partei seit 1980 einberufen hat, muss er eine Entscheidung treffen.

Seit er nach dem Tod seines Vaters Ende 2011 zum obersten Führer aufgestiegen ist, hat Kim seine Machtposition mit der Absetzung hochrangiger Führungskader und anderen provokativen Maßnahmen gefestigt, darunter zwei Atomtests.

Doch seit Nordkorea mittlerweile die meisten seiner Schutzmächte aus Zeiten des Kalten Krieges verloren hat und außerdem unter einer Reihe von Dürren und Hungersnöten leidet, wagt er sich auch vorsichtig auf das Feld der Privatwirtschaft.

Zum ersten Mal unter seiner Führung einen vollständigen Kongress der Arbeiterpartei einzuberufen ermöglicht ihm, sowohl seine Agenda darzulegen als auch Funktionäre zu befördern oder degradieren, um seinen inneren Kreis weiter zu festigen.

Was in Pjöngjang während der Versammlung gesagt und getan wird könnte Hinweise darauf liefern, wie ernst es ihm tatsächlich mit Wirtschaftsreformen ist und ob dieses Ansinnen von seinem Willen zum Erhalt der Kontrolle übertrumpft wird.

Die Versammlung unterstreicht die zunehmende diplomatische Isolation Kims und wird einen kleinen Einblick in seine innenpolitische Situation gewähren. Als sein Großvater Kim Il Sung den letzten Kongress ausrichtete hatte Nordkorea eine besser funktionierende Volkswirtschaft und das Ereignis zog Vertreter aus über 100 Ländern an.

Dieses Jahr haben sich keine ausländischen Delegationen angekündigt und die Volkswirtschaft ist lediglich ein Bruchteil der von Südkorea.

Pjöngjang aufhübschen

An dem Kongress werden Hunderte Delegierte aus dem gesamten Land teilnehmen und er wird voraussichtlich mehrere Tage dauern. Im Vorfeld wurden Gebäude in der Hauptstadt Pjöngjang frisch gestrichen und die Regierung hat ausländischen Journalisten einen strikt überwachten Besuch ermöglicht.

In dessen Rahmen wurden diese mit Propaganda überhäuft und zu einer Reihe von repräsentativen Besuchsterminen in Pjöngjang gebracht, darunter ein Kollektivbauernhof, der nach Angaben der Regierung als Vorbild für andere Höfe in Nordkorea dient.

Die Fassade des Kulturpalastes '25. April' wird verhüllt von roten Bannern mit dem Parteisymbol aus stilisiertem Kranz, Hammer und Sichel. Auf dem Platz vor dem Kim Il Sung-Stadion üben Kinder eine synchronisierte Choreographie mit Fahnen, während Transporter mit Lautsprechern durch die Stadt fahren und Propaganda über das Ereignis vebreiten.

Was bedeutet die Einberufung des Kongress der Arbeiterpartei
AP Photo

Der Kongress - an einem kalten, bedeckten Tag in Pjöngjang - versucht Kim als Erben des Vermächtnisses seines Vaters und Großvaters darzustellen, mit zu seinen Ehren gesungenen Liedern und seinen Aufforderungen noch härter zu arbeiten auf Plakaten in der ganzen Stadt.

Während sein Portrait nicht neben dem ihren an Fassaden oder in Klassenzimmern zu sehen ist, erscheint er auf unzähligen Fotografien und verbreitet damit die unmittelbare Führung, für welche die vorangegangen Machthaber bekannt waren - sei es bei einer Atombombe, einem Basketballplatz oder einem Computerkabinett.

Ausländische Journalisten wurden am Vorabend des Kongresses zum Mangjongdae-Kinderpalast eskortiert, um dort Kindern bei der Darbietung von Liedern, Tänzen und akrobatischen Nummern zuzuschauen. "Im Schutz der Arme unseres großartigen Führers Kim Jong Un bin ich das glücklichste Kind auf der Welt", sang ein Mädchen.

Unter der Herrschaft Kims wenden sich die Nordkoreaner an Schwarzmärkte um nicht zu verhungern. Die Schattenwirtschaft, "Jangmadang" genannt, beteiligte sich an der Last die 25 Millionen Einwohner zu versorgen. Kim hat laut Analysten mit Verbindungen in das Land größere private Investitionen erlaubt und lässt die Bauern einen größeren Teil der Überschüsse für sich behalten.

