So ein unterschiedlicher Islam
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Da der Islam auf Recht (Scharia) basiert, führten die Unterschiede in der Auslegung zu regionalen Unterschieden.

Keine Religion ist einheitlich. Wie der Katholizismus, zum Beispiel im ländlichen Italien praktiziert wird, unterscheidet sich von der Art und Weise wie dies, sagen wir, in New York City geschieht. Die Sprache, die Kultur, Traditionen, politischer und sozialer Kontext, und sogar Lebensmittel unterscheiden sich an diesen beiden Orten.

Solche geographischen Unterschiede sind sicherlich wichtig im Islam. Aber auch wichtig sind die zahlreichen Rechtsschulen und deren Interpretationen. Da der Islam eine Religion ist, die auf Recht (Scharia) basiert, haben die Unterschiede in der Auslegung dieses Gesetzes zu regionalen Unterschieden geführt.

Ebenfalls bedeutend in der modernen Welt ist die Existenz anderer Religionen. Malaysia, zum Beispiel, hat einen relativ großen Anteil an religiösen Minderheiten (bis zu 40% der Bevölkerung). Saudi-Arabien hat so gut wie keine.

Das bedeutet, Malaysia musste eine Verfassung entwickeln, die die Rechte religiöser Minderheiten schützt, während Saudi-Arabien es nicht tat. Und das ist der Grund dafür, warum der Islam so anders in diesen beiden Ländern ist.

Denkschulen

Es gibt historische Gründe für diese Unterschiede. Trotz der landläufigen Meinung, erschien Islam nicht vollständig ausgebildet zu der Zeitdes Mohammed (570-632). Zum Beispielgab es große Debatten über die Natur religiöser und politischer Autorität und wer war ein Muslimoder kein Muslim.

Es ist ähnlich unangebracht anzunehmen, dass eine einheitliche Lehre im gesamten Mittelmeerraum und darüber hinaus verbreitet wurde.

Wie sich Mohammeds Botschaft zur Religion des Islam entwickelt hat – vollständig mit rechtlichem und dogmatischem Inhalt – diese Entwicklung brauchte Jahrhunderte und kann hier nicht unser Anliegen sein.

Was jedoch zu beachten sei ist, dass sich seine Botschaft in verschiedene (nicht eingegrenzten) Regionen ausgebreitet hat. Moderne Nationalstaaten würden erst viel später entstehen. Und jedes dieser Gebiete war bereits im Besitz von einer Reihe eigener religiöser, rechtlicher und kultureller Traditionen.

Das Ergebnis war, dass der Islam im Lichte der lokalen Gewohnheiten und Auffassungen artikuliert werden musste. Dies wurde teilweise durch die Schaffung von ordentlichen Gerichten, einer Klasse von Juristen (Ulama; Mullah im Schiismus), einem Gesetzbuch (Sharia) und eines Systems der Interpretation dieses auf Entscheidungen (Fatwas) basierenden Regelwerks.

Viele lokale Bräuche entstanden aus den Versuchen Mohammeds Botschaft zu verstehen. Und durch diese Bräuche und Auffassungen entstanden einzelne Rechtsschulen.

Obwohl es ursprünglich viele solche Schulen gab, reduzierten sie sich im sunnitischen Islam nach und nach auf vier: die hanafitische, die malikitische, die schiitische und die hanbalitische. Während diese vier Schulen einander als orthodox betrachten, haben sie doch unterschiedliche Interpretationen des islamischen Rechts. Einige ihrer Interpretationen sind konservativer als andere.

Es gibt auch eine Reihe solcher Schulen im schiitischen Islam, wie aus dem Bild oben ersichtlich.

Die vier sunnitischen Schulen sind verschiedenen Regionen zugeordnet (wie die schiitischen Schulen es sind). Die malikitische Schule, zum Beispiel, ist heute in Ägypten und Nordafrika stark vertreten. Die hanafitische ist in Westasien, die schafiitische in Südostasien und die hanbalitische (die konservativste) ist vor allem in Saudi-Arabien und den Golfstaaten vorzufinden.

