Alternative für Deutschland kommt
Hannibal Hanschke/Reuters
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Die drei Jahre alte Partei ist bereit, am Sonntag bei drei Landtagswahlen durchschlagende Erfolge einzufahren.

Matthias Leupold, ein 51-jähriger Handelsvertreter, eilt mit einer Plastiktüte voller Flyer, auf denen "Genug!" steht, die schlecht beleuchteten Straßen entlang.

Als Herr Leupold mit seinem Sohn im Randgebiet einer ostdeutschen Universitätsstadt von Briefkasten zu Briefkasten geht, sagt er:

„Ich habe so etwas bislang noch nicht erlebt – einfach pure Wut auf unsere Regierung. Sie begreifen es einfach nicht.“

Am Sonntag wird die Wut von Menschen wie Herrn Leupold möglicherweise Schockwellen durch das politische Etablissement Deutschlands senden. Die Alternative für Deutschland, eine drei Jahre alte populistische Party, die von Politikern und den Leitmedien als gefährlich weit rechts stehend gebrandmarkt wird, wird erwarteter Weise laut Umfragen durchschlagende Erfolge in drei zentralen Landtagswahlen erreichen.

Die treibende Kraft dahinter: die Wut auf die deutsche Kanzlerin Angela Merkel, die sich weigert, die Grenzen ihres Landes für Asylsuchende zu schließen. Selbst nachdem Merkel die Asylgesetze verschärfte und die Türkei drängte, Geflüchtete auf dem Weg nach Europa zurückzunehmen, zieht die Alternative für Deutschland weiterhin Wähler an, die das Gefühl haben, dass die Flüchtlingskrise außer Kontrolle geraten sei, dass die Berichterstattung sie darüber belüge und dass Kritiker der Kanzlerin in der Politik kein Gehör fänden.

Flüchtlingskrise bringt Aufwind für die rechtspopulistische Partei.

Der Erfolg der Partei setzt Frau Merkel unter Druck, den Kurs zu ändern, da enttäuschte Wähler den Bezug zu ihrer konservativen Partei, der Christlich Demokratischen Union, verlieren. Er verleiht auch nationalistischen Gefühlen eine Stimme, die aufgrund der nationalsozialistischen Vergangenheit Deutschlands lange tabu waren und so eine politische Landschaft formten, in der die CDU die traditionelle Dominante des rechten Lagers war.

Unter den drei Bundesländern, in denen am Sonntag Wahlen stattfinden, erreicht die Alternative für Deutschland – bekannt unter dem Akronym AfD – in den westlichen, wohlhabenden Baden-Württemberg und Rheinland Pfalz laut Umfragen 10 Prozent. Aber die Partei wird wahrscheinlich im ostdeutschen Sachsen-Anhalt am erfolgreichsten abschneiden, wo Prognosen sie bei knapp 20 Prozent und damit in Schlagweite zur Übernahme der zweitgrößten Fraktion im Landesparlament sehen. Lokale Politiker der anderen Parteien meinen, dass die AfD Irritationen, die durch die Flüchtlingskrise entstanden sind, reflektiert und verstärkt.

Torsten Zugehör, Bürgermeister der Sachsen-Anhaltinischen Stadt Lutherstadt Wittenberg, dem Geburtsort der protestantischen Reformation Martin Luthers, sagt:

„Es ist äußerst auffällig, wie viel Hass entstanden ist. Mit ihrer Politik und insbesondere ihrer Polemik spaltet die AfD das Land.“

Die AfD, gegründet vor drei Jahren von Konservativen, die Deutschland aus der Euro-Währungsunion herauslösen wollten, stellt nun die Opposition zur Migrationspolitik Merkels als ihr Hauptanliegen dar. Die Partei strebt ein sofortiges Moratorium in der Aufnahme von Asylsuchenden an. Parteiführerin Frauke Petry sagte, dass Grenzposten als letztes Mittel ihre Schusswaffen einsetzen sollten, um Migranten zu stoppen. Ein anderer prominenter Parteifunktionär, Björn Höcke, provozierte „Deutschland! Deutschland“ Rufe bei einer kürzlich stattfindenden Kundgebung und sagte in seiner Botschaft an die Abschaffer Deutschlands – wie etwa Frau Merkel: „Wir kämpfen für eine deutsche Zukunft.“

Friedrich Kramer, Direktor der Evangelischen Akademie Sachsen-Anhalts und prominenter lokaler Kirchenvertreter sagte:

„Dieses Wahlergebnis wird das Signal senden, dass eine relativ große und ernstzunehmende Gruppe von Menschen existiert, die eine Willkommenshaltung gegenüber Migranten radikal ablehnt. Was mich am meisten beunruhigt ist, dass der rassistische Unterton – „Deutschland muss deutsch bleiben“ – immer mehr Unterstützung erfährt.

