Militär von Nordkorea – wie ist sie wirklich?
Damir Sagolj/Reuters
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Unter großer Anspannung und angesichts der Durchführung ihrer jährlichen Kriegsmanöver durch die USA und Südkorea, was Nordkorea als Generalprobe einer Invasion ansieht, warnt Pjöngjang, dass es auf jegliche Verletzung seines Staatsgebietes mit „gnadenloser“ Vergeltung reagieren werde – einschließlich Angriffen auf Seoul und das US-amerikanische Festland.

“Das Militär zuerst” ist das nationale Credo Nordkoreas, welches immer vor Gefährdungen für sein herrschendes Regime auf der Hut ist und sich auf dem Papier nach wie vor im Kriegszustand mit Washington und Seoul befindet. Mit nuklearer Bewaffnung und stolz auf seine im globalen Vergleich viertgrößte Armee, wird Nordkorea durchgängig als größte Gefahr für den Sicherheitsstatus Ostasiens betrachtet – ein Image, dass der Staat liebend gern fördert und propagiert, wie zuletzt in einer ausufernden Militärparade im vergangenen Oktober.

Die von Südkorea und den USA gemeinsam durchgeführten Waffenübungen begannen am 7. März und werden über einen Monat andauern. Während dieser Zeit steigt die Anspannung zwischen den Staaten regelmäßig.

Pjöngjang hat riesige Mengen an Ressourcen in die Entwicklung seiner Nuklearwaffen und Raketenarsenale sowie den Unterhalt seiner konventionellen militärischen Kräfte gepumpt. Ungefähr 5 Prozent seiner 24 Millionen Einwohner leisten aktiven Militärdienst und zusätzliche 25-30 Prozent sind Mitglied in paramilitärischen oder Reserveeinheiten, die für die Mobilisierung bereitstehen.

Aber wie stark ist Kim Jong Uns Armee genau?

Wir geben hier einen Einblick – basierend darauf, was AP-Reporter und Fotografen auf dem Boden gesehen haben und auf Grundlage des letzten Berichts für den US-Kongress, verfasst vom Büro des Verteidigungssekretärs.

Bodentruppen

Die Zahlen: 950000 Soldaten, 4200 Panzer, 2200 bewaffnete Fahrzeuge, 8600 Artilleriegeschütze, 5500 Raketenträgersysteme.

Hinter den Zahlen: Die Bodentruppen sind – und waren immer – Nordkoreas Trumpfkarte. Während seine Drohung, einen Nuklearangriff auf das US-amerikanische Festland durchzuführen, weit außerhalb seiner derzeitigen Möglichkeiten zu liegen scheint, ist die Gefahr, die südkoreanische Hauptstadt in ein “Flammenmeer” zu verwandeln, durchaus real.

Insbesondere die nordkoreanische Artillerie ist besorgniserregend, da deren Langstreckenwaffen und -raketen fähig sind, Seoul im Kriegsfall von jenseits der Grenze aus zu erreichen.

Die Bodentruppen der Volksrepublik stellen bei weitem den größten Anteil des Militärs. Davon sind 70 Prozent offensiv zur schnellen Mobilisierung im Kriegsfall mit Südkorea um die entmilitarisierte Zone positioniert. Sie sind besonders gut in einigen tausend befestigten Untergrundanlagen stationiert.

Ihre Bewaffnung besteht in größtenteils “veralteter Ausrüstung”, produziert oder basierend auf chinesischen und russischen Fabrikaten, die bis in die 50er Jahre zurückreichen. In den letzten Jahren wurden allerdings neue Panzer, Artillerie und Infanteriewaffen vorgestellt. In der Parade im Oktober präsentierte die KPA ein neues 240 mm Raketenträgersystem mit acht Rohren auf einer fahrbaren Lafette. In den Staatsmedien wurde Kim Jong Un jüngst bei der Inspektion einer neuen Langstrecken-Panzerabwehrwaffe gezeigt.

“Trotz Ressourcen-Engpässen und veraltender Ausrüstung kann die große, offensiv positionierte Armee Nordkoreas einen Angriff auf Südkorea schnell mit geringen oder gar keinen Vorzeichen initiieren” fasst der US-Report zusammen. “Das Militär verfügt über die Möglichkeiten, Südkorea erheblichen Schaden zuzufügen – insbesondere in der Region zwischen der entmilitarisierten Zone und Seoul.”

Nordkoreaner schreiben sich in Pjöngjang auf dem Höhepunkt der Spannungen mit Südkorea für die Armee ein, wie dieses undatierte und von der zentralen nordkoreanischen Nachrichtenagentur (KCNA) veröffentliche Foto zeigt.