Grundsätzliche Unterschiede

All diese rechtlichen und lokalen Unterschiede haben unterschiedliche Interpretationen der Religion hervorgebracht. Doch trotz einer solchen regionalen und rechtlichen Vielfalt, bestehen viele Muslime und Nicht-Muslime auf der Bezugnahme auf den Islam und die Scharia, als wären sie unveränderliche Einheiten.

Ein Beispiel könnte anschaulich für das Ausmaß der Unterschiede innerhalb Islams sein. Viele Nicht-Muslime sind oft überrascht zu erfahren, welch große Rolle der Kult der Heiligen, und zwar der Sufi-Heiligen (Sufismus ist der islamische Mystizismus), im täglichen Leben von Muslimen spielte und weiterhin spielt.

Ein Sufi-Heiliger ist jemand, der als heilig gilt und der die Nähe zu Gott erreicht hat. Zu diesen Heiligen zu beten und Wallfahrten zu ihren Schreinen zu machen ist ein Weg, um unter anderem um Fürsprache zu bitten.

Obwohl diese Praktiken nicht anders als die Rolle und die Stellung von Heiligen im Katholizismus sind, sind sie im Islam viel lokalisierter. Und diese lokal variierenden Heiligen-Kulte spielten und spielen auch weiterhin eine wichtige Rolle im islamischen religiösen Leben von Marokko im Westen bis nach Pakistan im Osten.

Man glaubt, dass die Verehrung von Heiligen die Kranken heilt, unfruchtbares Land fruchtbar macht, Regen bringt und so weiter. Unnötig zu sagen, dass eine solche Hingabe oft in fundamentalistischen Interpretationen verpönt ist.

Während die meisten Rechtsschulen sich mit solchen Praktiken zufrieden geben, wenn auch mit etwas Unbehagen, verbietet die konservative hanbalitische Schule solche Kulte. Ihre Anhänger haben unter anderem Gräber von Heiligen sowohl in der vormodernen, als auch in der modernen Epoche zerstört. Sie waren auch für die Zerstörung der im Zusammenhang mit Mohammeds Familie stehenden Schreine, wie die Schreine und Gräber von Mohammeds Frau verantwortlich.

Die hanbalitische Schule hat versucht, durch den Reichtum der saudischen Herrscherfamilie gestützt, auch in anderen Bereichen vorzupreschen. Jene Anhänger dieser Rechtsschule haben zum Beispiel Medressen (religiöse Seminare) in Regionen gebaut, die traditionell von anderen Rechtsschulen beeinflusst sind.

Die meisten fundamentalistischen Bewegungen im Islam, einschließlich des Islamischen Staats, kommen aus solchen ultrakonservativen Elementen hervor. Die Taliban in Afghanistan und Pakistan zum Beispiel, werden durch die eher konservativen Elemente der hanbalitischen Ideologie beeinflusst, auch wenn sie in einem überwiegend hanafitischen rechtlichen Umfeld vorzufinden sind.

Das Ziel vieler dieser Gruppen, die manchmal auch als Wahhabiten und Salafisten bezeichnet werden, ist zu dem zurückzukehren, was nach ihrer Vorstellung eine genauso reine oder ursprüngliche Version des Islam ist, wie von Mohammed und seinen frühesten Anhängern praktiziert. Sie haben oft strenge Interpretationen des Islam, eine strenge Kleiderordnung und die Trennung der Geschlechter.

Heute gibt es mehr als eineinhalb Milliarden Muslime weltweit, was den Islam zur zweitgrößten Religion auf unserem Planeten nach dem Christentum macht. Aber es ist eine reiche und bunt gemischte Religion, und diese Vielfalt muss im Umgang mit ihr berücksichtigt werden.

Am wichtigsten ist, dass diese Vielfalt nicht mit simplen Parolen oder Klischees übertüncht werden soll. Dass es Frauen in Saudi-Arabien zu fahren nicht erlaubt ist, aber an Orten wie Malaysia schon - sagt schon einiges über diese Unterschiede aus.

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