Herr Zugehör, parteilos, meinte, dass der durch die AfD in seiner Stadt kanalisierte Zorn sich anscheinend nicht so sehr gegen die lokalen Asylsuchenden richte – die weniger als 1 Prozent der Stadtbevölkerung von 46000 Menschen stellen – sondern vielmehr gegen die etablierten Politiker in Berlin, welche über Jahre hinweg die sozialen Sicherungssysteme abgebaut haben und nun Milliarden von Euro für die Neuankommenden ausgeben.

Die Arbeitslosenquote Sachsen-Anhalts von 10,8% liegt fast doppelt so hoch wie der derzeitige Arbeitslosenanteil in den alten Bundesländern. Das Durchschnittseinkommen zählt zu den niedrigsten der Bundesrepublik. Und nur ein Vierteljahrhundert nach der Wiedervereinigung haben die Menschen hier im ehemals sozialistischen Ostdeutschland weniger Vertrauen in die etablierten Parteien – wie die CDU von Frau Merkel – als ihre westdeutschen Mitbürger.

Alternative für Deutschland kommt
Frauke Petry, Vorsitzende der AfD Sachsen. Fabrizio Bensch/Reuters

Die Unterstützung der AfD reicht weit in den Mittelstand hinein. Am Mittwochabend zwängen sich neun Freiwillige in das Arbeitszimmer von Dirk Hoffmann, Versicherungsmakler und Vorsitzender des Wittenberger Parteiablegers, der 2014 einen Sitz im Wittenberger Stadtrat gewann. Ihre Aufgabe: Briefkästen in der Umgebung mit tausenden von Flugblättern zu füllen.

Auf einem steht "Genug!", ein anderes warnt vor einem „Schweigekartell aus Politik und Medien“ in Bezug auf sexualisierte Gewalt durch muslimische Männer und drängt Frauen dazu, Trillerpfeifen für den Fall einer Vergewaltigung bei sich zu tragen.

„Wenn du Frau und Kinder zurücklassen kannst, kann es nicht so schlimm sein.“ sagt Herr Hoffmann und weist damit den Gedanken zurück, dass junge syrische Männer auf dem Weg nach Deutschland wirklich Schutz verdient hätten. „Ich glaube nicht, dass wir im Fernsehen die ganze Wahrheit sehen.“

Sowohl Herr Hoffmann als auch Herr Leupold – einer der freiwilligen Unterstützer – geben an, früher Merkels CDU gewählt zu haben. Aber nun sagen sie, dass die Willkommenspolitik der Kanzlerin diese Partei ununterscheidbar von den linksgemäßigten Sozialdemokraten gemacht habe.

Herr Leupold sagt:

„Ich will keinen Hitler oder etwas in diese Richtung. Aber ich möchte ein konservative Partei und meiner Meinung nach ist meine einzige Möglichkeit da die AfD.“

Als Herr Leupold und sein 17-jähriger Sohn die Straßen Flyer verteilend durchkämmen – wobei sie oft auf bellende Hunde treffen – steckt ein Mann in dunklem Hemd und Hosenträgern seinen Kopf aus dem Fenster und ermutigt sie in dem, was sie tun. Der Mann sagt, dass er sich mit einer monatlichen Rente von 700 Euro durchschlagen müsse, während die Geflüchteten großzügig behandelt würden.

„Das ist ein dreckiges Land ohne Gleichheit.“ meint der Mann und beschreibt das Leben im sozialistischen Ostdeutschland als zehnmal besser. „Uns selbst zu bewaffnen und zu kämpfen ist das Beste, was wir tun könnten.“

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