Billiges Gas - was bedeutet es für wen?
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Nach dem Öl kollabiert jetzt auch der Preis für Erdgas. Wer verliert?

Hält man schon den Sturz des Ölpreises für dramatisch und zerstörerisch, soll man den Blick auch mal auf den Erdgasmarkt werfen. Die drei größten Erdgasmärkte der Welt, Europa, U.S.A. und Asien, waren einst getrennt. Aber durch die Globalisierung des Handels mit verflüssigten Erdgasvorkommen werden sie immer verbundener. Laut der exzellenten Analyse von Energy Aspect sanken die Preise für Flüssigerdgas, auch LNG genannt (von engl. liquefied natural gas ), im Schlüsselmarkt Nordostasien (die Lieferungen nach Japan und Korea) dieses Jahr um mehr als 50 Prozent und befinden sich derzeit zwischen 7 und 8 Dollar pro 1 Million britischer Wärmeeinheiten (Btu), auch wenn es einen kleinen saisonalen Anstieg im vierten Quartal gab. Im Vergleich zum Anstieg von 2013 bedeutet es fast 70-prozentigen Absturz.

Unglücklicherweise wurden viele Unternehmen etwas unvorsichtig während des Höchststandes und starteten weltweit LNG Projekte. Komplexe Technologie, die bei Verflüssigung angewandt wird, bedeutet auch, dass solche Projekte ziemlich teuer ausfallen. Dabei ist man mit mindestens 5 Milliarden Dollar, oft sogar mehr. Dutzende von Projektplänen wurden gestrichen, was Investoren in solchen Fällen zwang bedeutende Summen abzuschreiben. Aber wirklich schlecht ist, dass viele sich noch im Bauzustand befinden. Sobald Arbeiten erstmal beginnen, ist es sehr schwierig für Firmen aus einer Investitionsentscheidung wieder herauszukommen.

Das Ergebnis ist, dass in den nächsten Jahren zu den bestehenden Kapazitäten werden voraussichtlich 40 Prozent (ca. 128 Millionen Tonnen pro Jahr laut der International Gas Union) hinzugefügt. Allein in Australien werden innerhalb der nächsten zwei Jahre sieben neue Kraftwerke in Betrieb genommen, was die Exportkapazität vervierfacht. Auch zukünftig wird der Markt durch die neuen Zusatzexportvolumen aus den U.S.A., beginnend mit der Sabine Kraftwerk in Louisiana, was nächstes Jahr ans Netz gehen soll, immer weiter destabilisiert. Der Fall der Erdgaspreise auf 2,5 Dollar pro 1 Million Btu verführt gerade zu die Produzenten nach Exportmärkten zu suchen.

Die Nachfrage ist schwach und in einigen Schlüsselmärkten, Japan eingeschlossen, schwindet sie sogar. Der Weiterverkauf der erworbenen Vorräte durch einige Langzeitvertragskäufer führt ebenfalls zwangsläufig zur weiteren Schwächung des Preises.

Und selbst da enden die Probleme noch lange nicht. Geht alles nach Plan, wird Gazprom bis 2019 weitere 55 Milliarden Kubikfuß Gas durch die neue “Nord Stream 2” Pipeline an den europäischen Markt liefern, wo die Nachfrage ehe schon am abfallen ist, da subventionierte erneuerbare Energien immer mehr Marktanteile erzielen.

Je näher 2020 rückt, desto mehr macht sich auch Iran bemerkbar, der aktiv Märkte für die Realisation seiner riesigen Vorkommen von Billiggas sucht. Dabei stehen Iraner nicht alleine da, denn Länder wie Turkmenistan, Australien und viele anderen warten auch darauf ihre Gasvorkommen zu erarbeiten.

Mit immer zu fallenden Kohlepreisen, und ihre Konkurrenz zu Gas sowohl im Energie- als auch im Industriesektor, besonders in den Entwicklungsländern, bleibt wohl die Prognose bei dem fallenden Gaspreis für die nächsten Jahre. Als Ergebnis erntet der Endverbraucher niedrigere Preise und geht als Gewinner raus. Aber wer sind die Verlierer, wenn die Preise weiter fallen?

  • An erster Stelle sind es die Inhaber der Projekte, die verschoben wurden oder nicht weiter entwickelt werden. Das Versprechen eines wirtschaftlichen Aufschwungs durch die Entwicklung von ostafrikanischem Gas von Tansania und Mosambik sei wohl noch viele Jahre entfernt, obwohl die Entwicklungskosten relativ gering sind. Einige andere Projekte – z.B. das Leviathan Schelf vor der Küste Israels – sind von vorne mit höheren Entwicklungskosten verbunden und geraten somit in Not, es sei denn die israelische Regierung findet einen Weg die Gasvorkommen in der eigenen Wirtschaft zu nutzen. Für die unentwickelten Gasvorkommen in Alaska existiert ein Markt schon mal gar nicht.
  • Die nächste Reihe der Verlierer bilden die Konkurrenten des Energieträgers Erdgas. Eine lange Periode niedriger Preise sowohl für Kohle, als auch für Gas lassen Atomkraft sehr teuer aussehen. Der Kohlepreis würde das ändern, aber eine Aussicht auf die effektive Preisgestaltung, bedenkt man die Kosten für CO2-Emissionen, scheint es wohl in naher Zukunft nicht zu geben. Erneuerbare Energien erleben einen Aufschwung aufgrund der öffentlichen und politischen Unterstützung und sinkenden Kosten. Ein solcher Aufschwung bleibt in den meisten Ländern der Atomkraft verwehrt.
  • Aber die größten Verlierer sind die, die zu viel investiert haben in Erwartung des goldenen Gas-Zeitalters. Die Liste wird angeführt von Shell, die einen beträchtlichen Anteil der neuen Kapazitäten, welche in den nächsten fünf Jahren ans Netz gehen sollen, besitzt. Die Unbehaglichkeit der Aktieninhaber von Shell wird dadurch verstärkt, dass das Unternehmen kurz davor ist den 70 Milliarden Dollar schweren Kauf von BG abzuschließen, wobei viele deren Gasvorkommen sehr kostspielig sind. Die neue Firma wird ein weltweit größtes Gaskonzern sein, aber in Anbetracht der derzeitigen Marktsituation bedeutet das für mehrere Jahren nichts Gutes für Shell Aktien.

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