Anders als bei langwierigen Transaktionen (z.B. dem Kauf von Anleihen oder anderen Instrumenten) beinhalten Leerverkäufe signifikante Kosten, die zu den gewöhnlichen Kommissionen hinzukommen. Zu ihnen gehören die folgenden:

Margenzinssätze

Margenzinssätze können äußerst signifikante Ausgaben sein, wenn man mit Aktien mit Margen handelt. Seitdem Leerverkäufe ausschließlich mit Margenkonten durchgeführt werden dürfen, können die Zinssätze für Leerverkäufe sich summieren, vor allem wenn Short-Positionen über einen langen Zeitraum besetzt werden.

Kosten für das Aktienleihen

Aktien, die schwierig zu leihen sind, sei es aufgrund von hohen kurzfristigen Zinsen, einem begrenzten Geldfluss oder aus anderen Gründen, führen “schwer-zu-leihen” Kosten mit sich, die es in sich haben können. Die Kosten gründen sich auf einer jährlichen Rate, die zwischen einem geringen Prozentsatz von nur 1% bis zu 100% des Geschäfts divergieren kann und wird nach der Anzahl der Tage, die ein Leerverkauf geöffnet ist, berechnet. Da die “schwer-zu-leihen” Rate von Tag zu Tag, oder sogar innerhalb eines einzelnen Handelstages fluktuieren könnte, könnte es sein, dass die Rate zu Beginn des Handelsgeschäfts nicht bekannt ist. Die Gebühr wird für gewöhnlich vom Broker entweder zum Monatsende oder zum Ende des Handelsgeschäfts berechnet und wenn die Gebühr hoch sein sollte, kann es negativen Einfluss auf ein eigentlich gelungenes Handelsgeschäft haben.

Dividenden und andere Zahlungen

Der Händler von Leerverkäufen ist für die Dividendenzahlungen von Aktien an die Entität, von dem die Aktien vorher geliehen worden sind, verantwortlich. Darüber hinaus ist der Händler für alle anderen Arten von finanziellen Ereignissen, die mit dem Leihgeschäft im Zusammenhang stehen, verantwortlich, wie beispielsweise Aktiensplits, Nebeneffekte und Boni, die allesamt zu unvorhersehbaren Ereignissen gehören.

Neben diesen Kosten gibt es noch andere Risiken, die ein Leerverkauf mit sich führt:

Das Risiko einer Angebotsknappheit oder von “Buy-Ins”

Eine Aktie mit einem überaus hohen Zinssatz könnte eventuell sehr hohe Preisausschläge haben; dies tritt typischerweise auf, wenn die Triebfedern des Marktes zu einer positiven Entwicklung der Aktie führen, was dann wiederum zu einer Angebotsknappheit führt. Extrem gekürzte Aktien sind ebenso sehr anfällig für “Buy-Ins”, die auftreten, wenn ein Broker eine “schwierig-zu-leihen” Aktie schließt, weil die leihenden Personen sie zurückverlangen. Das Risiko eines “Buy-Ins” ist eines der Hauptrisiken von kurzzeitigen Geschäften, weil sie unvorhersehbar sind und zu ungemeinen Verlusten für den Händler von Kurzzeitgeschäften führen können.

Regulatorische Risiken

Regulatoren können Einschränkungen und Verbote für bestimmte Handelsgeschäfte in spezifischen Sektoren gebieten, auch beispielsweise auf dem Aktienmarkt, um etwa Panik und nicht notwendigen Druck einzudämmen. Solche Handlungen können Preiserhöhungen auf dem Aktienmarkt nach sich ziehen und den kurzzeitigen Händler dazu nötigen, seine Positionen zu hohen Verlusten auch weiterhin zu decken.

Gegensatz zum Trend langwährender Märkte

Wenn der langwährende Trend des Markts Aufschwung prophezeit, dann ist ein Leerverkauf eine konträre Strategie. Anders als die Buy-And-Hold Strategie muss sie allerdings opportunistisch und zeitlich gut geplant sein.

Verkehrte Auszahlungsrate

Bei Leerverkäufen ist die Auszahlungsrate umgekehrt, genau so wie der Maximalgewinn – der entsteht, wenn die gekürzte Aktie auf Null fällt – der begrenzt ist, während der Maximalverlust im Kontrast hierzu theoretisch unendlich ist.

Leerverkäufe sind ein Glücksspiel

Die Geschichte zeigt, dass Aktien im Allgemeinen einen nach oben zeigenden Trend haben. Über lange Zeit gewinnen die meisten Aktien an Wert. In diesem Sinne kann es sein, dass wenn ein Unternehmen über lange Zeit kaum Gewinne einfährt, dass die Inflation den Wert ihrer Aktien trotzdem steigen lässt. Dies bedeutet, dass Leerverkauf auch immer ein Wetten gegen die grundlegende Richtung des Markts ist.

