Während des Dotcom-Booms der späten neunziger Jahre war die Vorstellung von Dividenden-Investmentstrategien geradezu lächerlich. Damals schnellte alles im zweistelligen Prozentbereich nach oben und niemand wollte sich mit den 2-3% Gewinnen aus Dividenden abgeben. Immerhin war man nun Teil der "New Economy": die Regeln hatten sich geändert, und Unternehmen die Dividende zahlten waren zu sehr "Old Economy".

Wie Bob Dylan einst sang, "The times, they are a-changin'." Nachdem der Bullenmarkt der Neunziger zu Ende ging, fand die wankelmütige Masse Dividenden plötzlich wieder attraktiv. Für viele Anleger haben sich Dividenden zahlende Aktienwerte als äußerst sinnvoll herausgestellt. In diesem Artikel werden wir erklären was Dividenden sind und wie man sie für sich arbeiten lassen kann.

Hintergrund zu Dividenden

Eine Dividende ist eine Überweisung aus den Gewinnen eines Unternehmens; sie wird vom Vorstand eines Unternehmens verkündet und unter den Aktionären verteilt. Anders ausgedrückt sind Dividenden der Anteil eines Investoren an den Profiten eines Unternehmens, den er als Teilhaber desselben erhält. Abgesehen von Optionsstrategien sind Dividenden für Anleger die einizge Möglichkeit, vom Besitz von Aktien zu profitieren ohne die Beteiligung am Unternehmen abzugeben.

Wenn ein Unternehmen im operativen Geschäft Gewinne erwirtschaftet kann das Management auf zwei verschiedene Arten mit den Profiten umgehen. Es kann sich entscheiden, diese zurückzuhalten und mit der Hoffnung in das Unternehmen zu reinvestieren, noch mehr Gewinne zu erzielen und den Wert der Aktie damit weiter zu steigern. Die andere Alternative ist, einen Teil der Gewinne in Form von Dividenden unter den Aktionären zu verteilen. (Das Management kann sich auch dazu entschließen, einige der eigenen Aktien zurückzukaufen - wovon wiederum auch die Aktionäre profitieren würden.)

Ein Unternehmen muss in überdurchschnittlichem Maße wachsen um eine Reinvestition anstatt der Auszahlung einer Dividende zu rechtfertigen. Allgemein gesagt, wenn sich das Wachstum eines Unternehmens abschwächt wird dessen Kurs nicht mehr so stark steigen und Dividenden werden notwendig, um die Aktionäre bei der Stange zu halten. Diese Verlangsamung des Wachstums betrifft sprichwörtlich alle Unternehmen, nachdem diese eine umfangreiche Marktkapitalisierung erreicht haben. Ein Unternehmen wird ganz einfach irgendwann eine Größe erreichen, bei der kein Potenzial mehr für jährliche Wachstumsraten von 30-40% wie bei einer kleineren Firma besteht, egal wieviel Geld man wieder hineinsteckt. Ab einem bestimmten Punkt macht das Gesetz großer Zahlen ein riesiges Unternehmen und Wachstumszahlen über dem Marktschnitt zu einer unmöglichen Kombination.

Die bei Microsoft (Nasdaq: MSFT) im Jahr 2003 beobachteten Veränderungen sind ein perfektes Beispiel dafür, was passiert wenn das Wachstum eines Unternehmens langsam seine natürliche Grenze erreicht. Im Januar 2003 gab das Unternehmen endlich bekannt, dass man eine Dividende zahlen werde: Microsoft hatte so viel Geld auf der Bank, dass es einfach nicht genügend lohnenswerte Projekte fand, für die man es hätte ausgeben können - man kann nicht für immer eine hochfliegende Wachstumsaktie sein!

Die Tatsache, dass Microsoft anfing eine Dividende zu Zahlen war kein Signal für dein Niedergang des Unternehmens; sie zeigte lediglich, dass Microsoft zu einem riesigen Unternehmen herangewachsen und in einen neuen Abschnitt seines Lebenszyklus eingetreten war, weshalb es sich wohl nicht mehr mit derselben Geschwindigkeit verdoppeln oder verdreifachen konnte, wie zuvor

Dividenden führen nicht in die Irre

Mit der Entscheidung für die Zahlung von Dividenden gibt das Management letztendlich zu, dass die operativen Gewinne bei den Aktionären besser angelegt sind, als wenn sie wieder ins Unternehmen investiert würden. Anders gesagt ist das Management der Ansicht, dass eine Reinvestition der Profite zum Erreichen weiteren Wachstums den Aktionären eine geringere Rendite einbringen wird, als wenn sie in Form von Dividenden verteilt werden.

Es gibt für ein Unternehmen noch eine weitere Motivation für die Auszahlung von Dividenden: eine beständig wachsende Dividendenauszahlung wird als deutliches Signal für den anhaltenden Erfolg eines Unternehmens betrachtet. Die beste Eigenschaft von Dividenden ist, dass sie nicht gefälscht werden können. Sie werden entweder gezahlt oder nicht, legen zu oder eben nicht.

Bei Profiten ist das nicht der Fall, da diese letztendlich die bestmögliche Vermutung eines Buchhalters hinsichtlich der Profitabilität eines Unternehmens sind. Viel zu oft müssen Unternehmen aufgrund aggressiver Buchhaltungspraktiken ihre vergangenen ausgewiesenen Gewinne korrigieren, was wiederum Anlegern einige Probleme bereiten kann, da diese vielleicht bereits ihre Einschätzung der zukünftigen Kursentwicklung auf diese (unzuverlässigen) vergangenen Gewinnmeldungen gestützt haben.

