Nordkorea verliert den Informationskrieg
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Kürzlich füllten nordkoreanische Überläufer ein Klassenzimmer in Seoul um Fähigkeiten zu erlernen, die das Regime von Kim Jong Un weiter unter Druck setzen könnten: die Unterwanderung seiner Informationsblockade.

Mehr als 260 Personen haben seit 2011 an der von Überläufern geführten Journalistenschule gelernt, von denen einige im Anschluss bei bis nach Nordkorea empfangbaren Radiosendern arbeiteten oder für Medien des Erzrivalen Südkorea über das Land schrieben.

Einer von ihnen, Daniel Jeong, unterstützt außerdem ein Projekt, in dessen Rahmen 6.000 mit Nachrichten und anderen Medien gefüllte USB-Speicher in sein ehemaliges Heimatland geschmuggelt werden sollen. Er sagt:

„Die Menschen dort brauchen Informationen.“

Während sich Nordkorea internationalen Sanktionen als Reaktion auf seinen Atomtest und den Abschuss einer Langstreckenrakete dieses Jahr gegenübersieht, kämpfen die Machthaber zusätzlich mit der zunehmenden Verbreitung potenziell destabilisierender Informationen über das Leben jenseits seiner Grenzen und Regierung.

Die letztwöchige Flucht 13 nordkoreanischer Restaurantangestellter nach Südkorea und die Enthüllung Seouls diese Woche, dass ein Oberst des höchsten Geheimdienstes im Norden Ende letzten Jahres übergelaufen ist, erhöhen den Druck zusätzlich.

Als Beleg für diese Befürchtungen erklärte Nordkorea Anfang April die Sperrung von Facebook und anderer Social Media- und Nachrichtenseiten. Obwohl lediglich Ausländer und eine winzige Gruppe privilegierter Nordkorea überhaupt Zugang zum Internet haben, stellt die Sperrung eine Maßnahme zur Blockierung einer möglichen Schwachstelle für das Eindringen äußerer Informationen dar.

Jahrzehntelange hielt Nordkorea eine robuste Schranke gegen auswärtige Quellen von Nachrichten und Informationen aufrecht, welche die Unzufriedenheit mit seiner autoritären Führungsriege hätten verstärken können. Diese Blockade wurde nun geschwächt, da bis nach Nordkorea reichende Radiosendungen zugenommen hätten und Mediengeräte wie zum Beispiel Speicherkarten weiter verbreitet seien, sagten Überläufer.

Zu den beliebtesten Inhalten gehören: südkoreanische Seifenopern, die eine weitaus wohlhabendere Gesellschaft spiegeln. Sokeel Park, Head of Research and Strategy bei Liberty in North Korea, eine mit Überläufern arbeitende Organisation, meint dazu:

„Heutzutage ist es schon eine Überraschung wenn Überläufer sagen, sie hätten keine südkoreanischen Videos oder Serien gesehen.“

Nur wenige Beobachter erwarten einen Aufstand nach Vorbild des Arabischen Frühlings um das nordkoreanische Regime durch eine Welle öffentlicher Unzufriedenheit zu stürzen. Der Staat unterhält weiterhin ein höchst effektives System inländischer Überwachung, und jene, die beim Verbreiten ausländischer Medien in Nordkorea erwischt werden erwarten schwere Strafen.

Doch die Verbreitung ausländischer Informationen scheinen das Kalkül Pjöngjangs zu verändern. Die Regierung behauptet ihrem Volk gegenüber nicht mehr fälschlicherweise, dass man das wohlhabendere der beiden Koreas sei, wie es das über viele Jahre getan hat. Kims Konzentration auf die wirtschaftliche Entwicklung könne eine Reaktion auf ein allgemeineres Bewusstsein sein, dass das Land weitaus ärmer als Südkorea sei, so Park.

