Aleppo bereitet sich auf Belagerung vor
Zuma\TASS
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Von den Rebellen kontrollierte Stadtteile werden für den Fall der Belagerung durch Assads Truppen vorbereitet.

Mit dem Anfang der seit ihrem Beginn gefährdeten Waffenruhe in Syrien ging der Agraringenieur Mosaab Khalaf in einen öffentlichen Park Aleppos und begann, den Boden für das Pflanzen von Salat, Kartoffeln und Petersilie vorzubereiten.

Ihm und anderen im von den Rebellen gehaltenen Teil der geteilten Stadt fehlt es nach fünf Jahren des Krieges an Vertrauen in die internationalen Friedensbemühungen. So bereiten sie sich für den schlimmsten Fall vor, in dem das Assads Regime mit der Errichtung einer neuer Belagerung erfolgreich wäre.

Herr Khalaf sagte, dass praktisch alle Parkflächen, die nicht als Friedhöfe benutzt. Per Telefon sagte er:

“Anstelle wie vorher üblich die Park als Erholungsorts zu nutzen, sind sie jetzt entweder mit Gemüse oder mit Märtyrern übersät.”

Aleppo – mit über 2 Millionen Einwohnern einst Syriens bevölkerungsreichste Stadt – ist seit Jahren zwischen den Rebellen im Osten und dem Regime von Präsident Bashar al-Assad im Westen aufgeteilt. Schätzungsweise 300000 Menschen leben noch im Osten, wo sie zu Opfern wiederholter Luftschläge und Artillerieangriffe wurden.

Eine Offensive des Regimes im frühen Februar besetzte das Territorium nördlich von Aleppo, durchschnitt so eine von zwei Nachschublinien der Rebellen und droht, die östliche Hälfte der Stadt einzukesseln. Trotz der am Sonnabend begonnenen Waffenruhe geben Rebellen und oppositionelle Aktivisten an, dass sporadische Luftangriffe nach wie vor um die Hauptstraße und Stadtteile, die das Regime zur Vervollständigung des Belagerungsrings brauchen würde, auftreten.

“Das hier ist Krieg, eine Belagerung könnte in 24 Stunden eintreten”, meint Ammar Abu Ahmad, Verantwortlicher von Sham Humanitarian, einer lokalen Hilfsorganisation.

Belagerungen sind von allen Parteien, auch den IS-Extremisten, als übliche Taktik im Syrienkrieg eingesetzt worden. Hilfsagenturen behaupten, dass die Regimekräfte – sowohl die Armee als auch die verbündeten Milizen – diese häufiger und systematischer verwendet haben, in dem Versuch, die Rebellen herauszutreiben oder oppositionelle Territorien zu befrieden.

Mindesten 23 Menschen verhungerten nach Angaben von Ärzten ohne Grenzen während der Belagerung von Madaya, einem Vorort von Damaskus, durch das Assads Regime, das im Juli damit begann. Erst nach einem globalen Aufschrei gestattete es das syrische Regime den UN-Agenturen, Hilfsgüter zu liefern.

Der Chef für Menschenrechte bei der UN, Zeid Ra’ad al-Hussein sagte in dieser Woche, dass die Hilfslieferungen immer noch wiederholt gestört würden – wenn auch nicht, durch wen – und das Tausende vom Hungertod bedroht seien.

Viele von denen, die im Februar aus dem Osten Aleppos geflohen sind, fürchteten ein ähnliches Schicksal. Sie wurden jedoch nicht in die Türkei eingelassen und sind jetzt nach wie vor verängstigt nach Hause zurückgekehrt, sagte Herr Abu Ahmad via Skype.

Die Waffenruhe erlaubt die Fortsetzung des Kampfes gegen zwei terroristische Gruppen – den IS und die Nusra Front – aber das Regime und seine Unterstützer nutzen diese Namen für die Bezeichnung von Großteilen der bewaffneten Opposition. Am Sonntag bezichtigte die syrische Regierung “Terroristen” des Artilleriefeuers auf Nubil, eine regimetreue Stadt in der nördlichen Provinz Aleppo.

Inzwischen haben Stadtobersten, Hilfsorganisationen und Bewohner im von Rebellen gehaltenen Teil Aleppos damit begonnen, Nahrung, Benzin und Medizin einzulagern, falls sich ihre Situation verschlechtern sollte.

Vor ca. zwei Wochen spendete eine Agrar-Organisation aus der Provinz Aleppo eine Tonne von Saatgut, darunter grüne Bohnen, Brunnenkresse, Tomaten, Auberginen, Rettiche, Okraschoten und Kürbisse, an den oppositionellen Stadtrat von Aleppo.

Herr Khalaf, der für diesen Stadtrat arbeitet, sein Team städtischer Angestellter und Freiwillige verteilen das Saatgut für den Anbau zu Hause – in Höfen, auf Balkons und Dächern – für den persönlichen Bedarf oder in Parks, um andere mit zu ernähren.

