Pariser Klimaabkommen
AP Photo/Christophe Ena
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Als im Dezember 195 Nationen sich auf das Pariser Abkommen einigten, wurde es von einigen als monumentale Errungenschaft angepriesen – als den Beginn eines Prozesses, der den giftigen Kelch menschlicher Kurzsichtigkeit an uns vorübergehen lässt. Andere betrachteten ihn als nicht weitreichend genug und als zu spät kommend.

Während die offiziellen Vertreter diese Woche für die Unterzeichnungszeremonie bei den UN zusammenkommen sind in den bisher seit der Einigung vergangenen vier Monaten ominöse Berichte aufgetaucht, die den Zweiflern in die Karten spielen: die globale Erwärmung könnte innerhalb von Jahrzenten eine geologische Spitzengeschwindigkeit erreichen.

Die NASA erwartet, dass 2016 im dritten Jahr in Folge den jährlichen Hitzerekord brechen wird. Die Eisdecke Grönlands erfährt die Frühlingsschmelze Wochen eher als im Durchschnitt. Ein großer Teil der westlichen Antarktis steht vor dem Risiko bis 2100 in den südlichen Ozean abzugleiten, was den globalen Meeresspiegel um einen Meter steigen ließe. Küstenstädte mit Millionen von Einwohnern könnten in der Lebenszeit derer unter Wasser stehen, die heutzutage geboren werden.

Rob DeConto, Geowissenschaftler an der Universität Massachusetts-Amherst und Mitautor der Nature-Studie vom März, die vor dem Schicksal der Antarktis warnt, sagt:

“Der Pakt könnte nicht ausreichend sein, insbesondere in Hinblick auf den Meeresspiegel. Wir müssen wirklich so schnell wie möglich auf keinerlei Emissionen kommen.”

Die Erde ist fast ein Grad Celcius wärmer als vor der industriellen Revolution. Das Pariser Abkommen befasst sich in seinem Kern damit, wie viel wärmer wir die Erde werden lassen während wir die Wirtschaften auf den Verbrauch weniger fossiler Brennstoffe umstellen.

Die Verhandlungspartner waren sich einig darin “den Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur auf gut unter 2 Grad Celcius über dem vorindustriellen Niveau zu halten und Anstrengung dafür zu unternehmen, die Erwärmung auf 1,5 Grad Celsius zu beschränken.”

Die Uneinigkeit der Wissenschaftler bleibt, aber die Frage nach dem akuten Handlungsbedarf gehört nicht dazu. Der wichtigste Streitpunkt die Sensitivität des Klimas in Bezug auf Kohlendioxid. Von der Antwort darauf hängt ab wie viel Zeit uns noch bleibt um erhebliche Katastrophenrisiken zu vermeiden (oder ob überhaupt noch Zeit bleibt).

Climate Action Tracker ist eine von der Children’s Investment Fund Foundation und ClimateWorks gegründete Forschungsgruppe. Im Dezember veröffentlichten ihre Analytiker Schätzungen darüber, worauf sich die nationalen Klimazugeständnisse in Paris summieren lassen. Die Antwort? Auf zu wenig. Die Erderwärmung hat die potentiell gefährliche “Sicherheitszone” von zwei Grad Celsius locker überschritten und das niedrigere Ziel von 1,5 Grad Celsius ist utopisch.

Glücklicherweise beinhaltet das Pariser Abkommen einen fünfjährigen Revisionsprozess, der den Verhandlungspartnern erlaubt, ihre nationalen Zugeständnisse mit der Zeit anzuziehen. Es gibt keine Methode um die indirekten Effekte des Paktes – politisches Kapital für Aktivisten, Wandel in den Konsumgewohnheiten der Energieverbraucher, ein erneuter Anschub für technologische Innovationen – für potentielle Möglichkeiten zur Emissionssenkung zu quantifizieren.

Die andere gute Nachricht – wenn man sie so nennen kann – ist, dass die düsteren Daten von 2016 die Dinge nicht schlimmer machen. Sie bestätigen nur was von vielen schon vermutet wurde: Paris reicht nicht aus.

