Rohöl-Guide
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Ein Leitfaden zum Existenzkampf der Ölproduzenten

Nigerias Bitte um vergünstigte Kredite von Weltbank und Afrikanischer Entwicklungsbank ist nur das jüngste Beispiel für die verheerenden Schäden, die der Absturz der Rohölpreise bei ölproduzierenden Staaten angerichtet hat.

Von Saudi-Arabien bis Venezuela verabschieden sich Regierungen von den "fetten Jahren" und riskieren mit Maßnahmen wie der Senkung von Energiesubventionen und Einschnitten bei den Löhnen öffentlich Beschäftigter politische Unruhen. Da die Preise weiterhin fallen, sind die Versuche, sich unabhängiger vom Öl zu machen, dringender als je zuvor.

„Ein Jahrzehnt des Überflusses wurde vom schlimmsten Handelsschock seit einer Generation beendet“, sagte Simon Williams, Chefökonom für Ostmitteleuropa, den Mittleren Osten und Nordafrika bei HSBC Holding Plc in London. „Es gibt keinen schmerzfreien oder leichten Weg, sich den Verlusten anzupassen oder ihre strukturelle Abhängigkeit von Öl zu verringern.“

Es folgt eine Übersicht einiger zentraler Maßnahmen, die schon ergriffen oder zumindest in Erwägung gezogen wurden. Falls nicht besonders erwähnt, beruhen die Schätzungen für 2016 auf Befragungen von Wirtschaftswissenschaftlern durch Bloomberg.

Saudi-Arabien

Der weltgrößte Ölexporteur hat nie dagewesene Schritte ergriffen, um den Umsatzverlust auszugleichen. Dazu gehört auch die Schwächung eines langjährigen Gesellschaftsvertrages, der saudischen Bürgern für die Unterstützung der Autoritäten einen subventionierten Lebensunterhalt bot. Die Regierung hat die Preise für Benzin, Elektrizität und Wasser angehoben und plant darüber hinaus die Einführung einer Mehrwertsteuer.

Saudi-Arabien hat letztes Jahr zum ersten Mal seit fast 10 Jahren Staatsanleihen ausgegeben. Die Deviseneinlagen der Zentralbank schrumpften 2015 um 115 Milliarden Dollar. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, Anteil an Staatsunternehmern zu verkaufen, darunter auch des Ölgiganten Aramco.

Prognose für 2016: Wachstum: 1,9% vs. 3,4% 2015. Staatsdefizit: 14,3% des BIP vs. 16% (Schätzung der Nationalbank von Abu Dhabi)

Irak

Der zweitgrößte Ölproduzent der OPEC verkleinert 2016 seinen Staatshaushalt auf 105 Trillionen Dinar (88 Milliarden Dollar), 12% weniger als letztes Jahr, und der Haushalt für 2016 ist ausschließlich operativ, ohne Raum für Investitionen. Die Regierung, außerdem verstrickt in einen Kampf mit Milizen des Islamischen Staats, die große Territorien unter ihre Kontrolle gebracht haben, verkündete Sparmaßnahmen, unter anderem bei Löhne im öffentlichen Sektor.

Auch der Irak bat den Internationalen Währungsfonds um Hilfe. Letztes Jahr konnte er sich 1,24 Milliarden Dollar sichern und sollte auch für einen weiteren Kredit infrage kommen, falls er es schafft, sein nicht Öl-abhängiges Primärdefizit im Rahmen eines von IWF-Mitarbeitern überwachten Programmes zu reduzieren. Die Regierung könnte darüber hinaus auch internationale Staatsanleihen ausgeben.

Prognose 2016: Der IWF geht davon aus, dass das BIP 2015 nicht gewachsen ist und erwartet für dieses Jahr eine Ausweitung von 7,1%, vor allem auf Grund der gesteigerten Ölförderung. Der Kreditgeber schätzt, dass sich das Staatsdefizit des Irak von 23,1% auf 17,7% verkleinern wird. Die Zahlen könnten weiter fallen, wenn Irak die IMF-gesteuerten Reformen umsetzt.