Der Stadtrat hat ebenso damit begonnen, Nutztiere aus dem Umland zu kaufen, obwohl er Probleme bei der Geldbeschaffung hat.

“Als wir die Armee sich nähern und Gebiete einnehmen sahen, versuchten wir, in Richtung Agrarkultur und Zucht von Hühnern, Kaninchen und Schafen einzuschwenken”, sagte Herr Khalaf. “Wir müssen das Bewusstsein für die Bedeutung von Gärtnerei angesichts der drohenden Belagerung erhöhen.”

Aleppo bereitet sich auf Belagerung vor
38-jährige Offizier der Rebellengruppe Jabhat Shamiyah bei dem Gespräch mit seiner Familie in einem der verwüsteten Bezirke von Aleppo

Ziad Khayyata, ein Programm-Manager bei Kesh Malek, einer syrischen Nonprofit-Organisation in der Türkei, half dem Stadtrat bei der Kontaktaufnahme für Ratschläge durch Anführer aus Madaya und Douma, einem weiteren belagerten Vorort von Damaskus. Am Telefon sagt er:

“Wir fragen sie: ‘Was sind die wichtigsten Hinweise, die ihr uns geben könnt? Was sind die Dinge, die ihr hättet tun sollen, aber unterlassen habt? Was gibt es für Dinge, die ihr zur Verbesserung der Situation während der Belagerung hättet tun können?”

Als Konsequenz hat es Ost-Aleppo verboten Mehl, Kekse, Datteln und Dattelprodukte aus der Stadt auszuführen und kooperiert mit Rebellen-Checkpoints, um die Maßnahme auch durchzusetzen, sagte Brita Hagi Hassan, Präsident des Stadtrats von Ost-Aleppo.

Neue Hilfslieferungen kommen täglich über die einzige freie Straße an, die Ost-Aleppo mit den Vororten verbindet – auch, wenn nach Angaben von Hilfsorganisationen einige aufgehalten oder sogar durch die anhaltenden Luftangriffe attackiert werden.

Shams Humanitarian hat nach eigenen Angaben 500 Tonnen Mehl und 30 Tonnen Datteln in über die Stadt verteilten Warenhäusern eingelagert, um den Verlust der gesamten Vorräte im Falle eines Luftschlags zu vermeiden. Die Organisation erhielt Unterstützungen von UNICEF, die u. a. Ernährungskonzentrate und Vitamine für 50000 Kinder über drei Monate umfassen.

Ärzte ohne Grenzen schickte medizinische Hilfsgüter für die Unterstützung von Lazaretten und Kliniken, die laut Sprecher Sam Taylor für drei Monate ausreichen.

UN-Agenturen und Hilfsgruppen arbeiten nach Angaben des UN-Büros für Humanitäre Angelegenheiten an der Vorratsbeschaffung für 150000 Menschen für drei Monaten. UN-Agenturen und das Internationale Komitee des Roten Kreuzes schicken auch Wasser.

Aleppo bereitet sich auf Belagerung vor
In Erwartung der Belagerung versuchen die Bewohner von Aleppo Gemüse anzupflanzen im östlichen, durch die Rebellen kontrollierten Teil der Stadt.

Der oppositionelle Stadtrat von Aleppo hat ebenso wöchentlich festgelegte Nahrungsmittelpreise eingeführt und eine Beschwerdestelle für die Inflationsüberwachung eingerichtet, nachdem er von anderen Räten vor Preisunterhöhlungen während Belagerungen gewarnt worden war. Die lokalen Gerichte und die Polizei arbeiten zu deren Durchsetzung mit dem Rat zusammen.

Während die Kosten für ein Kilo Reis im vom Regime kontrollierten Damaskus bei rund 1 Dollar liegt, steht der Preis im nahegelegenen Moadhamiya, das das Regime über drei Jahre lang belagert hatte, bei 17 Dollar. Diese Angaben stammen von The Syria Campaign, einer Anwaltsgruppe, die sich auf den Zivilschutz fokussiert. In Madaya liegt der Preis bei 106 Dollar.

Die U.N. lieferten über 50 Wagenladungen von Hilfsgütern zu 40000 Menschen in Moadhamiya, sagte ein UN-Offizieller.

Aleppo war einst Syriens kommerzieller und industrieller Knotenpunkt, aber viele Händler sind vor den Kämpfen geflohen und die Luftschläge des Regimes haben die meisten seiner Fabrikanlagen zerstört. Um den Einwohnern der Stadt, die keine grundlegenden Gartenbaukenntnisse haben, zu helfen, hat Herr Khalaf eine erklärende Broschüre zusammengestellt.

„Es ist schwer, die Bürger von Aleppo, dem Handels- und Industriezentrum, davon zu überzeugen, dieses zu einem Standort von Agrarkultur zu machen“, sagte er. „Aber diese Veränderung hat das repressive Regime erzwungen.“

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