Wer wird zum Königinnenmörder?
Kai Pfaffenbach/Reuters
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Merkel geschwächt, aber kaum Rivalen in Sicht

Alle sind sich einig, dass Angela Merkel geschwächt aus den drei Regionalwahlen hervorgeht, in denen ihre Partei schlecht abschnitt und die deutschen Wähler ihr tiefes Unbehagen mit ihrem Handeln in der europäischen Flüchtlingskrise ausdrückten.

Doch selbst wenn ihre Aura der Unfehlbarkeit gelitten hat sehen viele CDU-Abgeordnete Merkel immer noch als potenzielles Zugpferd bei den Bundestagswahlen im nächsten Jahr. Sie scheuen sich davor die Siegerin von drei Bundestagswahlen im Vorfeld dessen fallenzulassen, was zur bisher härtesten Probe werden könnte, da sich die populistische Alternative für Deutschland im Hoch befindet und die Bindung an etablierte Parteien schwächer wird.

Merkel profitiert dabei auch von dem Umstand, dass im Verlauf der letzten 15 Jahre ungefähr ein Dutzend möglicher Herausforderer implodierte, einige davon mit mehr als nur ein bisschen Nachhilfe ihrerseits. Oskar Niedermayer, Politikprofessor an der Freien Universität Berlin, erklärt:

„Merkel achtet sehr darauf, an der Macht zu bleiben. Sie stellt sicher, dass niemand zur Bedrohung wird.“

Alte Schule

Hinter Merkel ist die mächtigste Figur der CDU der verbitterte Finanzminister Wolfgang Schäuble. Einst der auserkorene Nachfolger von Ex-Kanzler Helmut Kohl, musste Schäuble 2000 im Rahmen eines Finanzskandals in den Hintergrund treten und ermöglichte Merkel damit den Griff nach der CDU-Führung. Laut einigen Abgeordneten der CDU ist Schäuble immer noch nachtragend. Doch die meisten sind sich einig, dass er mit einem Alter von 73 Jahren zu alt als möglicher Nachfolger wäre.

Horst Seehofer dominierte die Schlagzeilen als Anführer der konservativen Kritiker Merkels. Doch als Parteichef der in Bayern ansässigen CSU, die Schwesterpartei der CDU, befindet er sich außerhalb von Merkels Partei. Obwohl schon zweimal CSU-Politiker als gemeinsamer Kandidat von CDU/CSU fürs Kanzleramt kandidierten, wird Seehofer (66) deren Beispiel kaum folgen. Überdies hat er bereits seine Rückzugswünsche geäußert.

Unterdessen musste Innenminister Thomas de Maiziére (62) seine ohnehin geringen Chancen auf die Nachfolge von Merkel schwinden sehen. Ein erprobter Verwalter, zeigte er sich letzten Herbst nicht in der Lage die Flüchtlingskrise in den Griff zu bekommen und musste sich die Peinlichkeit gefallen lassen, dass Merkel ihrem Kanzleramtschef die Verantwortung übertrug.

Die Jungen Wilden

Somit wird das Feld für eine jüngere Generation geöffnet, angeführt von der entschlossenen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (57) und Julia Klöckner (43) Vize-Vorsitzende der CDU. Beide haben CDU-Parteigenossen beeindruckt – von der Leyen mit ihrer hyperaktiven Art und Klöckner mit ihrer scheinbar mühelosen Popularität.

Doch beide haben Defizite. Von der Leyen erholt sich gerade erst von einer Untersuchung wegen Vorwürfen sie hätte 1991 ihre Doktorarbeit plagiiert. Sie wurde von „Fehlverhalten“ freigesprochen, wird aber beschuldigt „Fehler“ gemacht zu haben. Abgeordnete erwarten zwar nicht, dass das Urteil ihre Karriere nachhaltig beschädigen wird, doch es könnte durchaus ihren Führungsanspruch dämpfen.

Klöckner erlitt unterdessen am Sonntag einen Rückschlag, als sie als Parteichefin in Rheinland-Pfalz, wo eine der drei Landtagswahlen stattfand, bei ihrem, in fünf Jahren zweiten Versuch der Machtübernahme scheiterte. Sowohl von der Leyen, als auch Klöckner sind Merkels Vertraute und sicher keine Verschwörerinnen. Und beide kenne das Schicksal derer, die Merkel bisher herausgefordert haben, sehr genau.

Wer wird zum Königinnenmörder?
Friedrich Merz

Nach Schäuble war der nächste gescheiterte mögliche Thronfolger Friedrich Merz, in den frühen 2000ern Fraktionsvorsitzender der Partei, als Merkel gerade ihre Macht als Parteichefin konsolidierte. Der smarte Sozialkonservative und Wirtschaftsliberale war zu aufmüpfig für Merkel und seiner politischen Vorstellungen zu sicher. Angesichts ihrer wachsenden Macht zog er sich zurück, gab sein Mandat ab und startete eine erfolgreich Karriere in der Wirtschaft.

Noch jemand der unter Merkel zu leiden hatte, war Norbert Röttgen, ein cleverer einstiger Merkel-Vertrauter, der 2009 zum Umweltminister aufstieg. Er entschied sich 2012 dafür, die CDU als Spitzenkandidat in die Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen zu führen. Doch er behielt weiterhin sein Regierungsamt und weigerte sich den heimischen Wählern zu versprechen sich im Falle einer Wahlniederlage der CDU auf Nordrhein-Westfalen zu konzentrieren. Nach einer krachenden Niederlage entzog ihm Merkel das Vertrauen. Er bekleidet mittlerweile den Vorsitz des Internationalen Ausschusses im Bundestag.

Ein dritter Shootingstar war Karl-Theodor zu Guttenberg, der 2009 im jungen Alter von 37 Jahren Verteidigungsminister wurde, nur um wieder zurückzutreten, nachdem bekannt wurde, dass er bei seiner Doktorarbeit plagiiert hatte. Der CSU-Politiker, mittlerweile Geschäftsmann in den USA, schließt eine Rückkehr nicht aus.

Angesichts der Leichen auf dem Schlachtfeld ist es keine Überraschung dass, wie Niedermayer es ausdrückt, „niemand die Rolle des Königinnenmörders riskieren will.“

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