Russland

Russland verlässt sich für fast die Hälfte seines Staatseinkommens auf Öl und Erdgas. Die niedrigeren Preise führten zu einer Abwertung des Rubels, woraufhin die Inflation im März 2015 mit 16,9% ihren Höchststand seit 13 Jahren erreichte. Im Dezember entspannte sie sich auf 12,9%, was allerdings immer noch dreimal so ist, wie das erklärte Ziel der Zentralbank.

Die Regierung muss nach den Worten von Finanzminister Anton Siluanov versuchen, 1,5 Trillionen Rubel (19 Milliarden Dollar) an Kosten einzusparen, zuzüglich 10% geringerer Ausgaben, um ein Haushaltsdefizit von über 6% zu vermeiden.

Prognose 2016: 0,8% Rückgang des BIP vs. 3,7% Rückgang. Staatsdefizit: 3,2% des BIP vs. 2,6%

Kasachstan

Das Land stellte im August auf einen freien Wechselkurs um, nachdem der abstürzende Ölpreis und Abwertungen durch Russland und China die Kosten für eine Verteidigung der Währung nach oben schnellen ließen. Präsident Nursultan Nasarbajew hat den Verkauf von Anteilen bei Staatsunternehmen angekündigt, darunter Ölraffinerien, Telekommunikationsunternehmen und Kraftwerke, um Schulden zurückzuzahlen.

Kasachstan zieht darüber hinaus in Erwägung, die Subventionen, die es für erneuerbare Energien zahlt, an den Dollar zu binden, um ausländische Investoren anzuziehen. Der hinter Russland zweitgrößte Ölproduzent unter den ehemaligen Sowjetrepubliken strebt an, bis 2020 10% seines Ölbedarfs durch Erneuerbare zu decken, und 10% bis 2030.

Prognose 2016: Wachstum: 1,5%, unverändert gegenüber 2015; Staatsdefizit: 2,6% vs. 3,3%

Aserbaidschan

Die ehemalige Sowjetrepublik folgte Kasachstan bei der Umstellung auf einen freien Wechselkurs. Allerdings trugen 50% Abwertung des aserbaidschanischen Manat und die Einführung von Kapitalkontrollen letztes Jahr wenig zu einer Entspannung bei. Standard & Poor's stufte das Kreditrating des Landes letzten Monat auf Ramschniveau herunter und verwies dabei auf Aserbaidschans Abhängigkeit von den Ölpreisen, die sich kaum in näherer Zukunft erholen würden.

Die Regierung hält weiterhin daran fest, keine Finanzhilfen zu benötigen. Demnach seien Vertreter von IWF und Weltbank letzte Woche nur im Land gewesen, um Ratschläge zur Verbesserung des Geschäftsklimas in Aserbaidschan und zur Umsetzung eines Privatisierungsprogrammes zu geben.

Prognose 2016: Die Volkswirtschaft könnte laut S&P 2016 um 1% schrumpfen, verglichen mit 1,1% im letzten Jahr. Der IWF rechnet beim Staatsdefizit mit eine Rückgang auf 5,5%, ausgehend von geschätzten 9,2% 2015

Venezuela

Präsident Nicolas Maduro bezeichnete den Verfall der Ölpreise als „finanzielles Fiasko“, da die Summe der für Ölexporte und andere Quellen ins Land fließenden Dollars um 64% zurückging. Die Inflation bei Verbraucherpreisen, schon beim weltweit höchsten Wert von 275%, wird sich erwartungsgemäß 2016 auf 720% mehr als verdoppeln, schätzt der IWF.