Dennoch sind die Bodentruppen Nordkoreas generell unterernährt, schlecht ausgerüstet und ausgebildet. Hinzu kommt, dass die Infanterie in großen Teilen für körperliche Arbeit herangezogen und von Bauarbeiten über Wartungsarbeiten bis hin zum Straßenbau in ländlichen Regionen für alles Mögliche eingesetzt wird.

Seestreitkräfte

Die Zahlen: 60000 Seeleute, 430 Patrouillen-Kampfschiffe, 260 amphibische Landungsschifffe, 20 Minenkampfschiffe, ca. 70 U-Boote, 40 Versorgungsschiffe.

Hinter den Zahlen: Unterteilt in Ost- und Westflotte mit jeweils ungefähr einem Dutzend Hauptstützpunkten, ist die Marine die kleinste Abteilung des nordkoreanischen Militärs. Sie verfügt jedoch über erhebliche Stärken, wie Hovercraft-Fahrzeuge für amphibische Landemanöver und eine der größten U-Boot-Flotten weltweit.

Schätzungsweise 70 Angriffs-, Küsten- oder Mini-U-Boote bieten verstecktes Agieren und unterstützen die Küstenverteidung oder spezielle Operationen immens. Obwohl die Mini-U-Boote Nordkoreas sehr veraltet sind, stellen sie dennoch eine erhebliche Gefahr für Südkorea dar. Diese Schiffe sind in der Lage, sich in der Küstenregion Koreas zu verstecken und könnten Störmanöver durchführen oder möglicherweise südkoreanische Schiffe versenken.

Zusätzlich sind diese U-Boote aufgrund ihrer Miniaturgröße und Dieselmotoren perfekt dafür geeignet, sich ungesehen in vielen der Buchten, Grotten oder natürlichen Meeresarme der koreanischen Halbinsel zu verstecken.

In der Luft

Die Zahlen: 110.000 Soldaten, über 800 Kampfflugzeuge, 300 Kampfhubschrauber, über 300 Transportflugzeuge

Hinter den Zahlen: Hier spielt der 'Erbschafts'-Aspekt des nordkoreanischen Militärs eine große Rolle. Nordkorea hat seit Jahrzehnten keine neuen Kampfflugzeuge mehr erworben. Seine besten Kampfjets sind die in den 1980er Jahren von der Sowjetunion gekauften MiG-29, die MiG-23 und die SU-25 Bodenangriffs-Kampfflugzeuge.

Sie alle leidern unter chronischem Treibstoffmangel und die Piloten bekommen nur wenig Trainingszeit in der Luft. Seine Luftabwehrsysteme sind veraltet und es unterhält weiterhin viele An-2 COLT-Kampfflugzeuge aus den 1940ern, ein einmotoriger, 10-Passagier-Doppeldecker, welcher wahrscheinlich am nützlichsten bei der Absetzung von Spezialeinheiten hinter den feindlichen Linien wäre.

Interessanterweise ist es auch im Besitz einiger MD-500 Kampfhubschrauber aus US-Produktion, die es mutmaßlich unter Umgehung internationaler Sanktionen angeschafft hat. Sie wurden 2013 im Rahmen einer Parade vorgeführt.

Schätzungsweise 50% der nordkoreanischen Luftwaffe ist innerhalb eines 62 Meilen-Radius der Grenze mit Südkorea stationiert. Doch aufgrund des Alters der Luftfahrzeuge hat sich das Land entschieden, die Bodentruppen aufzurüsten und das Land besser gegen Luftschläge zu wappnen, anstatt zu versuchen, die Luftwaffe zu modernisieren.

Trotzdem hat Nordkorea in großem Umfang in die Schaffung sich überschneidender Luftabwehrsysteme investiert, anstatt die Luftwaffe aufzuwerten. Pjöngjang befindet sich im Besitz vielfältiger Modelle von Boden-Luft-Raketen (SAM), darunter ein neuer, mobiler SAM-Werfer, der an den höchst effektiven russischen S-300 erinnert.

Spezialeinheiten

Die Zahlen: Im Bericht für den Kongress nicht genau benannt. Irgendwo um die 180.000 Einheiten. Schätzungen variieren.

Hinter den Zahlen: Nordkorea ist sich darüber im Klaren, dass es waffentechnisch unterlegen, technologisch zurückgeblieben und logistisch Lichtjahre hinter seinen Gegnern ist. Doch es weiß auch, wie es die Rechnung mit Hilfe asymmetrischer Taktiken ausgleichen kann, darunter List, Überraschung und Konzentration auf günstige und erreichbare Mittel mit überdimensionalen Auswirkungen.

Dazu gehören auch Spezialeinsätze von Sonderkommandos – und die nordkoreanischen Spezialeinheiten sind die „am besten trainierten, ausgestatteten, versorgten und motivierten“ Einheiten der KPA. Kommandos können über den Luft- und Seeweg, und möglicherweise sogar auf dem Landweg durch Tunnel unter der DMZ in den Süden eingeschleust werden.

