Rückeroberung von Mossul
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Die irakische Operation zur Rückeroberung Mossuls wird von Inkompetenz, Misstrauen und Spannungen vor Ort überschattet.

Auf einer Militärbasis einige Kilometer vor der Front wirkt Generalmajor Najim al-Jobori ruhig und selbstbewusst bei der Beschreibung dessen, was er als Fortschritte seiner Truppen bei der Rückeroberung der zweitgrößten Stadt des Landes vom Islamischen Staat (IS) bezeichnet.

Am 24. März verkündete die irakische Regierung den Auftakt der langersehnten Operation zur Rückeroberung von Mossul. Mittlerweile befinden sich irakische Soldaten mit US-Waffen und -Fahrzeugen sowie amerikanische Berater auf der Makhmour-Baiss, welche im Januar als Ausgangspunkt für die Mossul-Operation errichtet wurde. Jobori – der die Operation befehligt – sagt seine Einheiten hätten bereits die erste Phase abgeschlossen. “Gott sei Dank haben unsere Einheiten die Ziele erreicht”, sagt er.

Der Generalmajor mag zuversichtlich klingen, doch Interviews vor Ort sprechen dafür, dass tatsächlich relativ wenig Fortschritte erzielt wurden – und stattdessen Inkompetenz auf dem Schlachtfeld, fehlendes Vertrauen der örtlichen Bevölkerung und Spannungen unter den verschiedenen gegen den IS kämpfenden Gruppen die Kämpfe behindern.

Maysar Nassan, ehemaliger irakischer Soldat dessen Dorf Kharbardan letzte Woche von der Armee zurückerobert wurde, sagt:

“Ich sehe hier Amateurenwerk, keine militärischen Operationen. Ein kleines Dorf, 1000 Quadratmeter, für dessen Befreiung haben sie drei Tage gebraucht.”

Der Fortschritt der Operationen war tatsächlich sehr schleppend. In den fünf Tagen seit die Regierung die Offensive erklärt hatte habe irakische Streitkräfte weniger als 10 Dörfer eingenommen – von denen die Dschihadisten ohnehin viele schon aufgegeben hatten.

Dies könnte zu Teilen auch an taktischen Fehlern liegen. Jobori hat deutlich gemacht, dass er auch von gewöhnlichen Irakern Hilfe bei der Vertreibung der Besatzer erwartet. “Wir hoffen auf einen Aufstand [gegen den IS] in den Dörfern, während wir uns diesen nähern,” sagt er.

Doch die meisten Iraker in diesen Dörfern vertrauen nicht den Kräften, die zu ihrer Befreiung gekommen sind. Als der IS im Juni 2014 nach Mossul und die umliegende Region vordrangen überließen tausende irakische Soldaten ihnen einfach ihre amerikanischen Waffen und Militärfahrzeuge den Plünderern und flüchteten. Die Streitkräfte sind bestenfalls inkompetent, schlimmstenfalls - repressiv und sek­tie­re­risch. Der Vorstoß wurde zusätzlich verlangsamt von Spannungen zwischen irakischen Einheiten und irakisch-kurdischen Peschmerga Kämpfern, die sich als weitestgehend erfolgreicher auf dem Schlachtfeld bewiesen. Bevor die irakische Armee vor einigen Monaten hier auftauchte, verteidigten die Peschmerga diesen Frontabschnitt nachdem sie den IS aus Makhmour verdrängt hatten.

Nun setzt die irakische Armee ihren Vorstoß ohne sie fort. “Die Peschmerga müssen die irakische Armee unterstützen, doch wir erwarten die Anweisungen unserer Anführer”, sagt Ahmed Anwar, Presseoffizier in der nur wenige hundert Meter von Joboris Basis entfernten Peschmerga Komplex, der sich auch darüber beschwert, dass die USA den Irakern bessere Waffen gäbe.

Rückeroberung von Mossul
Azad Lashkari/Reuters

Damit hat er wahrscheinlich recht. Chris Harmer, Senior Analyst beim Institute for the Study of War mit Sitz in Washington meint die USA setzten weiterhin auf die irakische nationale Armee, in die sie bereits Milliarden Dollar investiert hätten, aufgrund von “entweder Illusionen oder Wahn oder Optimismus, dass der Irak immernoch ein einheitlicher Nationalstaat ist”, sagt er. Auf die Peschmerga zu setzen käme seiner Ansicht nach einem Eingeständnis der praktischen Unabhängigkeit Kurdistans gleich.

Doch die Spannungen zwischen irakischen Kurden und Irakern dürften auf einem ungleichen Schlachtfeld eher noch zunehmen. Makhmour ist ein umstrittenes Gebiet, das sowohl von der Zentralregierung in Bagdad als auch der Regionalregierung Kurdistans (KRG) mit Sitz in Erbil für sich beanspruchen. Im Juni 2014 war die Gegend gemischt besiedelt von Kurden und sunnitischen Arabern. Erbil hat seine Absicht das Gebiet zu behalten sehr deutlich gemacht, was wiederum die irakische Militärbasis vor Ort zu einem möglichen Streitpunkt macht.

Auch die kurdischen Einheiten schüren Misstrauen gegenüber der bewaffneten IS Opposition. Gegenüber der Basis sind fast 2.000 Menschen in einem Jugendzentrum versammelt, größtenteils sunnitische Araber, die aufgrund der ersten Phase der Operation Mossul ihre Dörfer verlassen mussten. Die Männer sind in einem separaten Zelt untergebracht, bewacht von Peschmerga. Das Verlassen des Zeltes ist nur zum Essen oder zur Toilette erlaubt.

“Das ist wichtig für die Sicherheit”, sagt einer der die Unterkunft bewachenden Peschmerga. “Wir haben ihnen die Mobiltelefone weggenommen.” Die sunnitisch-arabischen Männer werden in Gruppen zur Befragung durch kurdische Geheimdienstmitarbeiter gebracht, da unter ihnen Mitglieder und Informanten des IS vermutet werden.

Soll es allerdings jemals tatsächlich zu Joboris Aufstand kommen, wird dieser die Unterstützung der lokalen Sunniten benötigen, welche von den kurdischen Einheiten derzeit scharf beobachtet werden. Stammesführer sagen sie würden sehr gerne eine Rolle im Kampf gegen den IS und bei der Rückeroberung ihrer eigenen Dörfer spielen, allerdings würden sie außen vor gelassen und bekämen nicht ausreichend Waffen und Unterstützung.

“Die sunnitischen Stämme müssen Teil dieser Operation sein. Oder zumindest muss man diesen jungen Leuten die Tür öffnen und sie werden äußerst effektive Kämpfer gegen den IS sein”, sagt Hassan Sabawi, Mitglied des Provinzrates von Nineveh, dessen Territorium sich derzeit unter Kontrolle des IS befindet.

Solange all diese widerstrebenden Kräfte keinen Weg der Zusammenarbeit finden, ist irgendein ernsthafter Fortschritt der irakischen Armee bei der Rückeroberung Mossuls nur schwer vorstellbar. Harmer ist überzeugt:

“Die [irakische Armee] ist die qualitativ minderwertigste Militärorganisation im Irak. Sie wird jede Hilfe brauchen, die sie kriegen kann.”

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