USA: Das Flüchtlingsproblem ist leicht zu lösen
AP Photo/Vadim Ghirda
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USA steckt in einem Wahlkampf und Kandidaten benutzen das Problem der Flüchtlinge in Europa für eigene Zwecke.

Es ist schwer, den verzweifelten, würdevollen Familien dabei zuzusehen, wie sie sich in einer von der Regierung bereitgestellten Unterkunft in diesem Dorf auf dem Balkan um die Telefon-Ladestationen drängen, während sich zu Hause das alberne Spektakel der Präsidentschaftswahlen entfaltet. Als Fußsoldaten des Leids stolpern sie aus Bussen, und als Erstes bitten sie nicht um Wasser, Essen oder Windeln. Sie sind bereits seit Wochen, manchmal Monaten, unterwegs und müssen sich in Verbindung setzen – mit Verwandten, die sie zurücklassen mussten und vielleicht niemals wiedersehen, oder mit Bekannten, die ihnen Gerüchte über die vor ihnen liegende Strecke mitteilen können.

Sie fliehen aus den Wracks ganzer Staaten. Eine Million wurde bereits im vergangenen Jahr nach Europa gespült, und eine weitere Million steht vor den Toren. Die Führungspersönlichkeiten des Kontinents sehen die massenhafte Einwanderung als größten Härtetest seit dem Zweiten Weltkrieg. Rechtsextreme, fremdenfeindliche Parteien befinden sich im Aufwind. Langjährige Verpflichtungen zu Meinungsfreiheit, Toleranz und offenen Grenzen werden untergraben. Viele Führer verzweifeln an der Abstinenz US-amerikanischer Führerschaft und der zunehmenden Einmischung Russlands.

Keine einfache Lösung

Unabhängig von der politischen Ausrichtung ist es unmöglich, die Ernsthaftigkeit der Probleme zu übersehen, und dass jedes Mittel komplex und schwer greifbar ist. Währenddessen entspinnen sich die republikanische Präsidentschaftsdebatten wie eine Art groteskes Necken auf dem Spielplatz, wobei echte Probleme, sofern diese überhaupt diskutiert werden, als leicht lösbar dargestellt werden.

Donald Trump kündigt an „ISIS umzuhauen.“ Seine Strategie? „Das werden wir, glaubt mir. Das werden wir.“

Ich begleitete eine Delegation des Kongresses unter Führung der Senatoren John McCain (Republikaner, Arizona) und Sheldon Whitehouse (Demokrat, Rhode Island) nach Adasevci. Die serbische Regierung wollte gerne zeigen, wie human sie die Flüchtlinge behandelt. Und das tut sie tatsächlich – zumindest vorläufig.

Migranten kommen über Mazedonien aus dem Süden nach Serbien, nachdem sie Hunderte von Meilen gelaufen, gefahren oder gesegelt sind. Nach einer Tagesreise mit dem Bus Richtung Nordwesten kommen sie an diesem Straßenmotel an, dass zu einer Unterkunft umgebaut wurde. Manchmal steigen sie in einen nahegelegenen Zug nach Kroatien, von dem sie hoffen, dass er gen Norden fährt.

Nicht mehr willkommen

Doch während die wohlhabenden Länder im Norden zunehmend weniger willkommensfreudig werden, wird auch die friedliche Weiterfahrt über die Grenzen in sich zusammenfallen, so wie Passagierabteile in einem havarierten Zug. Schweden schloss das Tor zuerst, gefolgt von Österreich. Auch Deutschland wird da nicht mehr lange fehlen können. Ivan Krastev, Leiter einer bulgarischen Denkfabrik, äußerte gegenüber der New York Times:

„Die grundsätzliche Frage ist, welches Land zu einem Parkplatz für Flüchtlinge wird?“

In Vorausahnung der von Europas beabsichtigten Antwort forderte der griechische Premierminister Alexis Tsipras: „Wir werden es nicht akzeptieren, unser Land in eine dauerhafte Lagerhalle menschlicher Seelen zu verwandeln.“

Plan B für Flüchtlinge

So lange, wie der 'Islamische Steit' sein Unwesen treibt, die Taliban an Boden gewinnen und Bürgerkriege Irak, Syrien, Libyen und Jemen und ihren Fängen halten, wird der Flüchtlingsstrom nicht abreißen. Serbien kann diese Probleme nicht lösen. Die Vereinigten Staaten schaffen es ebenfalls nicht allein, doch ohne US-Führung werden sie sich noch weiter ausbreiten.

Die US-amerikanische Vorliebe für schnelle und einfache Lösungen begann nicht erst mit der Wahlkampfperiode. Präsident George W. Bush hatte versucht, die Welt in 'gut' und 'böse' zu unterteilen, für oder gegen uns, doch die Welt hielt sich nicht daran.

Präsident Obama tat so, als würde das Zurückziehen aus dem Kreislauf von Konflikten diese Konflikte beenden. „Die Flut der Kriege ist dabei, abzuebben,“ verkündete er, als er den Abzug aller Truppen aus dem Irak ankündigte. Doch wieder wollte die Welt sich nicht daran halten.

Nun versichert der republikanische Präsidentschaftskandidat Ted Cruz den US-Amerikanern, wir könnten den Islamischen Staat in die Vergessenheit bomben, während der demokratische Bewerber Bernie Sanders verspricht, den schwierigen Teil der Aufgabe einer mystischen Koalition aus Türkei, Iran und Saudi-Arabien zu überlassen (zwar Todfeinde, aber egal).

Tatsächlich gibt es keine Antworten ohne ein geduldiges und entschlossenes Handeln der USA, sowohl diplomatischer, als auch wirtschaftlicher und militärischer Natur, wenn möglich über internationale Institutionen, wenn nötig aber auch an ihnen vorbei. Solche Anstrengungen werden manchmal Erfolg haben und manchmal scheitern, an welcher Stelle die einzige Option wäre, sich neu aufzustellen und es wieder zu versuchen. Nichts davon sind Dinge, die Menschen gerne hören.

In Adasevci erzählte mir eine 25-jährige Frau, sie sei mit ihrem Ehemann, der vierjährigen Tochter und weiteren Verwandten durch weite Teile Afghanistans, Irans und der Türkei gelaufen. Als ich sie nach den Gründen ihrer Flucht fragte, deutete sie mit einer Geste einen Schleier vor ihrem Gesicht an.

Sie ließ einen Dolmetscher übersetzen:

„Die Taliban kehrten zurück. Es gibt nur Krieg, kein Essen, keine Schulen.“

Sie sagte, sie hoffe, bis nach Deutschland zu kommen: „Wir haben gehört, dass man dort ein gutes Leben hat, wohlorganisiert, ohne Krieg.“ Doch schon vermisst sie ihr Heimatland: „Wenn der Krieg vorüber ist, würden wir gerne wieder zurückgehen.“

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