Der Norden arbeitet mit Hochdruck daran, seine Möglichkeiten bei der Cyber-Kriegsführung auszubauen, eine weitere entscheidende asymmetrische Taktik. Es wird vermutet, dass er eine wachsende Anzahl von Drohnen besitzt.

Koreanische Kriegsveteranen salutieren, während sie im Rahmen einer Parade am 27. Juli 2013 auf dem Kim Il Sung-Platz in Pjöngjang zum 60. Jahrestag der Unterzeichnung eines Waffenstillstandes im Koreakrieg von 1950-53 Parolen in Richtung des nordkoreanischen Führers Kim Jong Un rufen. Nordkorea zelebrierte den 60. Jahrestag des Waffenstillstandes im Koreakrieg mit einer massiven Militärparade zur Huldigung der revolutionären Genialität von drei Generationen von Führern, die ihm den „Sieg im großen Befreiungskrieg des Vaterlandes“ schenkten.

Atomwaffen und Raketen

Die Zahlen: Die Anzahl der Atomwaffen wurden im Bericht für den Kongress nicht weiter spezifiziert. Nach Schätzungen auswärtiger Quellen dürfte es sich um mehr als ein Dutzend handeln. 50 ballistische Raketen mit einer Reichweite von 800 Meilen, 6 KN08-Raketen mit einer Reichweite von über 3.400 Meilen, unbekannte Anzahl von Taepodong-2-Raketen mit ähnlicher oder noch größerer Reichweite. Möglicherweise eine U-Boot-gestützte ballistische Rakete. Verschiedene ballistische Raketen geringerer Reichweite.

Hinter den Zahlen: Nordkorea behauptet, am 6. Januar, einen Tag nach der Veröffentlichung des Berichtes des Verteidigungsministeriums, seine erste Wasserstoffbombe getestet zu haben. Diese Behauptung wurde bezweifelt, doch es besteht keinerlei Zweifel darüber, dass es im Besitz von Atomwaffen ist und seine Techniker fieberhaft daran arbeiten, der Qualität und Quantität zu steigern. Größter Vorbehalt an dieser Stelle: die Einsatzbereitschaft seiner Atomwaffen und vieler seiner ballistischen Raketen ist fraglich.

Pjöngjang's größte Herausforderungen bestehen darin, Atomsprengköpfe zu entwickeln, die klein genug sind, um auf seine Raketen zu passen, Wiedereintrittskörper zu testen, die notwendig sind, um diese an ihren Bestimmungsort zu bringen und das gesamte Arsenal hinsichtlich der Verlässlichkeit und Genauigkeit zu testen und zu verbessern.

Seine Taepodong-2 ballistische Rakete ist die militarisierte Version der Rakete, die es am 8. Februar mit einem Satelliten beladen abfeuerte. Nordkorea muss noch den Beweis erbringen, dass es sich im Besitz funktionierender ICBM befindet, die sich allgemein durch eine Reichweite von über 3.418 Meilen auszeichnen.

Allerdings besitzt nach Informationen der Heritage Foundation Nordkorea's neue Taepodong-3-Rakete eine geschätzte Reichweite von 8.077 Meilen. Damit würde sich die gesamte Kontinentalmasse der USA in der Reichweite dieser Rakete befinden. Wenn man annimmt, dass Pjöngjang in der Lage ist, einen Gefechtskopf auf eine Taepodong-Rakete zu montieren und Richtung USA abzufeuern, wären diese Raketen fähig, erheblichen Schaden im gesamten Land anzurichten.

Chemische und biologische Waffen

Hier ist ein großes Fragezeichen. Das US-Verteidigungsministerium behauptet, Pjöngjang treibe Forschung und Entwicklung in beiden Bereichen voran und könne sie auch einsetzen, gab in der letzten Einschätzung jedoch keinerlei Details hinsichtlich biochemischer Waffen.

Es sagte, dass Pjöngjang „wahrscheinlich“ ein Arsenal von „Nerven-, Blasen-, Blut- und Erstickungswirkstoffen“ besitze, die mit Granaten oder ballistischen Raketen eingesetzt werden könnten. Der Norden ist nicht unter den Unterzeichnern der Chemiewaffenkonvention und seine Truppen trainieren Kämpfe in einer verseuchten Umgebung.

Die Nuclear Threat Initiative stellt fest, dass Pjöngjang höchstwahrscheinlich das weltweit drittgrößte Arsenal an Chemiewaffen besitzt, darunter verschiedenste Nervengifte.

Zusätzlich hatte ein nordkoreanischer Überläufer nach Finnland 15 Gigabyte an Daten im Gepäck, die nachwiesen, dass Pjöngjang chemische und biologische Wirkstoffe an der eigenen Bevölkerung getestet hat.

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