ISIS als dürftiger Al-Qaida Ersatz
AP Photo, File
Hauptseite Analytik

Wo der Konflikt mit Al-Qaida ISIS ins Straucheln bringt.

Seit Al-Qaida ihn vor etwas mehr als zwei Jahren aus seinen Reihen verstieß, begann der Islamische Staat einen Siegeszug. Er hat die zweitgrößte Stadt des Iraks eingenommen, ein Kalifat ausgerufen, Al-Qaida Verbündete im Sinai und Nigeria für sich gewonnen und höchst öffentlichkeitswirksame Terroranschläge in Europa und dem Mittleren Osten verübt.

Doch das ist nur eine Seite der Medaille. Trotz der Siege hatte der Islamische Staat bisher Schwierigkeiten, seine neuen Verbündeten zu etablieren und zu behalten. Von Algerien bis Afghanistan geraten seine frischen Ableger unter den Druck lokaler Rivalen und seitens Regierungstruppen. Weit davon entfernt, Al-Qaida als Vorreiter des Dschihad abzulösen, sieht sich der Islamische Staat nun einem sehr realen Krieg mit seiner vorherigen Schutzmacht in der gesamten muslimischen Welt gegenüber.

Das ist die Argumentation einer neuen Arbeit von Daveed Gartenstein-Ross, einem weithin respektierten Anti-Terror-Experten bei der Foundation for Defense of Democracies.

Dazu schreibt Gartenstein-Ross:

„Der Islamische Staat sah sich bei dem Versuch, seine Präsenz über Syrien und Irak hinaus auszuweiten, einem schweren Hindernis nach dem anderen gegenüber, und mehrere seiner neu formierten Unterstützergruppen sind vernichtend geschlagen worden.“

Zum Beispiel Algerien: Im September brach eine Gruppe von Kämpfern des nordafrikanischen Qaida-Ablegers mit Al-Qaida und bildete Jund al-Khilafat, das wiederum dem Islamischen Staat die Treue schwor. Weniger als zwei Wochen später veröffentlichte die Gruppe ein Video der grausamen Enthauptung des französischen Staatsbürgers Hervé Gourdel – angeblich in Vergeltung für die Beteiligung Frankreichs am Militäreinsatz im Irak. Im Dezember erkannte der Islamische Staat seinen algerischen Ableger offiziell an.

Die algerischen Sicherheitskräfte löschten den Ableger innerhalb weniger Wochen aus. Schon Anfang 2015 war Jund al-Khilafah lediglich ein Stück bitterer Erinnerung. „Die algerischen Sicherheitskräfte zerstörten die Gruppe im Rahmen einer Operation kurz nach der barbarischen Hinrichtung Gourdels durch Jund al-Khilafah nahezu vollständig“, sagte Idriss Mounir Lallali vom African Centre for the Study and Research on Terrorism in der Hauptstadt Algier. Lallali erzählte, die Operation sei derart erfolgreich gewesen, dass der Islamische Staat seitdem keinen Terroranschlag mehr in Algerien versucht habe.

Ein ähnliches Schicksal ereilte das Islamic Movement of Uzbekistan (IMU), welches jahrelang mit den Taliban in Afghanistan verbündet war. Im August 2015 wechselte die Gruppe ihre Zugehörigkeit zum Islamischen Staat. Bereits Ende letzten Jahres löste sich die Gruppe auf, nachdem die Taliban eine Offensive gegen ihre einstmaligen Verbündeten und bald auch einen rivalisierenden Talibankommandeur gestartet hatten, der ihren Führern in der Provinz Zabul Unterschlupf gewährt hatte.

Auf Twitter fasste einer der ehemaligen Unterstützer von IMU die Niederlage folgendermaßen zusammen:

„Was die USA und ihre Agenten in 14 Jahren nicht geschafft haben, erreichten die Taliban innerhalb von 24 Stunden.“

Der Islamische Staat steht auch in Somalia vor Schwierigkeiten. Letztes Jahr startete die Gruppe eine Kampagne, um Mitglieder von Al-Qaidas somalischem Ableger Al-Shabaab dazu zu bringen, sich ihrem Kalifat anzuschließen. Doch seitdem hat Al-Shabaab seine eigene Kampagne gegen den Islamischen Staat ins Leben gerufen und droht jedem Abtrünnigen den Hals aufzuschlitzen.