Der Strom von außen kommender Informationen schwächt überdies die Beziehung zwischen dem Volk Nordkoreas und seiner Regierung. Park berichtete, ein Überläufer habe ihm erzählt, dass er Südkorea als weitaus sichereren Wohnort wahrnahm, nachdem er eine ausländische Dokumentation über das politische System des Landes gesehen hatte. Ein Weiterer erzählte ihm, nordkoreanische Fischer würden südkoreanische Wettervorhersagen benutzen, da diese verlässlicher seien als die lokal ausgestrahlten.

Die Veränderungen zeichnen sich bereits seit Jahren ab. Die 2010 aus Nordkorea geflohene Ju Chan-Yang erzählte, dass sie als sie noch dort lebte die südkoreanischen Serien und Filme viel lieber mochte, da diese Liebe zwischen den Menschen darstellten, und nicht wie in Nordkorea üblich die Liebe für den Staat.

Nordkorea verliert den Informationskrieg
Szene aus dem Film "Myung Wol, die Spionin"

Die USA spielen bei der Verbreitung auswärtiger Informationen in Nordkorea eine wichtige Rolle. Präsident Barack Obama unterschrieb vor kurzem ein Gesetz, dass über fünf Jahre circa 50 Millionen Dollar für Radiosendungen nach Nordkorea und die Verbreitung von Mediengeräten vor Ort zur Verfügung stellt.

The National Endowment for Democracy, eine 1983 zur Stärkung weltweiter demokratischer Transitionen gegründete US-amerikanische Nonprofit-Organisation, stellt auch Mittel zur Verfügung. Im Jahr 2015 förderte sie um die 20 Projekte im Gesamtwert von circa 2 Millionen Dollar im Zusammenhang mit Nordkorea, darunter Radiosendungen und andere mit Journalismus verbundene Initiativen.

Eine der Finanzhilfen macht über die Hälfte des Arbeitsbudgets von Radio Free Chosun aus, eine in Seoul ansässige Radiostation die nach Nordkorea hinein sendet. Kürzlich dehnte es seine Radiosendungen um eine Stunde auf fünf Stunden täglich aus, wobei es nachts sendet, weil es dann leichter für Nordkoreaner ist, heimlich einzuschalten.

Eine Handvoll weiterer von Überläufern geführte Radiostationen operieren von Südkorea aus, während die USA zusätzlich Sendungen in koreanischer Sprache von Radio Free Asia und Voice of America finanzieren. Die britische British Broadcasting Company gab bekannt, die Einrichtung eines Radiosenders in koreanischer Sprache in Erwägung zu ziehen.

Zusätzlich zu gelegentlichen Offensiven gegen die Verbreitung ausländischer Medien habe Nordkorea seine Grenzen verstärkt und außerdem in den letzten Jahren Durchsuchungen von Einreisenden nach subversivem Material ausgeweitet, berichten Menschenrechtsgruppen.

Das North Korea Strategy Center, das die Journalisten-Akademie in Seoul betreibt, ist einer der Gruppen die daran arbeiten, die nordkoreanische Informationssperre zu umgehen. Die Nonprofit-Organisation wird geleitet von Kang Cheol-Hwan, der ein Jahrzehnt in einem nordkoreanischen Straflager verbrachte und als Journalist für Südkoreas auflagenstärkste Zeitung gearbeitet hat.

Nach Angaben der Gruppe hat diese seit ihrer Gründung 2007 400 Radios, 4.000 USB-Sticks und 40.000 DVDs nach Nordkorea geschickt. Kang sagt, das Journalistenprogramm sei mit dem selben Ziel ins Leben gerufen worden, nämlich die Verbreitung von Informationen innerhalb von Nordkorea zu ermöglichen.

Die Teilnehmer steigen mit grundsätzlichen Fähigkeiten wie objektivem Schreiben ein, was schwer für jene sein kann, die instinktiv den Propagandastil des nordkoreanischen Staates imitieren. Es werde allerdings jedes Jahr einfacher, so der Leiter, da neu ankommende Teilnehmer in der Regel schon in Nordkorea mehr Kontakt mit ausländischen Medien gehabt hätten.

„Ich hoffe, dass sie eines Tages zurückgehen und die Pressefreiheit nach Nordkorea bringen können“, sagte er.

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