Die Grundlagen der Klimawissenschaft – mehr Kohlendioxid bedeutet mehr Hitze, was weniger Eis mit sich bringt, was zu steigenden Meeresspiegeln führt usw. – ändern sich nicht wöchentlich oder monatlich. Tatsächlich hat sich die Spanne der Schätzungen, wie empfindlich das Klima auf Kohlendioxid reagieren könnte, in den letzten zwei Jahrzehnten nicht wesentlich verändert.

Wissenschaft ist eine kumulative Sache. Kate Marvel, Wissenschaftlerin am Goddard Institut für Space Studies der NASA sagt:

“Es ist nicht klar ob eine einzige Studie, egal wie fundiert sie ist, den ‘letzten wissenschaftlichen Stand’ repräsentieren kann. Keine einzelne Studie kann uns dazu bringen, ‘Stoppt die Maschinen! Revidiert das Pariser Abkommen!’ zu rufen.”

Vielmehr ist das relevanteste Wissen bereits in die Lektüre der Politakteure eingeflossen. William Nordhaus, Sterling-Professor für Wirtschaft an der Universität Yale, entwickelte ein führendes Forschungsinstrument für den Klimawandel: das “Dynamic Integrated Model of Climate and the Economy”. Die letzten Publikationen können wahrscheinlich nicht viel zu dem großen Bild beitragen, das Nordhaus mit verblüffender Simplizität in seinem Buch von 2013 Climate Casino zeichnet:

“Es ist eine Tatsache, dass sich die Durchschnittstemperatur der Erde mit der relativen CO2-Konzentration in ihrer Atmosphäre ändert.”

Derartige Klarheit kann dennoch nicht bei dem zusätzlichen Problem helfen, welches vielen Angriffen auf das Pariser Abkommen zugrunde liegt. Von irgendwas müssen von Klimaforschern erstellte Szenarien ausgehen und die meisten beginnen bei einer falschen Annahme – dass die Welt einen universellen Kohlenstoffpreis habe oder einen, der über der Menge der Marktkosten für Kohle, Gas oder Öl liegt und der von zukünftigen Faktoren beschädigt werde, wie ein Kommentar aus diesem Monat in Nature Climate Change nahelegt.

Es gibt regional verschiedene Kohlenstoffpreise – wie etwa die, die in der EU erhoben werden und subnationale, wie die in Kalifornien oder Britisch Columbia. Manche sind marktbasiert und erlauben den Handel mit Emissionszertifikaten. Andere sind nur Steuern. Einen derartigen globalen Emissionspreis zu erheben stand in Paris erst gar nicht zur Debatte.

Das Intergovernmental Panel der Climate Change betrachtete 116 Szenarien, welche die Erderwärmung unter der 2-Grad-Celsius-Schwelle halten könnten, schrieb Glen Peters vom Center for Climate and Environmental Research in Oslo. 76 von ihnen gehen von “weltweit einheitlichen Kohlenstoffpreisen im Jahr 2010 aus”. 24 Szenarien simulieren einen globalen Preis ab 2020 und 15 antizipieren einen ab 2030.

Während das diese Woche bei den UN unterzeichnete Abkommen relevantes geopolitisches Gewicht enthält warnt Peters, dass zukünftige Klimaprojektionen die reale Welt reflektieren müssten. Wie einfach (oder schwierig) ist es wirklich Atomkraftwerke zu bauen? Was wenn das Auffangen und Speichern von CO2 aus Kohlekraftwerken niemals funktioniert? Wie wahrscheinlich ist, dass Politiker aggressive und wirksame politische Maßnahmen ergreifen? Peters schlägt vor, dass das IPCC sich auf zentrale Forschungslücken fokussieren sollte:

  • Die Nationen brauchen eine Möglichkeit, um die Erderwärmung ab dem Pariser Abkommen zu messen.
  • Wissenschaftler und Ingenieure müssen alles daransetzten, Technologien zu entwickeln, die CO2 direkt aus der Luft entfernen können.
  • Die Simulation, wie die Weltwirtschaft auf schwindenden Gebrauch von fossilen Rohstoffen reagiert ist nützlich, aber sie könnte dadurch verbessert werden indem “politische Machbarkeit und soziale Akzeptanz” klarer in die Modelle eingeschrieben wären.

“Es gibt einen dringenden Bedarf an auf realistischeren politischen Annahmen basierenden Szenarien,” schrieb Peters.

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