Kurdischer Aspekt in der Syrien-Frage
Kurdische Demonstranten während einer Protestaktion gegen die Ausgangssperre in Sur, Türkei. Sertac Kayar / Reuters
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Debatte über Kurden gefährdet die Partnerschaft zwischen USA und Türkei.

Steigende Spannungen gefährden die Allianz zwischen der Türkei und den USA im Syrienkonflikt. Diese Gefahr besteht wegen der Kurden, einem Volk des mittleren Ostens, das einen eigenen Staat besitzt. Hier sind fünf Fragen über die Kurden und deren Rolle, in den sich überschlagenden Ereignissen in Syrien und der Türkei:

Frage: Wer sind die Kurden? Wo leben sie und was wollen sie?

Die Kurden sind eine indigene Volksgruppe, zu denen etwa 25 bis 35 Millionen Menschen zählen. Sie verteilen sich in erster Linie über vier Staaten: Türkei, Syrien, Irak und Iran. Sie sind des Weiteren in Armenien und Aserbaidschan vertreten. Kurden folgen der sunnitischen Strömung des Islams, teilen diverse kulturelle Identitäten und sprechen verschiedene Dialekte der kurdischen Sprache. Historisch gesehen siedeln sie in dem Zagros Gebirge, einem Bereich, der Teile von Ländern überspannt, die gemeinhin als Kurdistan oder Land der Kurden bekannt ist. Eine lange Geschichte von Aufständen für eigene Autonomie und deren anschließende Niederschlagung trennte diese Volksgruppe jedoch immer weiter politisch voneinander.

Wieso haben die Kurden eine Priorität für die Türkei?

Die Türkei sah immer schon ungerne die Autonomiebestrebungen der Kurden, da diese immerhin 15 Millionen der Bevölkerung ausmachen. Sie siedeln meist an der südöstlichen Grenze zu Syrien, Irak und Iran. Die Türken unterdrücken den Willen nach Autonomie schon seit den gewaltsamen Aufständen in den späten 1970er Jahre, welche durch die militante Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) angeführt wurde. Die PKK wird von der USA und der Türkei als terroristisch eingeschätzt.

Jetzt sagen die Türken, dass die PKK mit kurdischen Militanten in Nordsyrien, bekannt als Volksverteidigungseinheiten (kurz YPG), eine autonome Region über beide Länder – Türkei und Syrien – schaffen will.

Gibt es Unterschiede zwischen kurdischen Kämpfern in der Türkei und Syrien?

Kurdischer Aspekt in der Syrien-Frage
AP Photo/Murat Bay

Das hängt davon ab, wen man fragt. Die Vereinigten Staaten machen Unterschiede. Sie begründen das damit, dass die YPG-Kämpfer grundsätzlich darauf fokussiert sind ihre Gebiete vor dem syrischen Bürgerkrieg zu schützen und den Islamischen Staat zu bekämpfen. Die Türken sagen, dass die YPG-Kämpfer vor allem die gleichen Ziele wie die PKK haben: Abspaltung durch bewaffneten Widerstand. Sie appellieren an die USA, beide Organisationen als Terroristen zu betrachten.

Wie hat sich diese Meinungsverschiedenheit zu einem eskalierenden Problem zwischen den beiden NATO-Partnern entwickelt?

Die Vereinigten Staaten unterstützen aktiv die Kämpfer der YPG, während die Türkei diese attackiert. Dieser Umstand droht einen tiefen Bruch zwischen den türkisch-amerikanischen Beziehungen zu verursachen. Seit vergangenem Wochenende beschießen – trotz amerikanischer Einwände – die türkischen Streitkräfte Posten der YPG in Syrien. Am vergangenen Donnerstag erhöhte die Türkei den Druck auf die USA. Sie machen die kurdische YPG für den Anschlag in Ankara, bei dem 28 Menschen getötet wurden, verantwortlich. Der türkische Präsident Erdogan sagte, dass die USA eine Wahl treffen müsse, was impliziert, dass eine weitere Spaltung mit den Amerikanern möglich ist.

Wie könnte der Streit um die Kurden den syrischen Bürgerkrieg beeinflussen?

Kurdischer Aspekt in der Syrien-Frage
Die Kurden aus der Selbstverteidigung Armee an der syrisch-türkischen Grenze, protestierend gegen den Einsatz der türkischen Truppen. Rodi Said / Reuters

Es könnte den bereits fünf Jahre andauernden Konflikt zwischen dem syrischen Präsidenten Baschar al-Assad und den gegnerischen Rebellen hinauszögern und verkomplizieren. Die Türkei und die Vereinigten Staaten sind die größten Gegner Assads, die ihn der Abschlachtung der eigenen Leute beschuldigen. Die amerikanisch-türkische Reiberei bei der Kurden-Frage könnte indirekt Assad und seinen Verbündeten Russland und Iran nutzen.

Die Amerikaner haben signalisiert, dass sie nicht dem türkischen Ruf nach militärischer Bodenunterstützung in Syrien folgen werden. Auch wenn Assads Streitkräfte mit russischer und iranischer Unterstützung Territorium zurückgewinnen und ihre Position stärken, sollten die Friedensgespräche stattfinden, so die Position von USA. Die Vereinigten Staaten machten damit auch klar, dass sie eine direkte Konfrontation mit Russland in Syrien vermeiden wollen.

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