Obwohl Hedgefonds meistens in den Medien schlecht wegkommen, sind viele von ihnen tatsächlich gute Investitionen und können integraler Bestandteil eines gut diversifizierten Portfolios sein. Doch was genau ist eigentlich ein Hedgefonds, und was sind einige der Faktoren die man über Hedgefonds wissen sollte, bevor man eine Investition tätigt? In dem folgenden Tutorial werden wir einige grundsätzliche Eigenschaften und Anlagestrategien von Hedgefonds vorstellen, sowie einige einfache Leitlinien zur Einschätzung von Hedgefonds. Auf keinen Fall sollte dieses Tutorial die Grundlage einer tatsächlichen Entscheidung zur Investition in einen bestimmten Hedgefonds bilden, doch es kann als Leitfaden für eine fruchtbarere Diskussion mit einem Anlageberater dienen, der Erfahrung mit derartigen Konstruktionen hat.

Hedgefonds können äußerst riskante Investitionen sein und viele Anleger hatten bereits unter der Implosion riesiger Hedgefonds zu leiden. In vielen Fällen folgen Anleger dem Herdentrieb Gewinnen nachzujagen und immer mehr Geld in einen leistungsstarken Fonds zu stecken, ohne jedoch darauf zu schauen wie diese Performance erzielt wurde und - noch wichtiger - ob diese sich in der Zukunft wiederholen lässt.

Wir erwarten keineswegs mit diesem Tutorial Hedgefonds-Experten zu schaffen, doch wenn man sich mit Hedgefonds noch nicht auskennt oder man selbst oder der Anlageberater in Erwägung zieht, in Hedgefonds zu investieren, wird dieses Tutorial einige Grundkenntnisse über deren Struktur, Strategien und Eigenschaften vermitteln, sowie auf welche Weise man sie am besten in sein Portfolio integrieren kann.

Strukturen

Strukturell hat ein Hedgefonds einige Gemeinsamkeiten mit einem Investmentfonds. Zum Beispiel ist ein Hedgefonds, genau wie ein Investmentfonds, ein gesammeltes Anlagewerkzeug, das Investitionen in Stammaktien, Anleihen, Optionen und eine Vielfalt anderer Sicherheiten tätigt. Er kann auch von einem eigens zuständigen Manager betreut werden, ähnlich wie ein Sub-Advisor einen Investmentfonds betreut, der von einem großen Investmentfondsunternehmen aufgelegt wird. Hier hören die Gemeinsamkeiten allerdings fast schon auf. Die Hedgefonds zur Verfügung stehende Bandbreite an Investmentstrategien und die Arten von Positionen die sie einnehmen können sind recht weit gefächert und in vielen Fällen äußerst komplex. Im weiteren Verlauf des Tutorials werden wir uns spezifischen Strategien zuwenden, zunächst soll es jedoch um den Aufbau von Hedgefonds gehen.

Organisationsstrukur

Der typische Hedgefonds ist eigentlich eine zweistufige Organisation.

Das General/Limited Partnerschaftsmodell ist die üblichste Struktur für den Pool von Investmentfonds, aus denen sich ein Hedgefonds zusammensetzt. In dieser Struktur übernimmt der General Partner die Verantwortung für die Tätigkeit des Fonds, während Limited Partner Investitionen in die Partnerschaft vornehmen können und lediglich in Höhe der eingezahlten Summen haften. Grundsätzlich muss eine General/Limited-Partnerschaft mindestens einen GP und einen LP haben, kann aber auch über mehrere GPs und eine Vielzahl an LPs verfügen. Allerdings gibt es eine SEC-Regelung, die grundsätzlich die Zahl der Investoren auf 99 beschränkt, um noch von der SEC-Registrierung ausgenommen zu sein.

Die zweite Komponente der zweistufigen Struktur ist jene der General Partnership. Die in der Regel für den General Partner genutzte Organisationsform ist die Kapitalgesellschaft (LLC). Eine LLC ist einer Subchapter S Corporation dahingehend sehr ähnlich, dass sie eine steuerliche Einheit mit Weiterleitungspflicht ist und Anleger nur in Höhe ihrer Investition haften. Die Verantwortung des General Partners besteht darin, den Fonds am Markt zu platzieren und zu verwalten sowie alle für einen normalen Geschäftsablauf notwendigen Maßnahmen zu ergreifen, darunter die Anstellung eines Fondsmanagers (oftmals von einem nahestehenden Unternehmen) und das administrative Management der Tätigkeiten des Fonds.

Gebührenstruktur

Hedgefonds unterscheiden sich auch hinsichtlich ihren Gebührenstruktur relativ drastisch von Investmentfonds. Ihre Gebührenstruktur ist überhaupt einer der Hauptgründe, warum talentierte Geldmanager sich dazu entschließen, ihre eigenen Hedgefonds aufzulegen. Es sind nämlich nicht nur die von Anlegern zu entrichtenden Gebühren höher als bei Investmentfonds, sondern es gibt auch einige zusätzliche Gebühren die von Investmentfonds überhaupt nicht erhoben werden.