Die Ableger des Islamischen Staats in Jemen und Afghanistan sind auch ins Straucheln geraten, wenn auch nicht in solchem Ausmaß. Gartenstein-Ross verweist auf ein Ereignis im Dezember, als 70 Mitglieder des Islamischen Staats – darunter hohe Führungspersönlichkeiten – eine öffentliche Bekanntmachung verbreiteten, in der sie dem ernannten Führer des jemenitischen Ablegers das Vertrauen entziehen, da dieser ausländische Kämpfer abgelehnt und islamisches Recht verletzt haben soll.

Ein ähnlicher Vorgang spielte sich innerhalb des Khorasan-Ablegers ab, der ein Gebiet umspannt, zu dem Afghanistan und Pakistan gehören. Im Oktober erklärte ein Kommandeur des Islamischen Staats und ehemaliger Guantanamo-Insasse, Abdul Rahim Muslim Dost, er werde keine Befehle mehr vom Kommandeur des Khorasan-Ablegers Hafiz Saeed Khan entgegennehmen.

Gartenstein-Ross argumentiert, dass die Verluste der Ableger des Islamischen Staates eine der zentralen Botschaften untergraben, die die Gruppe versucht, möglichen Rekruten zu vermitteln: dass er sich ständig weiter ausbreitet und an Stärke gewinnt. Er schreibt:

„Die Fehlschläge der Gruppe beim Versuch, sich über Syrien und Irak hinaus auszubreiten, könnten Zweifel an ihrem gesamten Projekt eines globalen Kalifats aufkommen lassen.“

Nicht alle Experten sind komplett seiner Meinung. Cole Bunzel, Doktorand mit Schwerpunkt auf Dschihad-Ideologien und dem Islamischen Staat an der Princeton University, sagte mir gegenüber, es stimme zwar, dass einige Ableger fast nur auf dem Papier existierten, trotzdem sei der Islamische Staat erfolgreicher als Al-Qaida dabei gewesen, zügig Ableger in anderen Ländern zu etablieren.

US-Geheimdienstvertreter, mit denen ich sprach, verwiesen auf die Vorstöße des IS in Libyen in den letzten Monaten, darunter die Einnahme der Stadt Sirte und der Kampf um die Kontrolle von Derna, als Beweise für dessen aktuelle Erfolge. Gartenstein-Ross erkennt die Präsenz des IS in Sirte an. Dennoch sagte er, die dschihadistischen Widersacher des Islamischen Staats vor Ort – so wie Ansar Al-Sharia, jene Gruppe, die 2012 in Benghazi den US-Botschafter und drei weitere US-Amerikaner ermordete – würden weiterhin den libyschen Ableger bekämpfen.

In den vergangenen Monaten wiesen US-Geheimdienstmitarbeiter öffentlich darauf hin, dass die Verbündeten von Al-Qaida, vor allem im Jemen, nach wie vor ein großes Risiko für die USA und ihre Verbündeten darstellten.

Vor diesem Hintergrund scheint es verlockend, im Konflikt zwischen dem Islamischen Staat und Al-Qaida eine Strategie der Nichteinmischung zu verfolgen. Letztendlich sind beide Seiten dieses dschihadistischen Bürgerkriegs Feinde des Westens.

Doch auch das wäre ein Fehler. Der Repräsentant Devin Nunes, republikanischer Vorsitzender von House Permanent Select Committee on Intelligence gab zu, dass der IS und Al-Qaida aus einer globalen Perspektive betrachtet Rivalen seien.

„Doch wenn du ins Hinterland kommst, geht es um Stammeszugehörigkeiten und Regionalismus. Es wird dann zunehmend schwierig, sie auseinanderzuhalten. Sie kämpfen alle um junge, hungrige Köpfe.“

Nunes meinte, er gehe davon aus, dass beide Seiten des dschihadistischen Machtkampfes gegeneinander kämpften, doch dass sie auch kooperieren würden, wenn es ihren Interessen diene. „Beide Gruppen ziehen täglich neue Unterstützer und Sympathisanten an, und wir haben keine Strategie gegen den globalen Dschihad“, fügte er hinzu. Wenn Washington sich doch eines Tages auf eine Strategie festlegen sollte, sollte eine Komponente davon sein, die Art von Spaltungen voranzutreiben, unter denen die weniger erfolgreichen Ableger des Islamischen Staates leiden.

Хотите узнать больше о гражданстве за инвестиции? Оставьте свой адрес, и мы пришлем вам подробный гайд

Bitte beschreiben Sie den Fehler
Schließen
Schließen
Vielen Dank für ihre Anmeldung
Klicken Sie 'gefällt mir' auf Facebook, so dass wir interessante Artikel kostenlos weiter machen können.