Der Iran und seine Golf-Rivalen
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Der persische Golf im größten wirtschaftlichen Dilemma seit der globalen Finanzkrise.

Während der Iran ein Jahrzehnt internationaler Sanktionen hinter sich lässt, befinden sich seine Rivalen vom Arabischen Golf in ihrem größten wirtschaftlichen Dilemma seit der globalen Finanzkrise.

Die Regierungen des sechs Staaten umfassenden Golfkooperationsrates ergreifen nie dagewesene Maßnahmen, um auf den fallenden Ölpreis zu reagieren und beschneiden einige der großzügigsten Wohlfahrtssysteme der Welt, um steigende Staatsdefizite einzudämmen. In einigen Ländern sehen sich Auftragnehmer verspäteten Regierungszahlungen ausgesetzt, während Unternehmer ihre Belegschaft reduzieren, um Kosten zu sparen.

Jeder wichtige Börsenindex im Mittleren Osten, mit Ausnahme Teherans, stürzte am Sonntag ab, als die Aussicht auf einen Iran, der nun zum bereits übersättigten Ölmarkt stoßen würde, ohnehin schon von fallenden Rohölpreisen und dem weltweiten Ausverkauf von Rohstoffen taumelnde Märkte weiter verunsicherte. Mit dem Ölpreis unter 30 Dollar pro Barrel könnten Regierungen dazu gezwungen sein, weitere Leistungen zu kürzen, die Bürger seit Jahrzehnten genießen – und das zu einer Zeit zunehmender regionaler Unruhen und Stellvertreterkonflikten mit Iran von Syrien bis Jemen.

“40 Jahre lang war die Golfregion abhängig von ihren Energieexporten und dem öffentlichen Sektor, die Region kennt es nicht anders, also gibt es keine einfachen Antworten auf die aktuellen Probleme,” sagte Simon Williams, Chefökonom für Ostmitteleuropa, den Mittleren Osten und Nordafrika bei der HSBC Holdings Plc. in London. Ohne einen Anstieg des Ölpreises müsse die Last von Reformen “durch Staatsbürger getragen werden, die sich steigenden Kosten und sinkenden Reallöhnen gegenüber sehen”, meinte er.

Kaufrausch

Während der Iran unter den Sanktionen in Verbindung mit seinem Atomprogramm litt, nutzten die Staaten des Golfkooperationsrates den Windschatten des Öles, um ihre Reserven aufzustocken und mit Hilfe von Staatsfonds Anteile an Unternehmen von Barclays Plc. bis General Electric Co. zu erwerben. Die Regierungen füllten den öffentlichen Sektor mit Staatsbürgern, während die Mehrheit der Arbeitsplätze im Privatsektor an Ausländer ging.

Das verändert sich langsam. Die Devisenreserven der Saudi-Arabischen Zentralbank verringerten sich in den ersten 11 Monaten des Jahres 2015 um 96 Mrd. Dollar auf 628 Mrd. Dollar, und die Regierung gab zum ersten Mal seit 2007 Staatsbonds aus, um ein Staatsdefizit von ca. 15 Prozent der Wirtschaftsleistung zu finanzieren. Die Obrigkeit plant den Verkauf von Anteilen an staatseigenen Vermögenswerten, wie Straßen und Flughäfen, und hat Treibsoffsubventionen reduziert.

“Sie sehen sich der ersten echten finanzpolitischen Herausforderung seit 15 Jahren gegenüber”, meinte Raza Agha, Chefvolkswirt für den Mittleren Osten bei VTB Capital in London. “Die Durchsetzung dieser Maßnahmen ist eine große Herausforderung.”

Keine Tabus

Hauptverantwortlich für die Maßnahmen ist Prinz Mohammed Bin Salman, Sohn des Königs und Zweiter der Thronfolge. In einem von The Economist veröffentlichten Interview sagte der Prinz, die Regierung werde unter Umständen Teile ihres größten Ölunternehmens privatisieren. Wie seine Vertreter dem Magazin zu verstehen gaben, sei keine Wirtschaftsreform ein Tabu, einschließlich Entlassungen von ineffizienten öffentlich Beschäftigten.