Verwaltungsgebühr

Die Verwaltungsgebühr für einen Hedgefonds wird für den gleichen Service erhoben wie bei einem Investmentfond. Der Unterschied besteht darin, dass Hedgefonds in der Regel eine Verwaltungsgebühr von 2% der verwalteten Vermögenswerte verlangen - und in einigen Fällen sogar noch mehr, wenn der Manager stark nachgefragt wird und eine sehr gute Bilanz vorweisen kann. Diese Gebühr alleine macht die Verwaltung eines Hedgefonds attraktiv, doch es ist die folgende Gebühr, die es wirklich zu einem profitablen Unterfangen für gute Fondsmanager macht.

Erfolgsgebühr

Die allermeisten Hedgefonds erheben eine irgendwo zwischen 10-20% der Fondsgewinne liegende Erfolgsgebühr, und einige Hedgefonds haben sogar bis zu 50% angesetzt. Die Idee hinter der Erfolgsgebühr besteht darin, den Hedgefondsmanager für gute Performance zu belohnen, und wenn die Performance des Fonds attraktiv genug ist, werden Anleger zur Zahlung dieser Gebühr bereit sein. Wenn zum Beispiel ein Hedgefondsmanager jährlich einen Profit von 20% nach Verwaltungsgebühren erwirtschaftet, wird dieser 4% der Gewinne einstreichen, womit dem Investoren 16% der Nettoprofite bleiben. In vielen Fällen ist dies trotz der hohen Erfolgsgebühr ein attraktiver Profit, da jedoch mittlerweile zunehmend durchschnittliche Manager auf der Suche nach Reichtum in die Branche drängen, wurden Anleger eher mehr als weniger von den Nettogewinnen bei vielen Fonds enttäuscht.

Einen Haken gibt es allerdings bei der Erfolgsgebühr. Ein Manager kann die Erfolgsgebühr nur dann kassieren, wenn die Profite über dem vormaligen Höchststand, genannt Hochwassermarke, des Fonds liegen. Das bedeutet, dass wenn ein Fonds 5% gegenüber seinem vormaligen Höchststand verliert, der Manager keine Erfolgsgebühr bekommt, bis er oder sie zunächst die 5% Verlust wieder wettgemacht hat. Zusätzlich müssen einige Manager zunächst eine Basisvergütung wie die Durchschnittsrendite für US-Staatsanleihen überspringen müssen, bevor sie irgendwelche Erfolgsgebühren kassieren.

Hedgefonds folgen oftmals der sogenannten "zwei und zwanzig"-Struktur, bei der Manager 2% der gesamten verwalteten Vermögenswerte erhalten sowie 20% der Profite, wobei wie bereits erwähnt diese Gebühren sich zwischen den Hedgefonds unterscheiden können.

Geschäftsbedingungen

Die von einem Hedgefonds aufgestellten Geschäftsbedignungen sind derart individuell, dass jeder von sich komplett vom anderen unterscheiden kann, doch in der Regel basieren sie auf den folgenden Faktoren:

Zeichnungen und Rückkäufe

Hedgefonds haben keine tägliche Liquidität wie Investmentfonds. Einige Hedgefonds können im Monatsrhythmus Zeichnungen und Rückkäufe erlauben, andere wiederum nur quartalsmäßig. Die Bedingungen jedes Hedgefonds sollten zu der dahinterstehenden Strategie des Fondsmanagers passen. Je liquider die entsprechenden Investitionen sind, desto häufiger sollten Zeichnungen und Rückkäufe möglich sein. Jeder Fonds legt auch die für einen Rückkauf benötigten Tage fest, wobei die Spanne von 15 bis 180 Tage reicht und ebenfalls zur dahinterstehenden Strategie passen sollte. Das Verlangen von Rückkaufankündigungen ermöglicht es dem Hedgefondsmanager, effektiv Kapital zur Bedienung des Kapitalbedarfs einzusammeln.

Lock-Ups

Einige Fonds setzen eine bis zu zweijährige "Lock-Up"-Verpflichtung voraus, der üblichste Lock-Up ist jedoch auf ein Jahr beschränkt. In einigen Fällen kann es sich um einen "Hard Lock" handeln, der es dem Anleger unmöglich macht, während des gesamten Zeitraums Kapital abzuziehen, während ein Investor in anderen Fällen Kapital vor Ablauf des Lock-Up abziehen kann, vorausgesetzt man leistet eine Strafzahlung. Diese zweite Variante wird als "Soft Lock" bezeichnet und die Strafzahlung kann von 2% bis in einigen extremen Fällen zu 10% reichen.

Zusammenfassung

Es gibt eine Vielfalt unterschiedlicher Kombinationen beim Aufbau eines Hedgefonds und seiner beteiligten Unternehmen und Anlegern. Die obige Zusammenfassung beschreibt in Kürze eine sehr übliche Methode zum Aufbau eines Hedgefonds und dessen Managementunternehmens. Es gibt jedoch noch viele weitere, und genauso kreativ wie Hedgefonds bei ihrer Investitionsstrategie vorgehen, können sie auch bei ihrer Organisationsstruktur sein. Das Fazit dieses Abschnitts ist, dass jede Unternehmensstruktur einzigartig ist und gemeinsam mit anderen, im weiteren Verlauf dieses Tutorials betrachteten, Faktoren bedacht werden sollte.

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