Le Pen ist gefährlicher als Trump
AP Photo/Michel Spingler
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Die Anführererin der Nationalen Front verspricht eine Rückkehr zu einem Europa, das wir längst hinter uns geglaubt haben.

Donald Trump ist erbärmlich; Marine Le Pen ist gefährlich. Der Favorit für die Wahl zum republikanischen Präsidentschaftskandidaten hat ein Flair für das Ungewöhnliche. Die große alte Partei von Abraham Lincoln könnte sich selbst von ihrer eigenen grotesken Kreation verzehrt wiederfinden. Die amerikanischen Demokraten werden es aushalten. Die Führerin der Nationalen Front in Frankreich könnte dagegen die Politik eines ganzen Kontinents aufwühlen.

Letzte Woche hat Herr Trump einen Stopp der Einwanderung von Muslimen in die USA gefordert und damit Frau Le Pen die Schlagzeilen für ihren Triumph in der ersten Runde der französischen Regionalwahlen beraubt. Seine Rivalen im Rennen um die republikanische Präsidentschaftskandidatur verstoßen den letzten Ausbruch eines Kandidaten, dessen Kampagne unverfroren Fremdenfeindlichkeit verbreitet. Weitere Politiker rund um den Globus verurteilen ihn ebenfalls. Selbst für seine ausschweifenden Standards ist Herr Trump zu weit gegangen.

Die Meinungsumfragen werden uns früh genug mitteilen, ob die Basis der Republikaner diese Empörung teilt. Frühere Ergüsse des ungeschminkten Nativismus haben Herrn Trump bei den GOP Aktivisten nicht geschadet. Jedoch ist es immer noch schwer einen Republikaner zu finden, der an seine Nominierung glaubt. Sollten sie sich irren, dann scheint Hillary Clinton auf einem sicheren und entspannten Weg ins Weiße Haus zu sein.

Herr Trump schreit; Frau Le Pen gedieh im Flüstern. Ihr Vater Jean-Marie Le Pen gründete die Nationale Front auf einer kompromisslos antisemitischen Basis. Er beschreibt den Holocaust als ein bloßes „Detail“ der Geschichte. Seine Tochter hat ihn aus der Partei vertrieben und offenkundigen Rassismus durch heimtückische Anspielungen ersetzt. Ein dünner Anstrich von Respektabilität wird, so hofft sie, wird bei den Präsidentschaftswahlen 2017 ihr Weg in den Elysée-Palast sein. Ihre Ziele sind eher Muslime als Juden. Und all das ist verpackt in Pseudo Patriotismus.

Die Angst, die durch die Terroranschläge in Paris entfacht wurde, hat ihrer Partei wahrscheinlich sehr dabei geholfen, die Regionalwahlen zu gewinnen. Frau Le Pen hat die Empörung in quasi in der selben Art und Weise ausgenutzt wie Herr Trump die IS-inspirierte Schießerei in San Bernardino, Kalifornien. Und die Flucht vieler Flüchtlinge aus Kriegsgebieten wie Syrien, Irak und Afghanistan nach Europa war ein Geschenk für eine Partei, die im Islam nur Terror sieht.

Sie wurde von ihren Kontrahenten gesegnet. Die Werte für Präsident François Hollande sind seit den Attacken von Paris gestiegen, doch die Sozialisten tragen die Fußfessel der schwachen Wirtschaft. Und der frühere Präsident Nicolas Sarkozy, der die zentral-rechten Republikaner anführt, wird von einem großen Teil der Wählerschaft verabscheut.

Den Erfolg der Nationalen Front als zyklisches Phänomen anzusehen würde ignorieren, wie Populisten aus den äußeren Lagern in ganz Europa von der tiefen Unzufriedenheit profitiert haben. Nach Jahren hoher Arbeitslosigkeit, stagnierenden Lebensstandards und steigender Einwanderung wurde die Globalisierung zur Hebamme der aggressiven Nationalisten.

Die Währungen von Frau Le Pen sind Angst und Vorurteile. Die Gegner sind „Außenseiter“ - in diesem Fall Moslems und internationale Kapitalisten. Ihre Antwort ist das Schließen von Grenzen und die Zurückforderung von nationaler Kontrolle über die Wirtschaft. Sie sagt die Politik ist zu einem Streit zwischen „Nationalisten und Globalisten“ geworden. Die Nachricht ist ein handgefertigter Appell an die desillusionierten Wähler auf der linken Seite und den Nativisten auf der rechten.

Sie ist auf etwas aus. Werfen wir ein Auge über den Kontinent und Extremisten in allen Facetten, die die Globalisierung für die unsicheren Jahre verantwortlich machen. Die großen etablierten Parteien werden der Absprache in einem Projekt beschuldigt, in welchem die Eliten die einzigen Gewinner waren. Euroskeptiker, wie einst nur die konservativen Briten, wurden zu praktischen Behältern für Feindseligkeit gegenüber Immigranten und multinationalen Unternehmen.

Der hässliche Nationalismus des ungarischen Ministerpräsidenten Viktor Orban, ein bekennender Bewunderer von Russlands Präsident Vladimir Putin, verschmilzt nahtlos in einen ungeschminkten Antisemitismus seiner Partei Jobbik. Erinnernd an die Sprache der 1930er Jahre behauptet Jaroslaw Kaczynski, der weit rechte Anführer von Polens regierender Partei Recht und Gesetz, dass die Flüchtlinge aus dem Syrischen Bürgerkrieg „Parasiten und Krankheiten“ in Europa verbreiten werden. Und in anderen Ländern ziehen Wahlerfolge von Populisten die etablierten Parteien nach rechts.

Deutschland hat sich einer Welle der Fremdenfeindlichkeit, die über Ost- und Mitteleuropa plätchert, zum großen Teil entzogen. Doch der Zustrom der syrischen Flüchtlinge hat Kanzlerin Merkel in der eigenen Christlich Demokratischen Partei, welche befürchtet auf dem rechten Flügel von der Alternative für Deutschland überflügelt zu werden, verwundbar gemacht. Noch vor nicht allzu langer Zeit wurde klar, dass ein zerbrechender Euro die größte Bedrohung für ein liberales, nach außen orientiertes Europa wäre. Die größere Gefahr kommt jetzt vom Anstieg der Identitätspolitik.

Frau Le Pen ist noch nicht die Spitzenkandidatin für den Elysée. Doch die Tatsache, dass sie eine durchaus plausible Wettbewerberin ist, sollte Warnung genug sein. Die Anführerin der Nationalen Front ist nicht einfach nur eine weitere unangenehme Populistin. Sie verspricht Europa eine Rückkehr in für immer vergangen geglaubte Zeiten.

1940 beurteilte George Orwell Mein Kampf von Adolf Hitler. Vorausschauend wie immer ging der große Englische Dichter auf die Emotionale Verbindung des Führers zum deutschen Volk ein. Hitler verstand, dass das Volk manchmal über den Materialismus des „Kampfes und der Selbstopferung hinaus sah, nicht zu vergessen die Trommeln, Flaggen und Loyalitätsparaden.“

Moderne Nationalsozialisten wie Frau Le Pen zerren an den selben viszeralen Emotionen – das Bedürfnis der „Wiederherstellung“ der Nationen gegen die inneren und äußeren Feinde. Das ist wirklich gefährlich.

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