Auch Bahrain sowie Oman haben ihre Treibstoffpreise erhöht und die Autoritäten in Muskat prüfen Pläne zur Abschaffung der Ausnahmen von der Körperschaftssteuer.

Selbst die Vereinigten Arabischen Emiraten und Katar, die der Internationale Währungsfond aufgrund der Menge an Unternehmungsanteilen, die sie im Verhältnis zu ihrer Bevölkerungsgröße halten, als besser gerüstet für den Ölpreisverfall als andere hält, reduzierten ihre Subventionen.

“Der Gesellschaftsvertrag zwischen den Herrschern und ihren Bürgern beruht auf der Gewährleistung von Wohlstand für die Bürger, also birgt jede Veränderung bei den Subventionen oder anderen Leistungen politisches Risiko”, sagte Toby Matthiesen, Forscher an der University of Oxford und Autor von „Die anderen Saudis: Schiismus, Widerspruch und Sektiererei“.

Die Märkte der gesamten Region spüren schon die Folgen. Banken verlangen höhere Zinsen für Kredite untereinander und Investoren zweifeln an der Verlässlichkeit der Zentralbanken der Region mit Blick auf die Dollarbindung.

Kursverfall

Saudi-Arabiens Tadawul All Share-Index fiel am Sonntag um 5,4 Prozent, womit seine Verluste für das zurückliegende Jahr auf 35 Prozent stiegen. Der MSCI Emerging Market-Index fiel im selben Zeitraum um 26 Prozent.

“Die Unsicherheit ist groß und alle begleitenden Nachrichten sind schlecht, wie die Lockerung der Sanktionen gegen Iran und die erwartete Flutung des Ölmarktes durch dessen Ölproduktion und -reserven”, äußerte sich Mohammed Alsuwayed, Leiter der Bereiche Kapital und Geldmärkte bei Adeem Capital in Riad.

Etihad Rail, Bauunternehmer und Betreiber des Schienennetzes der VAE, erklärte, dass man am Sonntag 30 Prozent der Belegschaft entlassen werde, da Abu Dhabi infolge des Ölpreisverfalls Einsparungen vornehmen müsse. Die Nationalbank Ras Al-Khaimah PSC streicht ebenfalls 250 Stellen um auf das schwächere Wirtschaftswachstum zu reagieren.

Die Ausnahme Dubai

In einer im Dezember 2014 veröffentlichten Studie nennt der IWF Dubai, das Handelszentrum der VAE, als Beispiel für eine erfolgreiche wirtschaftliche Diversifizierung am Golf. Es sei “sehr schwierig”, die Abhängigkeit vom Öl zu verringern und hänge normalerweise von politischen Entscheidungen ab, die vor dem Preisschock getroffen wurden, stellte die Studie fest.

Laut einem vorläufigen Haushaltsentwurf, der Sonntag ins Parlament eingebracht wurde, macht das Einkommen aus den Ölexporten im am 21. März beginnenden Haushaltsjahr 25 Prozent der iranischen Staatseinnahmen aus. In Saudi-Arabien liegt der Anteil dagegen bei circa 70 Prozent.

Für Adel Abdel Ghafar, Assistenzprofessor an der Katar University, “muss der Iran nach wie vor viel verlorenes Terrain aufholen und benötigt auch mehr Investitionen, um seine Infrastruktur aufzubauen.”

“Iran und der Golfkooperationsrat befinden sich auf unterschiedlichen wirtschaftlichen Entwicklungsstufen, also benötigt Iran Investitionen in Produktions- und Verarbeitungssektor, und ist damit ziemlich spät dran”, sagte er in einem Telefoninterview. “Sollte der Iran sich als aufholfähig erweisen, kann er auch ein ernsthafter Wettbewerber werden.”

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