Ein ungleiches Paar in der Weltpolitik
AP Photo/Martin Meissner
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Wie Obama und Merkel eine spezielle Verbindung knüpften.

Die deutsche Kanzlerin wurde am Sonntag darum gebeten, sich an die schönsten Momente mit Präsident Obama während der sieben Jahre seiner Präsidentschaft zu erinnern.

Ihre kurze und bemerkenswert unsentimentale Antwort erklärt warum sie zu Obamas engster transatlantischer Partnerin und der politischen und ideologischen Seelenverwandten des Präsidenten bei entscheidenden Themen wie Syrien, Terrorismus und der russischen Aggression in der Ukraine geworden ist. Mehr als die meisten US-amerikanischen Präsidenten meidet Obama, was er als anbiedernde oder prahlerische Verbündete erachtet. Merkel ist mit absoluter Sicherheit keines von beiden.

Die Kanzlerin verzog bei der Frage des deutschen Journalisten das Gesicht: „Dies ist kein Zeitpunkt um Bilanz zu ziehen“, antwortete sie schroff. Dafür stehen viel zu wichtige Aufgaben an.

Obama, selbst außerstande in irgendetwas außer kompletten – und oftmals schwülstigen – Paragraphen zu reden, lachte breit und nutzte die Gelegenheit, Merkel ein Kompliment zu machen. Er sagte:

„Sie hat einen wirklich guten Sinn für Humor, den sie bei Pressekonferenzen nicht immer zeigt. Sie ist etwas... Nein, sie ist viel ernsthafter vor euch allen.“

Ein amüsiertes Lächeln blitzte auf Merkels Gesicht, woraufhin ein Sturm klickender Kamera-Auslöser von den Fotografen im Raum ausbrach.

Ein ungleiches Paar in der Weltpolitik
Kai Pfaffenbach/Reuters

Offiziell war Obama zum Besuch der Hannover Messe in Deutschland, einer wichtigen Handels- und Technologiemesse welche auch US-amerikanische Unternehmen und Produkte vorstellt. Im Anschluss an ihre Pressekonferenz leiteten er und Merkel die Eröffnungszeremonie, zu der Roboter und Musik aus der Broadway-Show Wicked gehörten. Später am Abend dinierten sie mit deutschen und US-amerikanischen Konzernchefs.

Der tatsächliche Grund für Obamas Auftritt in Deutschland war einfach und direkter: Merkel hatte ihn darum gebeten.

Die Zeiten für Europa sind hart, mit Terrorismus, einer kraftlosen Wirtschaft und einer unvorhergesehenen Flüchtlingskrise. Sie sind auch hart für die langjährige deutsche Kanzlerin die sich unter nie dagewesenem Druck befindet, zu Teilen auch aufgrund ihres entschiedenen Einsatzes für Flüchtlinge, die in den größten Zahlen seit dem Zweiten Weltkrieg nach Europa strömen.

Über Merkel, die im ehemals sozialistischen Ostdeutschland aufwuchs, sagte Obama:

„Vielleicht weil sie selbst einmal hinter einer Mauer gelebt hat, versteht Angela die Beweggründe derer, denen ihre Freiheit verweigert wurde und die nach einem besseren Leben streben.“

Im Versuch den Druck etwas zu mindern vereinbarten Merkel und türkische Spitzenpolitiker letzten Monat ein Abkommen, wonach buchstäblich alle Migranten die versuchen, über die Ägäis nach Europa zu gelangen – Syrer eingeschlossen – zurück in die Türkei geschickt werden. Im Gegenzug erhält die Türkei knapp 6 Milliarden Euro und eine Wiederbelebung der EU-Beitrittsgespräche.

Ein ungleiches Paar in der Weltpolitik
Odd Andersen/pool photo via AP

Im Mittelpunkt der Pressekonferenz standen die Herausforderungen, denen sich Merkel gegenübersieht, vor allem als die beiden Regierungschefs die Notlage der syrischen Flüchtlinge und die Notwendigkeit einer Sicherheitszone im Land diskutierten, wo die Vertriebenen Zuflucht vom Islamischen Staat und den Truppen des syrischen Machthabers Baschar al-Assad suchen könnten.

Obama drückte sein Mitleid für mitten im brutalen Bürgerkrieg des Landes gefangenen Syrer aus. „Uns allen bereitet die dramatische humanitäre Krise innerhalb Syriens große Sorgen. Ich beschäftige mich tagtäglich damit“, sagte er. Doch er sprach sich gegen eine von den Vereinigten Staaten eingerichtete Sicherheitszone aus, da die Absicherung eines derartigen Gebietes tausende Soldaten benötige und mit zu vielen Unwägbarkeiten verbunden sei.