Die erwarteten Wachstumsraten sind ebenso unzuverlässig. Ein Unternehmen kann viel von wundervollen Wachstumschancen erzählen, die sich nach einigen Jahren auszahlen werden, doch es gibt keine Garantien dafür, dass es das beste aus seinen reinvestierten Profiten machen wird. Wenn die festen Zukunftspläne eines Unternehmens (welche dessen aktuellen Aktienkurs beeinflussen) doch nicht umgesetzt werden, wird das Portfolio mit hoher Wahrscheinlichkeit darunter leiden.

Dahingegen kann man sich sicher sein, dass kein Buchhalter Dividenden korrigieren oder einem den entsprechenden Scheck wieder wegnehmen kann. Darüber hinaus können Dividenden vom Unternehmen nicht für Expansionspläne verpulvert werden, die sich letztlich nicht auszahlen. Die Dividenden, welche man für seine Aktien erhält, gehörem einen zu 100%. Man kann damit anstellen was immer man möchte: den Hauskredit abzahlen, sie als diskretes Einkommen ausgeben oder sich bei einem Unternehmen einkaufen, dem man bessere Wachstumsaussichten zuschreibt.

Wer bestimmt die Dividendenpolitik?

Der Vorstand eines Unternehmens entscheidet, welcher Prozentsatz der Profite an die Aktionäre weitergegeben werden soll und steckt dann die verbleibenden Gewinne wieder zurück in das Unternehmen. Obwohl Dividenden in der Regel quartalsmäßig ausgeschüttet werden, ist es wichtig zu wissen, dass das Unternehmen keineswegs verpflichtet ist, in jedem einzelnen Quartal eine Dividende zu zahlen. Tatsächlich kann das Unternehmen jederzeit die Auszahlung einer Dividende einstellen. Das ist allerdings eher selten, vor allem für ein Unternehmen mit einer langen Geschichte von Dividendenauszahlungen.

Wenn sich die Leute an den vierteljährlichen Empfang einer Dividende von einem ausgewachsenen Unternehmen gewöhnt habe, käme ein plötzlicher Stopp dieser Zahlungen an die Investoren einem unternehmerischen finanziellen Selbstmord gleich. Sofern die Entscheidung zur Einstellung der Dividendenzahlungen nicht von einer Art Strategiewechsel begleitet wird, zum Beispiel alle Gewinnrücklagen in umfangreiche Expansionsprojekte investieren zu wollen, würde sie darauf hindeuten, dass mit dem Unternehmen etwas grundsätzlich nicht stimmt. Aus diesem Grund wird der Vorstand in der Regel vieles versuchen, um zumindest weiterhin den selben Dividendenbetrag zu zahlen.

Worin Dividenden Anleihen ähneln

Wenn es um die Pros und Kontras Dividenden zahlender Aktienwerte geht, sollte man auch deren Volatilität und Kursentwicklung im Vergleich zu direkt auf Wachstum ausgerichteten Aktien ohne Dividenden im Auge haben.

Da börsennotierte Unternehmen mit heftigen Reaktionen des Marktes rechnen müssen, wenn sie ihre Dividendenzahlungen einstellen oder kürzen, können Anleger mit relativ hoher Sicherheit von verlässlichem Dividendeneinkommen ausgehen, solange sie ihre Aktien halten. Daher verlassen sich Anleger tendenziell in ganz ähnlicher Weise auf Dividendenzahlungen, wie sie es auch bei Zinszahlungen von Unternehmensanleihen tun.

Da sie als quasi-Anleihen betrachtet werden können, zeigen Dividenden zahlende Aktienwerte Preischarakteristiken, die sich in gewissem Maße von jenen der Wachstumsaktien unterscheiden. Dies liegt daran, dass sie ähnlich wie bei einer Anleihe ein regelmäßiges Einkommen bieten, andererseits den Investoren aber noch die potenziellen Vorzüge einer positiven Kursentwicklung ermöglichen, wenn das Unternehmen gut performt.

Investoren, die am Wachstumspotenzial des Börsenmarktes teilhaben wollen, kombiniert mit der Sicherheit des (verhältnismäßig) festen Einkommens dank Dividenden, sollten das Hinzufügen von Aktien mit hohen Dividenden zu ihrem Portfolio in Erwägung ziehen. Ein Portfolio mit Dividenden zahlenden Aktienwerten wird wahrscheinlich weniger anfällig für Preisschwankungen sein als ein Portfolio mit Wachstumsaktien. (Deswegen werden Dividenden häufig als gutes Investment in rezessiven Zeiten betrachtet.)

Zusammenfassung

Ein Unternehmen kann nicht für immer wachsen. Wenn es eine gewisse Größe erreicht und sein Wachstumspotenzial weitestgehend ausgeschöpft hat, ist die Ausschüttung von Dividenden der vielleicht beste Weg für ein Management, eine Beteiligung der Aktionäre an den Profiten des Unternehmens sicherzustellen. Die Ankündigung einer Dividende mag zwar Anzeichen eines verlangsamten Wachstums bei einem Unternehmen sein, doch sie verweist auch auf die nachhaltige Fähigkeit eines Unternehmens, Geld zu verdienen. Dieses nachhaltige Einkommen wird wahrscheinlich ein bestimmtes Maß an Preisstabilität gewährleisten, sofern es regelmäßig in Form von Dividenden ausgezahlt wird. Und am wichtigsten dabei ist, dass das Geld in der Tasche der Beweis dafür ist, dass die Profite wirklich existieren und man sie entweder reinvestieren oder nach Lust und Laune ausgeben kann.

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