Also, zeigt die grundsätzliche Richtung des Markts nach oben, so ist es sehr risikoreich, eine Short-Position über lange Zeit zu besetzen.

Verluste können unendlich sein

Wenn man Leerverkäufe tätigt, dann können die Verlust unendlich sein. Ein kurzfristiges Geschäft ist nicht erfolgreich, wenn der Aktienpreis steigt und die Aktie (jedenfalls theoretisch) in der Weise, die sie steigen könnte, unbegrenzt ist. Kauft man beispielsweise 100 Anteile kurzzeitiger Aktien zum Preis von jeweils 65 Dollar und hofft mit jedem von ihnen Profit machen zu können, die Aktien aber jeweils auf 90 Dollar ansteigen, so macht man im Endeffekt 2500 Dollar Verlust. Auf der anderen Seite kann eine Aktie nicht unter 0 fallen, demnach ist die Tiefe des Falls begrenzt. Fazit: Man kann mehr verlieren als man ursprünglich investiert hat, doch im Optimalfall gewinnt man 100%, wenn ein Unternehmen insolvent wird und die gesamten Aktien an Wert verlieren.

Das Shorten von Aktien geschieht mit geliehenem Geld

Dies wird als Margenhandeln bezeichnet: Man eröffnet ein Margenkonto, das einem erlaubt Geld von einem Brokerunternehmen zu leihen und dieses Geld als Basis für Investitionen zu nutzen. Wenn man langfristige Strategien mit Margenhandel verfolgt, so könnte einem die Kontrolle über Verluste sehr schnell aus der Hand gleiten, denn man muss den minimalen Bewahrungszins von 25% erfüllen. Falls der Wert seines Kontos unter diese 25%-Marke fällt, so wird man zum Objekt eines Margencalls und somit ist man gezwungen, mehr Geld in das Konto zu investieren oder es zu liquidieren.

Shot Squeezes könnten den Profit eines Investments einschränken

Wenn der Aktienpreis steigt oder die Verluste eines Kurzzeithändlers sich erhöhen, dann geschieht das meistens, wenn Händler ihre Positionen fluchtartig verlassen. Diese Flucht treibt den Aktienpreis dann meist noch weiter nach oben. Dieses Phänomen wird auch als Short Squeeze bezeichnet. Für gewöhnliche sind Neuigkeiten auf dem Markt Triebfedern für dieses Ereignis, doch manchmal sind es auch die Händler selbst, die dieses Phänomen durch viele Kürzungen einer ihre Aktien vorantreiben. Deshalb ist es keine gute Idee eine Aktie mit einer hohen kurzzeitigen Zinsrate nicht zu kürzen. Ein Short Squeeze ist ein wunderbarer Weg um sehr viel Geld sehr schnell zu verlieren.

Selbst wenn man richtig liegt, so könnte es immer noch der falsche Zeitpunkt sein

Das letzte und auch größte Problem ist das falsche Timing. Auch wenn ein Unternehmen überbewertet ist, könnte es eine ganze Weile dauern bis es zusammenfällt. In der Zwischenzeit ist man dann sehr anfällig für Margencalls und für die Erhöhung Zinssätzen. Akademiker und Händler haben über etliche Jahre zu erklären versucht, warum der Marktpreis einer Aktie von seinem intrinsischen Wert abweicht. Und immer noch wollen sie ein Modell erschaffen, dass allgemeingültig sein kann und es wahrscheinlich niemals sein wird.

Als Beispiel hierfür kann man die Dotcom Blase nehmen. Natürlich hätte man den Vogel abgeschossen, wenn man zu Beginn der 2000er Jahre Top-Aktien gekürzt hätte, doch viele glaubten sogar ein Jahr zuvor, dass die Aktien überbewertet waren. Man würde im Armenhaus sitzen, wenn man den Nasdaq im Jahr 1999 gekürzt hätte! Das war die Zeit, in der der Nasdaq hoch oben bei 86%, auch wenn die Aktie zu Zwei-Dritteln sank. Dies steht im Gegensatz zum weitverbreiteten Glauben, dass die Wertungen der Jahre vor 1999 den Nasdaq besser abbildeten. Doch wie auch immer, im Jahre 2002 kam der Nasdaq wieder zu seinem Wert aus dem Jahr 1999 zurück.

Timing ist eine witzige Sache. Egal, ob es allgemeine Physik oder den Aktienmarkt betrifft, es ist etwas, dem man nicht ins Auge blicken möchte. Es braucht lediglich ein klitzekleinen Fehler, um einen umzubringen. Und so wie man ja auch nicht vor eine Horde wildgewordener Stiere springen würde, so wird man wohl auch nicht gegen den positiven Trend einer Aktie wetten.

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