Obama fragte:

„Wie soll man das überhaupt umsetzen? Und wer wird schon Bodentruppen mitten nach Syrien schicken? Wie lässt du Leute hinein? Und wen lässt du hinein und wer muss draußen bleiben? Und wie wird das Ganze überwacht?“

Merkel widersprach nicht. Stattdessen müssten die westlichen Alliierten einen Weg finden, durch die Friedensverhandlungen mit Russland, Iran und Assad-Regime die verletzlichsten Einwohner Syriens zu schützen, so die Kanzlerin. „Wir müssen hier ein Zeichen setzen“, sagte sie in Richtung der Tausenden nach Europa strebenden syrischen Flüchtlinge.

Die beiden Regierungschefs äußerten sich zudem über ihre gemeinsame Unterstützung eines weitreichenden Handelsabkommens zwischen den Vereinigten Staaten und Europa – der Transatlantic Trade and Investment Partnership – die unter einigen Deutschen heftigen Widerstand auslöste. Am Tag vor der Ankunft Obamas versammelten sich Tausende Menschen in Hannover um gegen das Abkommen zu demonstrieren. Obama drückte seine Hoffnung aus, dass sich der Widerstand gegen die Vereinbarung in den USA etwas beruhigen könnte, „wenn die Vorwahlen vorbei sind.“

„Ich denke wir alle wissen, dass Wahlen die Dinge manchmal etwas schwieriger machen können“, sagte er. „Manchmal nehmen Leute dann gewisse Positionen ein, um sich vor Angriffen zu schützen.“

Merkel drückte ihre Unterstützung für den Pakt in typisch schnörkelloser Art aus:

„Er ist wichtig für die deutsche Wirtschaft. Er ist wichtig für die gesamte europäische Wirtschaft. Es sollte in unserem eigenen Interesse liegen, die Verhandlungen zu beschleunigen.“

Die Berichterstatter hatten noch weitere Fragen. Merkel eilte weiter mit ihren kurz angebundenen Antworten.

Sie wurde nach der Aussicht gefragt, mit einem republikanischen Präsidentschaftskandidaten zusammenzuarbeiten – Favorit Donald Trump – der ihre Flüchtlingspolitik als „durchgeknallt“ bezeichnet hat. Merkel zog eine Braue nach oben und hob ihren Kopf – eine Geste, die weitaus mehr verriet als ihre Antwort. Die Kameras klickten wir verrückt. „Zunächst konzentriere ich mich auf die 2016 anstehenden Aufgaben. Damit bin ich ziemlich gut beschäftigt, vielen Dank“, antwortete sie.

Ein Reporter fragte, ob sie sich nun in ihrer Entscheidung, Deutschland aus dem NATO-geführten Einsatz 2011 zum Sturz von Muammar al-Gaddafi in Libyen herauszuhalten bestätigt sehe, zumal Obama mittlerweile zugegeben habe, dass diese nicht gut vorbereitet war. „Lasst uns nach vorne schauen. Lasst uns auf das schauen, was wir erreichen wollen“, sagte sie über das tief zerstrittene Land. „Es ist nicht einfach, keineswegs.“

Zum Schluss der Pressekonferenz wurde Obama danach gefragt, ob er es nicht ein klein wenig bedauere nicht wie Merkel im Amt bleiben zu können, die seit 2005 Kanzlerin ist und sich keiner Beschränkung ihrer Amtszeit gegenübersieht. Obama entgegnete, dass ein so großes und vielfältiges Land wie die Vereinigten Staaten „frisches Blut“ benötigten, er jedoch froh über den Verbleib Merkels sei. „Die Welt profitiert von ihrer konstanten Präsenz“, sagte er.

Unter Bezugnahme auf die Trump-Frage schloss Obama mit einer entschlossenen Verteidigung von Merkels Weisheit und Mitgefühl, vor allem bei der Flüchtlingsfrage:

„Sie steht in dieser Frage auf der richtigen Seite der Geschichte“, sagte Obama mit ansteigender Stimme. „Ich bin dafür sehr stolz auf sie, genau wie auf das deutsche Volk.“

Sollte Merkel das gefallen haben, gab sie es nicht zu erkennen. Stattdessen setzte sie wieder ihr Pokerface auf.

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