Als einer der am schwersten getroffenen Produzenten hat Venezuela versucht, OPEC-Mitglieder und andere Staaten von einer Drosselung der Förderung zu überzeugen, um die Preise nach oben zu treiben. Bis jetzt gab es noch keine Einigung.

Prognose 2016: 4,8% Rückgang des BIP vs. 8% Rückgang. Staatsdefizit: 8,7% des BIP vs. 10,5%

Algerien

Algerien wollte zunächst Ersparnisse nutzen, um die fallenden Öleinkünfte auszugleichen, doch die Regierung hat sich bis Ende 2016 Einsparungen von 9% vorgenommen. Das Parlament hat einen Haushalt verabschiedet, das Preissteigerungen für Benzin, Diesel, Wasser und Strom vorsieht und die Mehrwertsteuer für eine Produkte von 7% auf 17% anhebt.

Die Autoritäten ließen eine Abwertung des Dinar zu, was die Inflationsrate laut IWF dieses Jahr auf 4,1% steigern wird.

Prognose 2016: Der IWF geht für 2016 von einem 3,9-prozentigen Wachstum aus vs. 3% im letzten Jahr, und von einem Staatsdefizit von 11,4% des BIP vs. 13,9%

Vereinigte Arabische Emirate

Die zweitgrößte Volkswirtschaft der arabischen Welt kürzte im August Subventionen für Transportbenzin, verband die Preise mit globalen Kursen und möchte sie für Stromerzeuger ganz abschaffen. Abu Dhabi, das reichste Emirat der Föderation aus sieben Staaten, erhöhte die Wasser und Strompreise um 170 ~, respektive 40%. Einige Unternehmen, wie zum Beispiel die sich im Besitz von Abu Dhabi befindliche Etihad Rails, haben bereits Arbeitsplätze abgebaut.

Nach Meinung von HSBC sind die VAE besser auf anhaltend niedrige Ölpreise eingestellt , als die meisten ihrer Leidensgenossen.

Prognose 2016: Unverändertes Wachstum bei 3%. Staatsdefizit der Bundesregierung: 2,1% des BIP vs. 4%

Katar

Die kleine, gasreiche Nation plant für 2016, die Ausgaben um 7% auf 202,5 Milliarden Riyals (56 Milliarden Dollar) zu kürzen. Bei den Einnahmen geht man von einen Rückgang um etwa ein Drittel aus, wobei die Berechnungen allerdings auf einem Ölpreis von 48 Dollar pro Barrel beruhen.

Prognose 2016: Wachstum wird sich vermutlich von 4,7% auf 4,5% verringern. Nach laut Regierungsschätzungen von 1,7% Überschuss im letzten Jahr erwarten Ökonomen für dieses Jahr ein Defizit von 2,1%.

Nigeria

Afrikas größter Ölproduzent strebt Kredite an, um Rekordausgaben zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums zu finanzieren, welches letztes Jahr wahrscheinlich auf den niedrigsten Stand seit 1999 gefallen ist, was zum bisher höchsten Budgetdefizit von 3 Billionen Naira (15 Milliarden Dollar) führte. Nigeria ist für fast seine gesamten Exporte und zwei Drittel des Staatseinkommens von Öl abhängig.

          **Prognose 2016:** Wachstum kaum verändert bei 4,1%. Staatsdefizit: 2,3% vs. 1,9%

Indonesien

Die größte Volkswirtschaft Südostasiens ist es nicht annähernd so schlecht ergangen wie seinen ölproduzierenden Genossen. Niedrigere Preise erlaubten es der Regierung von Präsident Joko Widodo letztes Jahr, politisch heikle Benzinsubventionen abzuschaffen und Staatshilfen bei Diesel zu deckeln. Trotzdem schaden sinkende Einnahmen aus der Energieproduktion Steuereinnahmen und Regierungshaushalt.

Prognose 2016: Wachstum: 5,2% vs. 4,7%. Staatsdefizit: kaum verändert bei 2,3% des BIP

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