Trotz des Versprechens sein Volk müsse "nie wieder die Gürtel enger schnallen" teilt Kim die Paranoia seiner nordkoreanischen Vorgänger, die Märkte könnten ein Einfallstor für auswärtige Informationen sein und unter den Einheimischen Zweifel an der Rechtmäßigkeit seiner Herrschaft säen.

"Am Ende des Tages geht es vor allem darum, seine Macht zu erhalten", meinte Lee Ji Sue, Professor für Nordkorea-Studien an der Myongji Universität in Seoul. "Macht ist in Nordkorea Privateigentum weil sie vererbt wurde, und Kim möchte keinesfalls deren Verlust riskieren."

Kim hat eine Reihe von Funktionären abgesetzt, darunter sein Onkel und ehemaliger Stellvertreter Jang Song Thaek, der engere Geschätsbeziehungen mit China anstrebte. Während Misswirtschaft, Gier und fehlende Hilfsgelder von außen zur wirtschaftlichen Notlage der Nordkoreaner beigetragen haben, hat die dynastische Herrschaft der Kim-Familie zu einer Kontrolle von Informationen geführt, die auch den Handel einschränkt.

Illegale Märkte

Infolgedessen haben sich laut auf Interviews mit Dissidenten basierenden Studien in Nordkorea hunderte illegale Märkte entwickelt, auf welche sich die Menschen für Nahrungsmittel verlassen. Unter von China eingeschmuggelten Gütern befinden sich CDs und USB-Sticks mit südkoreanischen und westlichen Seifenopern, um die sich sogar Mitglieder der Elite bemühen.

Die kommunistischen Nachbarn China und ehemalige Sowjetunion nutzten ebenfalls Pareitkongresse um große Pläne zu präsentieren. Deng Xiaoping verkündete 1978 ein ambitioniertes wirtschaftliches Reformprogramm und Michail Gorbatschow stellte 1986 Details seiner Politik der Öffnung und Neuordnung vor.

Ebenso taten sie sich schwer damit, ihre Volkswirtschaften zu öffnen ohne die Kontrolle zu verlieren. China wandte sich nach dem ersten Kongress nach dem Massaker auf dem Platz des himmlischen Friedens 1989, als führende Politiker befürchteten, westliches demokratisches Gedankengut könnte zum Kollaps der Partei führen. Doch nachdem sich das Wachstum auf unter 4 Prozent verlangsamt hatte, setzte sich der kürzlich in den Ruhestand getretene Deng auf dem Kongress 1992 für Marktreformen ein.

UNO-Sanktionen

Der wichtigste Verbündete Nordkoreas ist weiterhin China, das lange durch die Lieferung von Energie und anderen Gütern als ökonomische Schutzmacht auftrat. Doch mittlerweile scheint es Kims Verhalten überdrüssig zu sein, vor allem seiner Atomtests, und kooperiert mit dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen im Hinblick auf Wirtschaftssanktionen. Seit dem Test im Janaur dessen, wobei es sich nach eigener Aussage um eine Wasserstoffbombehandelte, hat Nordkorea damit gedroht einen atomaren Gefechtskopf zu testen, der auf eine Trägerrakete montiert werden könnte.

Die Entwicklung des Atomprogramms des Regimes beschleunigte sich in den 1990ern beträchtlich, nachdem eine Hungersnot Hunderttausende oder sogar Millionen Menschen das Leben kostete.

Kim Jong Il zog die Entwicklung von Waffensystemen ökonomischen Verbesserungen vor um seine Macht zu ehalten und das Regime hoffte auf internationale Hilfslieferungen. Die Fluchten nach China nahmen schlagartig zu. Jenes Land, welches einst mit Südkorea um die wirtschaftlich Vormachtstellung rang, konnte sich die Art Kongress wie zu Zeiten Kim Il Sungs nicht mehr leisten.

"Die Amtszeit Kim Jong Ils war das mit Abstand größte Desaster für Nordkorea", sagte John Delury, Historiker an der Yonsei Universität in Seoul. "Im Jahr 1980 konnte sich Nordkorea noch als das koreanische Wunder präsentieren. Erst seit den 90ern war Südkorea in der Lage dieses durch das eigene, neu definierte koreanische Wunder zu ersetzen."

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